Caspar David Friedrich, Blick auf Arkona mit aufgehendem Mond, Inv. Nr.: 17298
Blick auf Arkona mit aufgehendem Mond
Caspar David Friedrich, Blick auf Arkona mit aufgehendem Mond, Inv. Nr.: 17298
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Blick auf Arkona mit aufgehendem Mond

Caspar David Friedrich

um 1805/06




Ruhe und sehnsüchtiges Sich-Versenken prägen diese stimmungsvolle Landschaft von Caspar David Friedrich. Mit der Ansicht vom Kap Arkona auf der Ostseeinsel Rügen steht er noch am Anfang seiner Entwicklung zum Hauptmeister der romantischen Landschaftskunst. Obwohl die Komposition unmittelbar zum Betreten der Strandszene einlädt, widersetzt sie sich der gängigen Wahrnehmung als visuell begehbare Land ­schaft. Es ist vielmehr eine kulissenhafte Konstruktion von Natur, die den Betrachter letztlich auf sich selbst zurückwirft. Durch zarteste Farbabstufungen und Lavierungen entsteht ein neues Landschaftsgefühl: die Erfahrung von Weite und Unendlichkeit.



Künstler:in (Greifswald 1774 - 1840 Dresden)
Dateum 1805/06
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesBleistift, Pinsel in Braun; schwarzbraune Einfassungslinie oben und unten
Dimensions60,9 × 100 cm
Rahmenaußenmaß 81,8 × 121,3 × 5 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number17298
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Mit dieser Ansicht vom Kap Arkona auf der Ostseeinsel Rügen steht Caspar David Friedrich noch am Anfang seiner Entwicklung zum Hauptmeister einer besonders gefühlvollen und durchgeistigten romantischen Landschaftskunst. Tatsächlich machte er schon in frühen Jahren durch seine genaue und feinfühlige Naturschilderung auf sich aufmerksam. Die Zeitgenossen spürten, dass die speziell an Friedrichs damaligem Wohnort Dresden verbreitete Kultur der präromantischen Stimmungsvedute eine neue Ausprägung, eigentlich bereits eine entschiedene Transformation erfuhr.
Friedrich hatte Rügen zum ersten Mal 1801 zu einer ausgedehnten Kunstwanderung besucht. Die Insel war von Greifswald aus, woher er stammte, nicht allzu schwer zu erreichen. Hierher kamen damals erst allmählich auch Touristen, die sich für ihre auffallenden geologischen Formationen wie die Kreidefelsen an der Ostküste der Rügener Halbinsel Jasmund, für die ungewöhnlich vielen Megalithgräber aus der Jungsteinzeit und Hügelgräber aus der Bronzezeit sowie die Reste einer slawischen Tempelburg auf der Höhe von Kap Arkona interessierten. Die Spuren einer mythischen Vergangenheit schienen hier ebenso greifbar nah wie fantasieanregend. Auf diese Idee einer "dichterischen Vorzeit" bezogen sich außerdem vielfach die berühmten Naturpredigten, die der von Friedrich verehrte #Ludwig Gotthard Kosegarten als evangelischer Pastor in Altenkirchen 1792-1808 am Ufer bei Arkona zu halten pflegte.
Das Bild hat keine Staffagefiguren und erscheint doch belebt durch die Elemente der Bäume und Felsen, die Wellen des Terrains und des Wassers sowie die unendlich zart, hoch und weit gekrümmten Luftschichten, die alle auf geheimnisvolle Weise dem Licht zuneigen. Am Strand liegen zwei Boote, das eine auf dem Trockenen mit umgekipptem Ruder, der Segler im Wasser noch leicht schwankend, wohl an einem Anker: Zeichen der Verlassenheit eines Raumes, der gleichwohl ganz erfüllt von menschlichem Empfinden ist.

Maren Gröning, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 162.

Als sicherer Anhalt für eine Datierung kann die Reproduktion in Aquatinta von #Benedikt Piringer gelten, die 1809 im Dresdner Verlag von #Heinrich Rittner erschien (Albertina-Exemplar: Dt. Mal. Suppl., I (A-K), Bl. 32). Damit ist ein terminus ante quem gegeben. Seit der Publikation von Börsch-Supan/Jähnig 1973 hat sich jedoch eine zeitliche Bestimmung auf das Jahr 1806 in der Forschungsliteratur weitgehend durchgesetzt. Sie orientiert sich an zeitgenössischen Beschreibungen einer Sepiazeichnung, die Friedrich 1806 auf der Dresdner Akademieausstellung gezeigt hat. Im Anschluß an Sumowsky 1970, S. 189, stellen die Bearbeiter des Hamburger Ausstellungskataloges von 1974, a.a.O., noch einmal die Belegbarkeit dieser Beziehung in Frage und entwerfen einen Zeitrahmen zwischen der Entstehung der um 1802 datierten Sepiafassung der Ansicht bei aufgehender Sonne in der Hamburger Kunsthalle (AK Hamburg 1974, Nr. 45, m. Abb.) und der 1809 publizierten Aquatinta von Priringer. - Koerner 1990, a.a.O., unterstreicht anhand der vorliegenden Fassung die Bedeutung der Ansicht von Arkona als besonderes Dokument der Verbindung Friedrichs zur Religiosität #Ludwig Gotthard Kosegartens, da der gewählte Bildausschnitt und der Standpunkt der Aufnahme den Blick annähernd von derselben Stelle aus auf das Kap freigeben, an der Kosegarten seine Vitter Uferkapelle errichtete.

 

zitiert aus: Konrad Oberhuber (Hg.), Maren Gröning, Marie Luise Sternath (Bearb.), Die deutschen und Schweizer Zeichnungen des späten 18. Jahrhunderts, Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Graphischen Sammlung Albertina, Bd. IX, Wien u.a. 1997, S. 50, Nr. 109.

Catalogue raisonné
  • Gröning/Sternath 1997, 109
  • Grummt 2011, 420
  • Bibliography
  • Sumowski 1970, S. 148, 189, Abb. 304
  • Börsch-Supan/Jähnig 1973, Nr. 128 (Blick auf Arkona mit aufgehendem Mond)
  • Hofmann 2000, S. 66, Abb. 30
  • AK Paris/Berlin 2005/06, Nr. 205 (G. Wedekind)
  • Schröder 2008, Nr. 162 (M. Gröning)
  • ergänzend lt. Gröning/Sternath 1997: Meusel 1803-08, Bd.2, 1. Stück, S. 96
  • "Dresdener Abendzeitung" 29. 3. 1806
  • "Dresdener Abendzeitung" 28. 5. 1806
  • "Journal des Luxus und der Moden" 1806, S. 213, 337-39
  • Verzeichnis der (...) im Jahre 1806 (...) ausgestellten Kunstwerke, Dresden 1806, Nr. 200
  • Meusel 1808-14, I, S. 260
  • "Intelligenzblatt der Zeitung für die elegante Welt", Nr. 12, 28. 5. 1809
  • Gorke 1943, S. 10-12
  • AK Albertina 1949/50, Nr. 39
  • Sumowski 1970, S. 148, 189, Abb.304
  • Börsch-Supan 1972, S.48f., 54, Abb. 27
  • AK London 1972, Nr. 26
  • AK Hamburg 1974, Nr. 60
  • AK Dresden 1974, Nr. 153
  • Bernhard 1974, Abb. S. 378
  • AK Wien 1978, Nr.17, m. Abb.
  • Bailey 1989, S. 16
  • Koerner 1990, S. 78, Abb. 39
  • AK Dortmund 1990, S. 45, Abb. 20
  • AK Kopenhagen 1991, Nr. 22, Fig. 39
  • AK Amsterdam 1996, Nr. 4
  • Grummt 2011, Nr. 420
  • Klaus Albrecht Schröder (Hg.), AK, Die Gründung der Albertina. 100 Meisterwerke der Sammlung, Ostfildern 2014, S. 258-261
  • Cornelia Reiter, Klaus Albrecht Schröder (Hg.), AK Welten der Romantik, Ostfildern 2015, S. 203, Nr.97.
  • Albertina, C.D. Friedrich bis Cézanne, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb.16
  • Barbara Hess, Caspar David Friedrich. A-Z, Berlin 2023, S. 85f. (Abb. S. 84)
  • Alison Hokanson und Joanna Sheers Seidenstein, Caspar David Friedrich. The Soul of Nature, AK The Metropolitan Museum New York 2025, New Haven und London 2025, Kat. 18
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/18696/blick-auf-arkona-mit-aufgehendem-mondImage Request
    Last edited08.04.2025