Entwurf für ein Klopstock-Denkmal, situiert in einer Ideallandschaft
Jacob Wilhelm Mechau
1806
Aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts aufkommenden Nationalstolz entstehen Ideen für architektonische Nationaldenkmäler für vier wichtige deutsche Literaten: Johann Gottfried Herder, Immanuel Kant, Gottlieb Klopstock und Friedrich Schiller. Aufgrund der fehlenden finanziellen Mittel blieb es jedoch bei den bloßen Entwürfen des Dresdner Architekten Johann Gottfried Klinsky, die 1806 als Kupferstiche veröffentlicht wurden. Jacob Wilhelm Mechau hat die Architekturen in idealisierte Landschaften eingebettet, die sowohl mit den Monumenten als auch mit den Œuvres der jeweiligen Schriftsteller in Einklang stehen sollten. Während das im klassischen Stil erbaute Schiller-Denkmal inmitten einer idealisierten romantischen Landschaft liegt, verkörpern die schroffen Felsen das Stille und Ernste von Klopstocks Dichtung; die von Sphingen flankierten vier Evangelistenfiguren stehen für das Neue Testament, die Basis seines religiösen Werks Der Messias. Somit wird Landschaft, fernab jeglicher Naturtreue, nicht nur vom Menschen gestaltet, sondern zum Mittel seiner Charakterisierung.
Wiedergabe der Darstellung in einer seitenverkehrten Reproduktion in brauner Aquatinta; Darst. 517 x 719 mm; bez. li. u.: "Die Landschaft gezeichnet von Mechau, die Architektur von Klinsky", re. u.: "In Kupfer von A. Herzinger", und mit einer Widmung von #Heinrich Rittner an den #Kronprinzen Friedrich von Dänemark (Albertina-Exemplar: Dt. Stecher vor 1800, Bd. I, Bl. 26). - Der Stich wurde, wie derjenige nach dem Pendant Inv. 14818, 1807 auf der Dresdner Akademieausstellung gezeigt (Prause 1975, I, 1807/288, 189). Eine Besprechung findet sich im "Journal des Luxus und der Moden", Jg. 1807, August, S. 495-503. Vgl. dazu die Anzeige in dem Rittnerschen Verlagswerk Vues intérieures de Dresde von 1807-08: "Monumente auf Klopstock, Schiller, Herder und Kant. Vier grosse Blätter von 28 Zoll Höhe und 25 Breite, Sächsisch Maas. Diese Capitalblätter sind heroisch - oder romantische Landschaften, je nachdem der Character dessen, den sie ehren sollen, ernst oder freundlich war; mit Monumenten, welche ganz in ihrem Geist gedichtet, und, so viel als möglich, nur auf Sie passend sind. Die Architectur der beiden ersten ist von dem Churfürstl. Baudirector Klinsky, und die Landschaften von dem rühmlichst bekannten Landschaftsmaler Mechau gedichtet und gezeichnet. Das Erste ist von A. Hertzinger und das Zweite von Haldenwang in aqua tinta gebracht. Von den folgenden wird bald das nähere in öffentlichen Blättern angezeigt werden. Der Preis eines jeden ist 2 Friedrichs d'or."
zitiert aus: Konrad Oberhuber (Hg.), Maren Gröning, Marie Luise Sternath (Bearb.), Die deutschen und Schweizer Zeichnungen des späten 18. Jahrhunderts, Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Graphischen Sammlung Albertina, Bd. IX, Wien u.a. 1997, S. 154, Nr. 510.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/18506/entwurf-fur-ein-klopstockdenkmal-situiert-in-einer-ideallaImage Request