Huldigung vor Ludwig XIV. (Ernennung eines Ritters des Ordenns von Saint-Esprit)
Sébastien Le Clerc (le Vieux)
um 1702?
7 cm (Durchmesser Untersatzpapier)
F.796 - F.807
Zwölf Entwürfe zu Medaillenbildern
Die Albertina besitzt zwölf traditionell Sebastien Leclerc zugeschriebene Entwürfe zu Medaillen, von denen sich zehn eindeutig in die Sammlung der Mme. de Bandeville zurückverfolgen lassen (siehe Jombert, p. 210: "Dans l'œuvre de le Clerc, chez Madame de Bandeville, à la suite des 55 médailles il se trouve dix dessins ou esquisses faites par le Clerc pour cette même histoire du Roi, au crayon rouge seulement ... "). Die Zeichnungen befanden sich mit großer Sicherheit ursprünglich in einem der ehemaligen Kaiserlichen Hofbibliotheksbände (HB CLXII. (1). 4. fol 4. Nr. 5862 - 5873), welche die Sammlung von Zeichnungen und Radierungen der Madame de Bandeville enthielten und die über Moriz von Fries in den Besitz des Kaiserhauses gelangten. Vermutlich spätestens anläßlich der Leclerc gewidmeten Ausstellung 1937 in Metz wurden die Zeichnungen der Sammlung Bandeville aus den Stichbänden gelöst, neu montiert und in der "Französischen Schule" aufgestellt (derzeit Bd. 14b). Widersprüchlich erscheint der Umstand, daß Jombert zehn ausschließlich in Rötel ausgeführte Medaillenzeichnungen erwähnt, wohingegen die Klebestellen der herausgenommenen Blätter im betreffenden Band der Hofbibliothek für zwölf Medaillenzeichnungen der Sammlung Bandeville sprechen.
Tatsächlich sind zehn Blätter in Rötel und zwei weitere in schwarzer Kreide ausgeführt. Darüber hinaus haben wir bereits einmal festgestellt, daß sich die aus den Klebebänden der Sammlung Bandeville entnommenen Zeichnungen durch ihr blaues Untersatzpapier auszeichnen; dies trifft zwar auf zehn der Blätter zu, die allerdings auch die zwei in schwarzer Kreide ausgeführten Zeichnungen beinhalten, während zwei der Rötelblätter dieses Merkmal nicht aufweisen. Möglich wäre, daß dieser Widerspruch auf einem Irrtum Jomberts beruht und sich schon immer insgesamt zwölf Blätter in der Sammlung Bandeville befanden, oder viel wahrscheinlicher, daß die beiden in schwarzer Kreide ausgeführten Blätter (F. 800/Inv. 27909 und F. 801/Inv. 27917) aus einer anderen, uns heute unbekannten Sammlung in kaiserlichen Besitz gelangten und dort zusammen mit den Medaillenzeichnungen der Sammlung Bandeville montiert wurden. Gegen eine Herkunft der beiden zusätzlichen Medaillenblätter aus der Sammlung des Prinzen Eugen spricht jedenfalls das Fehlen der handschriftlichen Eintragung Jean-Pierre Mariettes zwei solche Blätter betreffend in einem der Sammlung des Prinzen Eugen vorbehaltenen Hofbibliotheksbände. Leclerc war spätestens ab 1684, als er dokumentarisch belegte Zahlungen seitens der Comptes des bâtiments du roi erhielt (siehe Préaud Nr. 645-677 bis.), Zeichner an der Petite Académie und in dieser Funktion auch für die Publikation des Buches "Médailles sur les événements du règne de Louis le Grand; avec des explications historiques", das 1702 und 1723 in Paris erschien, verantwortlich. Insgesamt 88 Medaillenstiche Leclercs sind heute bekannt, wovon 33 in die erste Auflage des erwähnten Medaillenbuches aufgenommen wurden; um sechs mehr als in der 1723 herausgegebenen Auflage, welche von Antoine Coypel (1661-1722), der die restlichen Medaillenillustrationen dieser Auflage ausführte, weggelassen wurden. Die im Buch abgebildeten Medaillen wurden mit dem immer gleichartig wiederkehrenden Porträt des Königs auf der Vorderseite abgebildet, der die ein bedeutendes Ereignis der Regierungszeit Ludwigs XIV. illustrierende Rückseite zur Seite gestellt wurde. Im Anschluß daran findet sich eine Erklärung zu der das Ereignis meist allegorisch erhöhenden Medaille. Es stellt sich die Frage, ob die vorliegenden Zeichnungen wirklich, wie von Jombert (p. 210: " ... pour cette histoire ... ") behauptet, für das betreffende Medaillenbuch beabsichtigt waren, oder ob sie nicht die Entwürfe für die eigentlichen Medaillen darstellen. So fehlen auf den Zeichnungen die das Ereignis beschreibende Devise und die Umschrift, die in dem die Stiche vorbereitenden Stadium bereits bekannt gewesen sein müßten. Devise und Umschrift wurden bei der Planung einer Medaille von dafür angestellten Spezialisten an der Petite Académie, der späteren Académie des Belles lettres, erdacht und vom König approbiert. Leclercs Entwürfe in der Albertina unterscheiden sich voneinander durch Ausführungsgrad und Technik: Die zumeist in Rötel gezeichneten Blätter, deren Darstellungen durch stärkere Umrißhafigkeit betont sind, wurden offenbar noch einigen Detailveränderungen unterworfen, bis sie für eine weitere Verwendung geeignet schienen, während wiederum andere, feiner und ausführlicher ausgeführte Zeichnungen näher an der entsprechenden Medaillenreproduktion stehen. Die manchmal zwischen Zeichnung und Stich bestehenden Größenunterschiede sowie Unterschiede in Details und Grad der Ausführung könnten demnach gegen die Verwendung der Blätter als Entwürfe für die in immer gleicher Größe wiederkehrenden Reproduktionen in "Médailles sur les événements ... " sprechen. Für zwei der in der Albertina aufbewahrten Medaillenentwürfe ließen sich im übrigen keine danach ausgeführten Stiche auffinden; sie könnten letztlich verworfene Entwürfe darstellen. Die Blätter folgen der Anordnung im Buch.
Zum Blatt: Im Unterschied zu den meisten anderen Entwürfen ist der vorliegende in schwarzer Kreide ausgeführt (siehe auch F. 803/Inv. 27919). Es ist fraglich, ob dieses kleine Blatt zusammen mit F. 803 wirklich aus der Sammlung Bandeville stammt, erwähnt Jombert doch nur in Rötel ausgeführte Medaillenentwürfe in der Pariser Sammlung. Der Entwurf gibt die Ansicht einer im Jahr 1689 geprägten Medaille wieder (siehe Jacquiot 1968, III, pp. 482-486 und "Médailles sur les événements...", p. 226), die den Treueschwur eines neuen Ritters an den König bei der Aufnahme in den Orden Saint-Esprit in Anwesenheit der Würdenträger des Ordens festhält (siehe auch Préaud, VIII, Nr.665.21). Der Orden von Saint-Esprit war der vornehmste Orden Frankreichs, wurde 1578 gestiftet und 1830 aufgehoben. Siehe auch Jombert (228.127), der zu diesem Entwurf auch eine lavierte Federzeichnung in der Sammlung Paignon kannte.
Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Heinz Widauer (Bearb.), Die französischen Zeichnungen der Albertina. Vom Barock bis zum beginnenden Rokoko. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. X, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 140ff., Nr. 802.
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