Jean Pierre Saint-Ours, Das Jesuskind bekrönt die Jungfrau Maria, Inv. Nr.: 12856
Das Jesuskind bekrönt die Jungfrau Maria
Jean Pierre Saint-Ours, Das Jesuskind bekrönt die Jungfrau Maria, Inv. Nr.: 12856
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Das Jesuskind bekrönt die Jungfrau Maria

Jean Pierre Saint-Ours

1778-1780




Künstler:in (Genf 1752 - 1809 Genf)
Date1778-1780
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide, spurenweise bräunlicher Rötel, Pinsel in Braun und Grau, mit Pinsel in Weiß und weißer Kreide gehöht auf blauem Papier; Röteleinfassungslinie um die Darstellung
Dimensions34,9 x 20,8 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number12856
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Eine ekstatisch verzückte Heilige, die auf Stufen sitzt und gegen eine Art Postament gelehnt erscheint, wird von dem darauf stehenden Jesuskind mit einem Blüten- oder Sternenkranz gekrönt; recht dahinter im Schatten ein schlafender Wächter; über allem der sich öffnende Himmel mit der Taube des Hl. Geistes und Engelsköpfen. - Thema und Stil des vorliegenden Blattes zeigen sich noch kaum berührt von dem strengen, tugendfanatischen Klassizismus, zu dem Saint-Ours bald nach 1780 während seines Romaufenthaltes gelangte. Die reich differenzierten malerischen Effekte, die weich fließenden Linien und eine gewisse Lockerheit und Instabilität in der Figurenhaltung, die die Heilige zeigt, sind in dem ersten Werk des Künstlers mit quasi revolutionärer Ikonographie, der "Freilassung der Griechen durch Flaminius", immer noch spürbar. Diese inzwischen berühmt gewordene große Zeichnung hat Anne de Herdt zuletzt mit 1782 datiert (Anne de Herdt, Saint-Ours et la Révolution, in: "Genava", N. F., Bd. 37, 1989, S. 131ff., hier: S. 135, Abb. 1). Bei dem vorliegenden Blatt dürfte es sich aber vor allem aufgrund seines religiösen, darüber hinaus offenbar katholischen Bildinhalts um eine Gelegenheitsarbeit aus den späteren französischen Jahren von Saint-Ours (1775-80) handeln. - Eine genaue Identifizierung des Bildthemas ist nicht gelungen. Manche Aspekte lassen die Legende der Hl. Dorothea von Cäsarea assoziieren. Dorothea wurde als Christin unter Diokletian mehrfach gemartert, weil sie sich weigerte, einen römischen Richter zu heiraten und sich überhaupt nur Christus, ihrem himmlischen Gemahl, angetraut fühlte. Bei ihrer zweiten Marter wurde sie in einen Kerker geworfen, dem sie aber unversehrt, ja glänzender als zuvor, entstieg. Sie bat dann Christus um ein Zeichen, worauf Engel vor vielen Zeugen ein Götterbild von einer Säule stürzten. Dorothea kann auch mit einem Blütenkranz und dem Jesuskind als Attributen dargestellt werden.

 

zitiert aus: Konrad Oberhuber (Hg.), Maren Gröning, Marie Luise Sternath (Bearb.), Die deutschen und Schweizer Zeichnungen des späten 18. Jahrhunderts, Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Graphischen Sammlung Albertina, Bd. IX, Wien u.a. 1997, S. 215, Nr. 722.

Catalogue raisonné
  • Gröning/Sternath 1997, 722
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/18399/das-jesuskind-bekront-die-jungfrau-mariaImage Request
    Last edited29.11.2021