Monogrammist NDB, Die Muttergottes mit dem Christuskind und Heiligen, Inv. Nr.: DG2002/436
Die Muttergottes mit dem Christuskind und Heiligen
Monogrammist NDB, Die Muttergottes mit dem Christuskind und Heiligen, Inv. Nr.: DG2002/436
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Die Muttergottes mit dem Christuskind und Heiligen

Monogrammist NDB

um 1540-1550




Künstler:in (Italien, 16. Jahrhundert)
Nach (Parma 1503 - 1540 Casalmaggiore)
Dateum 1540-1550
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesClair-obscur-Holzschnitt in drei Platten (braun)
DimensionsBlatt: 24 x 18,2 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG2002/436
Signedl.o. "NDB"
Im Kontext der Sammlung
Dieses Blatt befindet sich auf Seite It/I/2/27 des Klebebandes Italien nach Sektionen I/2. Der Band ist Teil der historischen Druckgrafiksammlung Herzog Alberts von Sachsen-Teschen und seiner Gemahlin Marie Christine. Die Druckgrafiken dieser Sammlung werden in ledergebundenen Folianten verwahrt, die traditionell als „Klebebände“ bezeichnet werden. Die Sammlung als solche ist nach europäischen Kunstlandschaften gegliedert und umfasst die Bereiche Deutsch, Frankreich, Holland und die Niederlande, Italien sowie England. Der Klebeband, in welchem sich die vorliegende Seite befindet, umfasst Arbeiten aus dem Raum Italien. Er gehört in der Sammlungsstruktur zur Sektion 1, welche vornehmlich Grafiken beinhaltet, bei welchen Erfindung und druckgrafische Ausführung meist in der Hand derselben Künstlerin bzw. desselben Künstlers liegt. Es ist der 2. Klebeband dieser Sektion. Über den Bereich „Verbundene Objekte“ können Sie den gesamten Klebeband einsehen.
Die historischen Klebebände der Albertina konnten in einem umfassenden Forschungs- und Digitalisierungsprojekt erschlossen und digital zugänglich gemacht werden. Insgesamt umfasst die Sammlung der Albertina 1436 historische Folianten, davon beinhalten 749 die Druckgrafiken des herzoglichen Sammlerpaares. Mehr zum Projekt
Text

Der Holzschnitt zeigt in dichter Aneinanderreihung die Muttergottes mit Kind, den Johannesknaben, die hl. Maria Magdalena, den Evangelisten Johannes sowie zwei weibliche Heilige. Lediglich zur Gestalt der Madonna hat sich eine Federzeichnung Parmigianinos in den Uffizien erhalten (Gnann 2007, Kat. 435 Verso), die vermutlich aus der römischen Periode des Künstlers um 1524 bis 1526 stammt. In der Anordnung der schräg sitzenden Madonnengestalt, der beiden sich umarmenden Knaben und der Maria Magdalena am linken Rand zeigt die Komposition engste Bezüge zu Parmigianinos sogenannter Madonna mit dem hl. Zacharias in den Uffizien (Di Giampoalo 1991, Kat. 37), weshalb sie zu Recht als ein frühes Projekt für dieses Bild angesehen wurde. Die nicht erhaltene Vorzeichnung für die Komposition war offensichtlich berühmt, da sie in Kopien und verschiedenen druckgraphischen Reproduktionen, darunter dem Farbholzschnitt vom Meister NDB, Verbreitung fand. L. Bouteiller hat sie gegenseitig lithographiert, als sie sich in der Sammlung des Barons Vivant-Denon befand (Popham 1971, O. R. 21, Pl. 240). Nach ihr dürften auch eine im Louvre befindliche Rötelkopie (Inv. Nr. 6546) sowie eine gegensinnige Radierung von Léon Davent (B. XVI, S. 310, Nr. 1) und ein gleichseitiger Kupferstich von Georges Reverdy entstanden sein (B. XV, S. 470, Nr. 9). Eine weitere Nachzeichnung befindet sich in der Biblioteca Ambrosiana in Mailand (Inv. Nr. F 235, 1134). Wie Brown und Landau (1981) nachgewiesen haben, hat Perino del Vaga die Komposition in einer Federskizze im Ashmolean Museum in Oxford auf der Grundlage eines partiellen Abklatschs von Reverdys Stich festgehalten, der sich vermutlich beim Aufeinanderstapeln der feuchten Drucke ergeben hat. Perino hat dabei die Vorlage seinen eigenen Ideen angepasst und einige Heiligenfiguren unter Beibehaltung ihrer Posen durch andere ersetzt. Später hat A. M. Zanetti die Darstellung in einem 1723 datierten gegenseitigen Clair-obscur- Holzschnitt festgehalten (B. XII, S. 176, Nr. 38). Alle druckgraphischen Reproduktionen weichen in Einzelheiten voneinander ab, was belegt, dass sie, unabhängig voneinander, vermutlich alle nach dem verlorenen Original Parmigianinos entstanden sind. Möglicherweise hat dieses der Meister NDB bei seiner Übersiedlung aus Italien nach Fontainebleau sogar selbst mitgebracht. Auf seinem Clair-obscur sowie den anderen Drucken erscheint am Rand ein Lamm, das auf der Lithographie von L. Bouteiller fehlt. Wie die Kopie im Louvre erhellt, war dieses in der originalen Zeichnung nur leicht angedeutet, weshalb es Bouteiller weggelassen haben könnte. Man muss somit nicht notwendigerweise von einer weiteren heute verlorenen Zeichnung Parmigianinos ausgehen, in der Einzelheiten noch deutlicher oder teilweise abweichend wiedergegeben waren. Die Ausführung des Farbholzschnitts ist mit der des Bethlehemitischen Kindermords (Wien 2013, Sammlung Baselitz, Kat. 134, 135) vergleichbar, wirkt aber härter, geradezu steif, und könnte daher etwas früher entstanden sein. Von dem graziösen Schwung und der Eleganz der Geschöpfe Parmigianinos ist auf dem Blatt wenig zu spüren. Zur Wiedergabe der Heiligenfiguren benötigt der Meister noch gänzlich die schwarze Linienplatte, mit der er alle Körper gleichmäßig umschreibt. Mit der dunklen Tonplatte und den ausgeschnittenen Lichthöhungen schafft er ähnlich graphisch-lineare Akzente wie mit der Strichplatte in Form von dicht aneinandergelegten feinen Linien. Die hellste Tonplatte gibt den flächenfüllenden Grundton für die gesamte Komposition an. Von dem Blatt existiert noch ein früherer Zustand (Albertina, Inv. 2002/437; HB 33.1, S. 83, blaue Nr. 226), in dem das Monogramm am linken oberen Rand noch nicht eingeschnitten ist. Auf diesem ist die Umfassungslinie am linken Rand nicht unterbrochen, sind die Gesichter Johannes des Täufers und der Heiligen neben Maria Magdalena noch durchgehend konturiert und anstelle des schwarzen Flecks am Bein des Lamms sind Schraffuren zu sehen. Diese und andere Linien wurden somit in dem hier ausgestellten Exemplar, dem zweiten Zustand, weggeschnitten.  

 AK: Achim Gnann, In Farbe! Clair-obscur-Holzschnitte der Renaissance. Meisterwerke aus der Sammlung Georg Baselitz und der Albertina in Wien, München 2013, Abb. 137, S. 280.

Literatur: Nagler 1858–1879, Bd. 4, 1871, S. 744, Nr. 3; Servolini 1932, S. 91; Wien 1963, Nr. 141; Trotter 1974, S. 222ff.; Karpinski 1976, Kat. 4; Brown und Landau 1981, S. 21; Karpinski 1983, S. 83; Mantua 2001, S. 140, Kat. 38 (Text v. A. Gnann); Matile 2003, S. 155, Kat. 66; Gnann 2007, Bd. 1, S. 329f., Anm. 433, S. 331, Anm. 511; München und Frankfurt 2007–2008, S. 133, unter Kat. 43; Jenkins 2013, S. 135ff.

Catalogue raisonné
  • Bartsch XII.63.21
  • Bibliography
  • Achim Gnann, AK, In Farbe! Clair-obscur-Holzschnitte der Renaissance. Meisterwerke aus der Sammlung Georg Baselitz und der Albertina in Wien, München 2013, Nr. 137
  • Provenance
  • Mariette
  • Albertina

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    Last edited02.07.2021