Gustav Klimt, Schwebende mit ausgestrecktem linkem Arm (Studie für den 1. Zustand von "Die Medi…
Schwebende mit ausgestrecktem linkem Arm (Studie für den 1. Zustand von "Die Medizin")
Gustav Klimt, Schwebende mit ausgestrecktem linkem Arm (Studie für den 1. Zustand von "Die Medizin"), Inv. Nr.: 23664
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Schwebende mit ausgestrecktem linkem Arm (Studie für den 1. Zustand von "Die Medizin")

Gustav Klimt

1900/01




Künstler:in (Wien 1862 - 1918 Wien)
Date1900/01
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide auf Papier
Dimensions41,5 × 27,3 cm
Rahmenaußenmaß 70 × 50 × 3,4 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number23664
Inscribedr.u. "2290"
Text

Gustav Klimt, der älteste Sohn des Goldgraveurs #Ernst Klimt sen., studierte von 1876 bis 1883 an der Wiener Kunstgewerbeschule; seine Hauptfächer waren Zeichnung und Malerei. Mit #Franz Matsch und seinem Bruder #Ernst bildete Gustav Klimt von 1880 bis 1892 eine erfolgreiche Arbeitsgemeinschaft, die in öffentlichen Gebäuden mehrere dekorative Aufträge ausführte. Im Laufe der 1890er-Jahre vollzog sich seine Wende vom Historismus zum Symbolismus; 1897 wurde er zum Präsidenten der neu gegründeten "Secession" ernannt.
Meilensteine seiner modernen Monumentalkunst sind die drei Fakultätsbilder, deren Präsentationen in der Secession (1900, 1901 und 1903) jeweils großes Aufsehen erregten. Den Höhepunkt seiner secessionistischen "Stilkunst" bildet der Beethovenfries (1902). 1905 verließ Klimt mit einer Gruppe von gleichgesinnten Kollegen die Vereinigung. In der Kunstschau (1908) stellte er die Hauptwerke seiner "Goldenen Periode" aus, darunter das Gemälde "Der Kuss". In seinen Landschaften, Porträtbildern und Allegorien lockert sich ab 1910 sein Pinselstrich; er lässt den Goldenen Stil hinter sich und malt - vor allem beeinflusst von seinen französischen Zeitgenossen - in kräftigen, leuchtenden Farben.
Seine rund 4000 erhaltenen Zeichnungen entstanden zum Großteil im Zusammenhang mit den Allegorien und den Porträtgemälden; fast alle Blätter sind dem Studium großteils weiblicher Modelle gewidmet. Schon zu Lebzeiten war Klimt vor allem durch seine erotischen Linienschöpfungen berühmt.
Die Zeichnung einer schwebenden Frauengestalt entstand für das 1901 erstmals präsentierte Fakultätsbild Medizin. Bereits 1894 erhielten Franz Matsch und Gustav Klimt den Auftrag, die Decke der Universitätsaula mit allegorischen Deckengemälden der verschiedenen Wissenschaften zu dekorieren. Unter dem Einfluss des Symbolismus setzte Klimt sich in diesem Rahmen erstmals intensiv mit den großen Lebensfragen auseinander, die ihn dann während seiner ganzen Laufbahn beschäftigen sollten. Die Studien zu den Einzelfiguren seiner ersten beiden Allegorien "Philosophie" (1900) und "Medizin" (1901) zeugen von der ständigen Suche nach der die jeweilige Gemütslage möglichst treffenden Formel. Die Stellungen und Gesten der somnambulen, dem Schicksal ausgelieferten Gestalten wirken dabei wie von oben diktiert. In der umfangreichen Studiengruppe für die figurenreiche Medizin sind alle Alterskategorien und unzählige Stadien des seelischen und körperlichen Leidens vertreten.
In diesem Rahmen nimmt die Serie der Studien für die im Weltraum schwebende junge Frau, die ihre Hand nach der "leidenden Menschheit" ausstreckt, eine Sonderstellung ein. Die Zeichnung, zweifellos der Höhepunkt innerhalb der Studiengruppe, kann als eine vollendete Korrelation von Stil und Ausdruck bezeichnet werden. In dieser Arbeit konzentriert Klimt sich ganz auf die bogenförmige Gesamtbewegung der Konturen und der Parallelschraffen, wobei er die Füße unausgeführt lässt und den erhobenen Arm im Ansatz darstellt; nur flüchtig deutet er den wie im Schlaf geneigten Kopf an. In diesem sich verführerisch vorwölbenden und gleichzeitig entschwindenden Frauenkörper zeigt sich exemplarisch die Klimt kennzeichnende Verbindung von Sinnlichkeit und Metaphysik.

vgl. Marian Bisanz-Prakken, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 207.

Catalogue raisonné
  • GKZ621, Strobl 621
  • Bibliography
  • Emil Pirchan, Gustav Klimt. Ein Künstler aus Wien, Wien/Leipzig 1942 (Abb. 93)
  • Deutsche Zeichnungen der Jahrhundertwende (Ausst. Kat. Albertina, Wien 1943), Wien 1943, Nr. 13
  • Klimt – Schiele – Kokoschka (Ausst. Kat. Österreichische Kulturvereinigung, Neue Galerie, Wien 1945), Wien 1945, S. 15, Nr. 16
  • Ingomar Hatle, Gustav Klimt. Ein Maler des Jugendstils, Graz 1955, S. 83
  • Emil Pirchan, Gustav Klimt, Wien 1956 (Abb. 54)
  • Gedächtnisausstellung Gustav Klimt (Ausst. Kat. Albertina, Wien 1958/59), Wien 1958, Nr. 31
  • Meisterwerke österreichischer Malerei 1800 – 1930 (Ausst. Kat. Kunsthalle, Düsseldorf 1959), Düsseldorf 1959, Nr. 75
  • Gustav Klimt 1862–1918. Zeichnungen, Gedächtnisausstellung (Ausst. Kat. Albertina, Wien 1962), Wien 1962, S. 27, Nr. 32
  • Alice Strobl, Gustav Klimt. Zeichnungen und Gemälde, Salzburg 1962, S. 7 (Taf. 7)
  • Walter Koschatzky, (Hg.), Gustav Klimt, 25 Zeichnungen ausgewählt und bearbeitet von A. Strobl, Veröffentlichungen der Albertina I, Graz/Wien, 1964 (Klimtmappe), S. 5 (Taf. 2)
  • Fritz Novotny/Johannes Dobai, Gustav Klimt, Salzburg 1967, S. 318
  • Giuseppe Lo Duca, Die Erotik im 20. Jahrhundert, Basel 1967 (Abb. S. 108)
  • 3. Internationale der Zeichnung, Sonderausstellung Gustav Klimt und Henri Matisse (Ausst. Kat. der Stadt Darmstadt, Mathildenhöhe, Darmstadt 1970), Darmstadt 1970, Nr. 27 (Abb.)
  • Erwin Mitsch (Hg.), Det moderne gennembrud i østrigsk kunst. Tegninger og akvareller ca. 1900–1940 fra Graphische Sammlung Albertina, Wien (Ausst.-Kat. Statens Museum for Kunst, Kopenhagen 1973), Kopenhagen 1973, Nr. 3 (Abb.)
  • Ewa Kuryluk, Wiedeńska apokalipsa. Eseje d sztuce i literaturze wiedeńskiej około (Wyd. 1.) Krakau 1974 (Abb. 29)
  • Gustav Klimt. Zeichnungen aus Albertina- und Privatbesitz (Ausst. Kat. Museum Folkwang, Essen 1976), Essen 1976, Nr. 18 (Abb.)
  • P. Winter, Museum Folkwang, Ausstellung Gustav Klimt, in: Pantheon, Jg. 34, 1976, S. 246
  • Marian Bisanz-Prakken, Gustav Klimt. Der Beethovenfries. Geschichte, Funktion und Bedeutung, Salzburg 1977, S. 51 (Abb.)
  • Otto Breicha, Gustav Klimt, Die goldene Pforte. Werk, Wesen, Wirkung. Bilder und Schriften zu Leben und Werk, Salzburg 1978 (Abb. 32)
  • Alice Strobl, Gustav Klimt. Die Zeichnungen 1878-1903, Bd. I, Salzburg 1980, WV-Nr. 621, S. 190 (Abb. S. 191)
  • Otto Breicha, Gustav Klimt, Mailand 1981 (Abb. 41) [Gustav Klimt. Die Goldene Pforte, Salzburg 1978, in ital. Sprache]
  • Erwin Mitsch, Dessins de l`Albertina de Vienne. Pionniers de l´art moderne en Autriche 1898 - 1938 Ausst. Kat. Musée Rath, Genf 1980), Genf 1980, S. 22, Kat. 3 (Abb. 3, S. 20)
  • Vienna 1900. Art, Architecture & Design (Ausst. Kat. Museum of Modern Art, New York 1986), New York 1986, Nr. 25 (Abb. S. 196)
  • Alice Strobl, Gustav Klimt. Die Zeichnungen Nachtrag 1878-1918, Bd. IV, Salzburg 1989, WV-Nr. 621, S. 238
  • Christian M. Nebehay, Gustav Klimt. Von der Zeichnung zum Bild, Wien 1992, S. 66 (Abb. 65)
  • Marian Bisanz-Prakken, Heiliger Frühling. Gustav Klimt und die Anfänge der Wiener Secession 1895–1905 (Ausst. Kat. Albertina, Wien 1998/99), Wien 1998, Nr. 108 (Abb.)
  • Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Meisterzeichnungen der Albertina. Schiele bis Giaccometti, Wien 2003 (Abb.8)
  • Rainer Metzger, Gustav Klimt. Das graphische Werk, Wien 2005 (Abb. S. 91)
  • Marian Bisanz-Prakken/Hans Janssen, Toorop in Wenen: Inspiratie voor Klimt (Ausst. Kat. Gemeentemuseum, Den Haag 2006/07, in Zusammenarbeit mit der Albertina, Wien), Zwolle 2006, Kat. 42, S. 112/117
  • Christoph Grunenberg, „Heiliger Frühling“ und die Zeitenwende: Die Wiener Secession, in: Tobias G. Natter (Hg.), Gustav Klimt. Sämtliche Gemälde, Köln 2012, S. 40-99, hier S. 79
  • Marian Bisanz-Prakken, Gustav Klimt. Die Zeichnungen (Ausst.-Kat. Albertina, Wien 2012 / The J. Paul Getty Museum, Los Angeles 2012), München 2012, Nr. 36
  • Tobias G. Natter/Christiane Druml/Markus Müller (Hg.), Gustav Klimt und die Medizin. Bilder zum Fluss des Lebens (Ausst. Kat. Josephinum – Medizinhistorisches Museum Wien 2026), München 2026, Abb. S. 47
  • Provenance
  • 1918 Nachlass Gustav Klimt, Wien
  • 1918 Widmung der Erben an die Österreichische Galerie, Wien (heute Belvedere)
  • 24.1.1923 Albertina, Wien (Invent. Übernahme von der Österreichischen Galerie, Wien)
  • Online resources
    zum verwandten Werk

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    Last edited21.06.2026