Unbestimmt, Entwurf zu einer Universitätsstadt, Situationsstudie, Vogelschau, aus Publikationsentwurf einer Werkdokumentation, Mappe 3
Lois Welzenbacher
1948
DIE KLEBEBÄNDE IM TEILNACHLASS VON LOIS WELZENBACHER IN DER ARCHITEKTURSAMMLUNG DER ALBERTINA
Lois Welzenbacher (1889–1955), überwiegend in Bayern, Österreich und Südtirol tätig, war einer der bedeutendsten österreichischen Architekten der Zwischenkriegszeit. Ab 1947 war er Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er neben Clemens Holzmeister die zweite Meisterschule für Architektur leitete.
Nach dem Tod des Architekten wurden 1956 im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck und an der Technischen Hochschule in München Gedächtnisausstellungen veranstaltet. Neben den Ausstellungen an der Kunstschule in Linz und im Bozener Künstlerbund fand im Herbst 1958 die große Welzenbacher-Ausstellung in der Graphischen Sammlung Albertina statt. Im Ausstellungskatalog dankte der damalige Albertina-Direktor, der bedeutende Kunsthistoriker Otto Benesch, der Witwe Welzenbachers, Frau Grete Welzenbacher, „für die gütige Überlassung dieser Auswahl aus dem zeichnerischen Nachlass ihres Gatten als Leihgabe für die gegenwärtige Ausstellung […].“ Erst drei Jahre später, 1961 erfolgte durch Grete Welzenbacher die Schenkung der Zeichnungen und Skizzen ihres Mannes an die Graphische Sammlung Albertina. Damals hatte sich auch die Technische Universität München für den Nachlass interessiert, doch da Welzenbachers Witwe den zeichnerischen Aspekt der Blätter betont wissen wollte, entschied sie sich schließlich für die Albertina als Aufbewahrungsort für den wertvollen künstlerischen Teilnachlass (rund 700 Zeichnungen, Skizzen, Fotografien und gedruckte Abbildungen) ihres Mannes. Andere Teile des Nachlasses werden im Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste in Wien und in der Graphischen Sammlung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum in Innsbruck aufbewahrt. Nennenswerte größere Bestände befanden und befinden sich möglicherweise noch im Besitz von ehemaligen Schülern Welzenbachers.
Bis zu seinem frühen Tod 1955 mit nur 66 Jahren inskribierten sich mehr als 120 Architekturstudenten in der Schule Welzenbacher. Dazu gehörte auch Bruno Tinhofer (1924–2005), der ab 1949 Assistent bei Welzenbacher wurde und später den Nachlass seines Lehrers verwaltete. Zusammen mit seinem eigenen Nachlass gelangten 2013 mehr als 300 bis dahin nicht bekannte Zeichnungen Welzenbachers in den Bestand des Archivs für Baukunst der Universität Innsbruck.
In seinen letzten Lebensmonaten, 1955, befasste sich Welzenbacher offenbar noch selbst mit der Herausgabe einer Werkmonographie seiner Arbeiten, der er den Titel „Welzenbacher. Bauten und Entwürfe“ geben wollte. Für dieses Vorhaben fertigte er drei umfangreiche Bände als Klebeumbrüche an, von denen sich zwei im Nachlassteil der Albertina und einer im Archiv für Baukunst der Universität Innsbruck befinden. Die Klebeumbrüche bestehen aus lose gefalteten Blättern, in die Fotografien, Ausschnitte aus Publikationen (gedruckte Fotografien und Zeichnungen) sowie eine größere Menge an Originalzeichnungen (Kohle, Bleistift oder Tusche auf unregelmäßigen Abrissen von Transparentpapier oder Aquafix) montiert wurden.
Bereits einige Jahre zuvor, 1949, hatte Welzenbacher gemeinsam mit Thomas Schwarz die Zeitschrift „Der Plan. Eine Zeitschrift für moderne Architektur“ herausgegeben, von der aber nur zwei Nummern erschienen. Offensichtlich besteht kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Herausgeberschaft Welzenbachers dieser Zeitschrift mit den später entstandenen Klebeumbrüchen.
Dem Archiv für Baukunst der Universität Innsbruck wurde von Marina Spielmann, der Tochter Bruno Tinhofers, darüber hinaus ein gedrucktes Musterexemplar des Buchmanuskripts im Format 23 x 29 cm geschenkt. Es ist ohne Angabe eines Verlags, mit vier Leerseiten für ein Vorwort und eine Einführung. Sein Inhalt unterscheidet sich gegenüber den Entwürfen in Konzeption, Format und Umfang deutlich.
Im Archiv für Baukunst der Universität Innsbruck befindet sich auch ein Briefwechsel von Grete Welzenbacher mit dem Callwey Verlag in München, dem Verlag Julius Hoffmann in Stuttgart und der Österreichischen Staatsdruckerei in Wien sowie der Akademie der bildenden Künste in Wien, die den Druck der Werkmonographie Welzenbachers finanziell ermöglichen sollte. Die Briefe belegen die letztlich erfolglosen Verhandlungen: Das Buch ist nie erschienen. Es scheiterte wohl am geplanten Umfang von ursprünglich 200 bis 300 Seiten und dem aufwändigen Anspruch der Gestaltung mit zahlreichen Illustrationen.
Erst 1968 veröffentlichten der Clemens Holzmeister-Schüler Friedrich Achleitner und der Lois Welzenbacher-Schüler Ottokar Uhl im Salzburger Residenz-Verlag die erste große Welzenbacher-Monographie unter dem Titel „Lois Welzenbacher 1889–1955“. Es folgten mit einigem zeitlichen Abstand 1989 die Begleitpublikation zu einer umfangreichen Welzenbacher-Ausstellung in der Akademie der bildenden Künste in Wien von August Sarnitz („Lois Welzenbacher: Architekt, 1889–1955“) erneut im Residenz-Verlag in Salzburg und 1990 von Sigrid Hauser („Idee, Skizze … Foto. Zu Werk und Arbeitsweise Lois Welzenbachers“) im Löcker-Verlag in Wien.
Christoph Hölz & Markus Kristan
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