Heilige Margarethe
Charles Alphonse Dufresnoy
Die Zeichnung kam vermutlich mit ihrer traditionellen Zuschreibung an Pierre Mignard in die Sammlung Herzog Alberts, doch gelang ihr Nachweis in Weigels Nachlaßkatalog des Jahres 1815 der Sammlung Gottfried Win[c]kler nicht. Erst Montagu schrieb das Blatt Charles-Alphonse Dufresnoy zu, und Rosenberg (1971, p.89, Abb. 17) veröffentlichte den Zusammenhang der Zeichnung mit dem für die Kirche Sainte Marguerite in Faubourg Saint Anthoine bestimmten, signierten und mit 1656 datierten Altarbild Dufresnoys (heute im Musée des Beaux-Arts in Evreux, Inv. 4638). Dufresnoy stand zu diesem Zeitpunkt offenbar noch im Bann Raffaels, an den die Darstellung erinnert (siehe dessen Versionen des Themas, die sich heute in Paris und Wien befinden (Paris 1983/84, 11, pp. 107/108); doch stehen Zeichnung bzw.Altarbild offenbar auch Mignards in großer Zahl entstandenen Madonnenbildern nahe. Die Zuschreibung des sorgfältig und bildhaft ausgeführten Blattes ist in der Literatur unumstritten, obwohl es mit jenen von Thuillier (1983, pp. 29-52; 1996, pp. 51-65) u.a.aus dem Œuvre Poussins isolierten, skizzenhafteren Blättern Dufresnoys schwer zu vergleichen ist Thuillier (1983, p.47) vermutet in der Zeichnung der Albertina ein bozzetto, das in der Ausführung noch in einigen Details verändert wurde; Cuzin (Paris 1983/84, p.107, Nr. 82) sieht darin auch eine spätere Reprise des Künstlers. Tatsächlich wurde zuletzt eine ähnlich weitgehend ausgeführte Zeichnung Dufresnoys veröffentlicht (siehe "Armida entdeckt den schlafenden Rinaldo" in der Ecole des Beaux-Arts, Paris, Inv. M 2896; Rom 2000, p.82), die nicht nur die Zuschreibung der vorliegenden, sondern auch der folgenden und bisher unveröffentlichten Zeichnung der Albertina (F. 424 = Inv. 12746) bestätigt. Der Louvre (Inv. 12444) besitzt im übrigen noch eine Zeichnung von eher mäßiger Qualität nach dem Altarbild oder der mit ihm im Zusammenhang stehenden Zeichnung der Albertina, die allerdings die Heilige ohne den Drachen wiedergibt (siehe Paris 1983/84, p. 107, unter Nr. 82 und zuletzt Laveissière 1996, p. 52).
Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Heinz Widauer (Bearb.), Die französischen Zeichnungen der Albertina. Vom Barock bis zum beginnenden Rokoko. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. X, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 38, Nr. 423.
