Bildnis Odet de Coligny, Kardinal von Châtillon
François Clouet
Über die Persönlichkeit siehe Inv. Nr. 11.181. Wiederholung einer ebenso, aber in einer anderen "bâtarde", nämlich der "petite bâtarde regulière“ bezeichneten Bildniszeichnung im Britischen Museum (M.-N., ColI. Salting, PI. XVII; Ders. 1924, I, Fig. 30, III, S. 128, Nr. 5; Dimier II, 1330; Ede, Pl.III, H.) und einer ebenfalls als Original #François Clouets anzusprechenden Zeichnung auf Schloss Chantilly, die M.-N. 1922 der Sammlung des #Herzogs von Aumale hinzugefügt hat (Broglie, S. 298, Abb. 168). Letztere ist von derselben Hand beschrieben wie jene des Britischen Museums, zeigt aber die Knopfreihe weiter geführt als auf dieser und der der Albertina. Auch der Kardinalshut ist vorne höher gegeben. Dem 1548 datierten Gemälde in Schloss Chantilly (lnv. 48; Dimier II, 1486) kommt die Zeichnung des Britischen Museums am nächsten. Möglicherweise dienten auch die Zeichnung der Albertina und eine mit dieser weitgehend übereinstimmende, im Gesamtcharakter milder wirkende Kopie der Uffizien als Arbeitsbehelfe (lnv. 14.899; Dimier II, 1333; M.-N. 1924, III, S. 132, Nr. 13; Abb. 4a) . Die Züge des Kardinals erscheinen gefestigter und älter als auf der noch Jean Clouet oder seinem Kreise angehörenden Zeichnung Inv. Nr. 11.181. Auch die Strichführung wirkt plastischer in der Art François Clouets. Moreau-Nélaton sah in der Zeichnung der Albertina dieselbe Kopistenhand, die das Bildnis der #"Königin Margarethe von Navarra" in den Uffizien schuf (lnv.14.913; M.-N. I, Fig.27, 1910, Fig.XXIV.), der offenbar nach dem Gemälde auf Schloß Chantilly (M.-N. I, Fig.55, 1910, Fig.XXIX) und nicht nach der Zeichnung daselbst (Pl.XLIV, 1910, Pl.39) entstand. Letztere ist von #Katharina von Medici beschrieben: “la feu roine de navarre marguerite" (Dimier II, 332; Broglie 204). Auch die Aufschrift "Cardinal de Chastillon" gab er der Hand, die die Kopie der Uffizien beschrieb. Eine Genauere Prüfung lehrt, dass beide Bildnisse von verschiedenen Händen stammen: die Zeichnung der Albertina, obgleich auch eine Wiederholung, ist wesentlich freier und keineswegs nach dem Gemälde ausgeführt, ihre Beschriftung zeigt einen schwereren Duktus. In der Albertina vertritt sie wie die folgenden gleichsam den frühen Stil #François Clouets. Vergleichbar sind auch dem "Maître des Enfants de France" zugeschriebene Bildnisse (Adhémar, in: G.B.A 1973, Nr. 69-86). Die Beschriftung freilich, eine "bâtarde irregulière", stammt, wie Moreau-Nélaton zu Recht erkannt hatte, von derselben Hand wie auf der erwähnten Bildniskopie der Königin von Navarra in den Uffizien (M.-N. I, Fig. 27), womit abermals ein Beweis für die gemeinsame ursprüngliche Herkunft aus der Sammlung der Königin Katharina von Medici erbracht ist. Auch die freilich mit Kreide geschriebene Bezeichnung "Cardinal de Chastillon" auf dessen Bildniskopie in den Uffizien stammt von besagter Hand, der die Königin diktiert hatte.
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