Nicolas Lagneau, Bildnis eines Jünglings mit dichtem gelocktem Haar und Halskrause, Inv. Nr.: 1…
Bildnis eines Jünglings mit dichtem gelocktem Haar und Halskrause
Nicolas Lagneau, Bildnis eines Jünglings mit dichtem gelocktem Haar und Halskrause, Inv. Nr.: 11479
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Bildnis eines Jünglings mit dichtem gelocktem Haar und Halskrause

Nicolas Lagneau




Künstler:in (Frankreich, um 1590 - 1666 (Marolles?))
Vormals zugeschrieben an (Paris 1574 - 1646 Paris)
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide, Rötel, Pastell, gewischt
Dimensions31,9 x 24,6 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number11479
Markingsr.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Lagneau, möglicherweise identisch mit Nicolas Lagneau[1], gehört zu den späten Vertretern des Crayonporträts, einer speziell französischen Kunstgattung, die sich vom 15. bis zum 17. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreute. Ausgehend von Jean Fouquet, der als erster Kreiden in zwei oder mehr Farben verwendete, erreichte das Genre der Bildniszeichnung unter Jean und François Clouet einen ersten Höhepunkt. Die bis ins 17. Jahrhundert wirkende Künstlerdynastie Dumonstier führte diese Gattung erfolgreich weiter. Die Regierung Heinrich IV., die religiöse, politische und gesellschaftliche Fronten aufbrach, gab auch den Künsten neue Impulse: ähnlich wie in den benachbarten Niederlanden bemühte man sich um Wirklichkeitstreue und Darstellungen des einfachen Lebens. Beeinflußt von Pierre und Daniel Dumonstier, die das Crayonbildnis realistisch neu zu beleben suchten, sprengte Lagneau den höfisch-bürgerlichen Rahmen der Kreideporträts zugunsten einer bald karikaturhaften, bald sittenbildlichen Darstellung von Charakteren und Volkstypen, die zu den eigenständigsten Leistungen des frühbarocken Realismus in Frankreich zählen.

Die beiden ausgestellten Pastelle der Albertina gehören allerdings nicht zu diesen expressiven, derb übersteigerten Physiognomien, sondern stehen ganz in der Tradition der eleganten höfischen Porträts: „Das Bildnis eines Jünglings“ ist eine der qualitätsvollsten subtilen späten Studien Lagneaus, die vormals Daniel Dumonstier zugeschrieben war und von Werner Hofmann als Arbeit Lagneaus erkannt wurde. Das Kontrapostmotiv der „Dame mit Ohrring“ erinnert an holländische und flämische Bildnisse des 17.Jhs.

 

Christine Ekelhart in: AK Old Master Drawings from Vienna, Albertina, Art Gallery of  New South Wales,Sidney 2002, Nr.58

 

 



[1] Léon Rousseau, Lagneau ou Nicolas Lagneau de Verneuil, in: GBA 101/1983 (mars), pp.105-108

Catalogue raisonné
  • Knab/Widauer 1993, 105
  • Bibliography
  • Französische Zeichnungen der Albertina. Von Clouet bis Le Brun. Wien 1993, F. 105
  • AK Old Master Drawings from Vienna, Albertina, Art Gallery of New South Wales,Sidney 2002, Nr.58
  • Albertina, Meisterzeichnungen: Dürer bis Michelangelo, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb.80
  • Maxime Préaud, Lagneau (Ausst. Kat. Musée Condé, Chantilly 2006/2006), Paris 2005 (zur dortigen Sammlung)
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
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    Last edited17.11.2020