Antonio da Trento, Augustus und die Tiburtinische Sibylle, Inv. Nr.: DG2002/527
Augustus und die Tiburtinische Sibylle
Antonio da Trento, Augustus und die Tiburtinische Sibylle, Inv. Nr.: DG2002/527
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Augustus und die Tiburtinische Sibylle

Antonio da Trento

um 1529-1530




Künstler:in (Trento 1508 - 1550 Fontainebleau)
Nach (Parma 1503 - 1540 Casalmaggiore)
Dateum 1529-1530
Object TypeDruckgraphik
Object typePrint
Materials / TechniquesClair-obscur-Holzschnitt von zwei Platten
CreditALBERTINA, Wien
Object numberDG2002/527
Im Kontext der Sammlung
Die historischen Klebebände der Albertina konnten in einem umfassenden Forschungs- und Digitalisierungsprojekt erschlossen und digital zugänglich gemacht werden. Insgesamt umfasst die Sammlung der Albertina 1436 historische Folianten, davon beinhalten 749 die Druckgrafiken des herzoglichen Sammlerpaares. Mehr zum Projekt
Dieses Blatt befindet sich auf Seite It/I/2/55 des Klebebandes Italien nach Sektionen I/2. Der Band ist Teil der historischen Druckgrafiksammlung Herzog Alberts von Sachsen-Teschen und seiner Gemahlin Marie Christine. Die Druckgrafiken dieser Sammlung werden in ledergebundenen Folianten verwahrt, die traditionell als „Klebebände“ bezeichnet werden. Die Sammlung als solche ist nach europäischen Kunstlandschaften gegliedert und umfasst die Bereiche Deutsch, Frankreich, Holland und die Niederlande, Italien sowie England. Der Klebeband, in welchem sich die vorliegende Seite befindet, umfasst Arbeiten aus dem Raum Italien. Er gehört in der Sammlungsstruktur zur Sektion 1, welche vornehmlich Grafiken beinhaltet, bei welchen Erfindung und druckgrafische Ausführung meist in der Hand derselben Künstlerin bzw. desselben Künstlers liegt. Es ist der 2. Klebeband dieser Sektion. Über den Bereich „Verbundene Objekte“ können Sie den gesamten Klebeband einsehen.
Text

Der bereits von Giorgio Vasari (Ausg. Milanesi, Bd. V, 1880, S. 423) als Die Sibylle prophezeit Augustus die Geburt Christi erwähnte Farbholzschnitt ist eines der schönsten Werke von Antonio da Trento. Gegenüber dem Martyrium des hl. Paulus und der Verurteilung des hl. Petrus (Albertina, Inv. DG2002/466) wurden die Linien der schwarzen Strichplatte nun kontrollierter und ökonomischer eingesetzt, wodurch die Figuren an Körperlichkeit, der Raum an Tiefe und die Komposition an Klarheit gewinnen. Die Darstellung greift eine Bildtradition auf, die vermutlich auf Pietro Cavallinis verlorenes Apsisfresko in S. Maria in Aracoeli zurückgeht: Die beiden Hauptfiguren stehen nebeneinander und wenden sich der himmlischen Erscheinung zu, die seitlich im oberen Bereich sichtbar ist. In dem Gebäude rechts ist vielleicht der von Augustus anlässlich des Friedens errichtete prächtige Tempel zu erkennen, der bei der Geburt Christi einstürzte, und der Sockel linker Hand weist eventuell auf den Altar hin, den der Kaiser im Anschluss an dieses Ereignis auf dem Kapitol erbaute (Vayer 1963, S. 39ff.). Die Komposition ist neben einem Kupferstich von Giulio Bonasone (Heinecken 1789, Bd. 3, 1789, S. 138, Nr. 76) und einem Giorgio Reverdino zugeschriebenen Stich (Baudi di Vesme 1938, Nr. 75) auch durch einen Clair-obscur von Niccolò Vicentino überliefert (Albertina, Inv. DG2002/525). Zu der Hauptgruppe haben sich verschiedene spiegelbildliche Studien Parmigianinos erhalten (Wien 2013, Abb. 49). Eine Radierung von Francesco Rosaspina gibt zudem einen verlorenen Gesamtentwurf wieder, der dem Holzschnitt am nächsten steht, sich von diesem aber noch in verschiedenen Details unterscheidet. Die endgültige Vorzeichnung des Meisters hat sich nicht erhalten (vgl. Popham 1971, Nr. 398, 595, 802, O. R. 89, Pl. 126–128). A. E. Popham (1969, S. 49) hat auf einen Tagebucheintrag von Alessandro Vittoria vom Februar 1558 hingewiesen, dem zufolge der Bildhauer von Battista Pittoni »Una tavoleta di legno di perro dissegnata con la Sibila Cumana et Otaviano imperatore di man dil soprascritto ms. Francesco Parmigianino« gekauft habe (Cigogna 1827, S. 126). Dieser Angabe zufolge hat Parmigianino die Komposition der Tiburtinischen Sibylle und des Augustus direkt auf ein Täfelchen aus Birnbaumholz gezeichnet. Es könnte aber auch lediglich gemeint sein, dass die Erfindung der Darstellung auf dem Holzstock von dem Künstler stammt. Popham (1969) nahm an, dass Parmigianino auch andere Entwürfe für den Holzschnitt direkt auf die Druckplatte gezeichnet hat. Da auf einer der Vorzeichnungen eine Studie zu dem Vorhang in der Madonna della Rosa (Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden) von ca. 1529/30 auftaucht (Popham 1971, Nr. 595 Verso, Pl. 128), lässt sich die Erfindung unserer Darstellung genau in diese Jahre datieren. Bereits in der Einleitung wurde die von Vasari (Ausg. Milanesi, Bd. V, 1880, S. 187) überlieferte Episode erwähnt, der zufolge Antonio eines Tages einen Kasten mit all den Holzschnitten, Kupferstichen und Zeichnungen Parmigianinos stahl und mit der Beute floh. Das folgenschwere Ereignis, das die Trennung von dem Formschneider nach sich zog, kann somit erst am Ende seines Aufenthaltes in Bologna stattgefunden haben, wo Parmigianino bis 1530/31 ansässig war.

Weitere Exemplare dieses Clair-obscur-Holzschnitts sind in der Albertina erhalten (Inv. DG2002/526, Inv. DG2002/528, Inv. DG1121, Inv. DG1122).

 

Literatur: Nagler 1835–1852, Bd. 4, 1837, S. 244; Zanetti 1837, S. 18, Nr. 19; Kolloff 1878, S. 154, Nr. 22; Seibt 1891, S. 52; Artioli 1901, S. 124; Reichel 1926, S. 34; Pittaluga 1930, S. 241; Copertini 1932, Bd. 2, S. 39, Tav. CXXIV; Florenz 1956, S. 18, Nr. 24; Zava Boccazzi 1962, S. 58, Nr. 4; Wien 1963, Nr. 111; Paris und Rotterdam 1965–1966, Nr. 133; Popham 1969, S. 49ff., Fig. 1; Popham 1971, S. 13, Fig. 24; Trotter 1974, S. 179ff.; Franklin 1977, S. 28; Goldfarb 1981, S. 315ff.; Karpinski 1983, S. 141; New York 1986, Nr. 45; Los Angeles 1988–1989, Nr. 49; Gnann 2002, S. 294; Parma und Wien 2003, Nr. 2.4.12 (Text v. A. Gnann); Parma 2003, Nr. 93 (Text v. C. Farinelli); Ottawa und New York 2003–2004, Nr. 62; Tokio 2005, Kat. 22; Ekserdjian 2006, S. 221, Fig. 238; Gnann 2007, S. 189; München und Frankfurt 2007–2008, Kat. 66–67; Budapest 2009– 2010, Kat. 46

 

Catalogue raisonné
  • Bartsch XII.90.7
  • Le Blanc II.218.7
  • AK Albertina 1966, Nr. 198
  • Bibliography
  • vgl. Achim Gnann, AK, In Farbe! Clair-obscur-Holzschnitte der Renaissance. Meisterwerke aus der Sammlung Georg Baselitz und der Albertina in Wien, München 2013, S. 190-195
  • Provenance
  • Mariette
  • Albertina

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/136507/augustus-und-die-tiburtinische-sibylleImage Request
    Last edited14.04.2025

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