Büste einer jungen Frau nach links
Pietro da Cortona
1637
Zu den bedeutendsten Werken von Pietro da Cortona, einem der richtungsweisenden Hauptmeister des italienischen Barock, zählen die Fresken der vier Zeitalter im Palazzo Pitti in Florenz. 1637 beauftragte Großherzog #Ferdinand II. den Künstler mit der Dekoration des Raumes (Camera della Stufa), von der in wenig mehr als zwei Monaten die Darstellungen des "Goldenen" und des "Silbernen Zeitalters" vollendet waren. Die beiden anderen Fresken der Stufa stellte er nach einer Unterbrechung von fast vier Jahren 1641 fertig. Auf der Zeichnung hat Cortona die Büste der knienden jungen Frau studiert, die im rechten unteren Eck des "Goldenen Zeitalters" einem Knaben Blumen reicht. Sofort fällt die Sicherheit ins Auge, mit der er das Gewand mit nur flüchtigen Kreidestrichen angedeutet und in Aufsicht Oberkörper und Haupt mit fließenden, zusammenfassenden Strichen plastisch herausmodelliert hat. Durch die Rottöne im Gesicht und die mit weißer Kreide aufgesetzten Glanzlichter erhält die Gestalt eine äußerst frische und natürliche Wirkung. Ihre mädchenhafte Gelöstheit und Anmut verbinden sich dabei mit "Zügen von schelmischer Koketterie und halbverdeckter Sinnlichkeit", wie Alfred Stix (1930, S. 182) treffend bemerkt hat. Die genaue Beobachtung ihrer Gesichtszüge und die souveräne Wiedergabe der Gestalt lassen an das Studium nach einem Modell denken. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass der Künstler in dieser Zeit Mädchen aus seiner Nachbarschaft gezeichnet und diese Bildnisse für Fresken in der Camera della Stufa und anderen Malereien verwendet hat (siehe Merz 2005, S. 57, S. 450, Anm. 153). Das Blatt der Albertina könnte somit nach einem dieser Modelle entstanden sein.
vgl. Achim Gnann, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 108.
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