Blick auf Arkona mit aufgehendem Mond
Caspar David Friedrich
um 1805/06
Ruhe und sehnsüchtiges Sich-Versenken prägen diese stimmungsvolle Landschaft von Caspar David Friedrich. Mit der Ansicht vom Kap Arkona auf der Ostseeinsel Rügen steht er noch am Anfang seiner Entwicklung zum Hauptmeister der romantischen Landschaftskunst. Obwohl die Komposition unmittelbar zum Betreten der Strandszene einlädt, widersetzt sie sich der gängigen Wahrnehmung als visuell begehbare Land schaft. Es ist vielmehr eine kulissenhafte Konstruktion von Natur, die den Betrachter letztlich auf sich selbst zurückwirft. Durch zarteste Farbabstufungen und Lavierungen entsteht ein neues Landschaftsgefühl: die Erfahrung von Weite und Unendlichkeit.
Rahmenaußenmaß 81,8 × 121,3 × 5 cm
Mit dieser Ansicht vom Kap Arkona auf der Ostseeinsel Rügen steht Caspar David Friedrich noch am Anfang seiner Entwicklung zum Hauptmeister einer besonders gefühlvollen und durchgeistigten romantischen Landschaftskunst. Tatsächlich machte er schon in frühen Jahren durch seine genaue und feinfühlige Naturschilderung auf sich aufmerksam. Die Zeitgenossen spürten, dass die speziell an Friedrichs damaligem Wohnort Dresden verbreitete Kultur der präromantischen Stimmungsvedute eine neue Ausprägung, eigentlich bereits eine entschiedene Transformation erfuhr.
Friedrich hatte Rügen zum ersten Mal 1801 zu einer ausgedehnten Kunstwanderung besucht. Die Insel war von Greifswald aus, woher er stammte, nicht allzu schwer zu erreichen. Hierher kamen damals erst allmählich auch Touristen, die sich für ihre auffallenden geologischen Formationen wie die Kreidefelsen an der Ostküste der Rügener Halbinsel Jasmund, für die ungewöhnlich vielen Megalithgräber aus der Jungsteinzeit und Hügelgräber aus der Bronzezeit sowie die Reste einer slawischen Tempelburg auf der Höhe von Kap Arkona interessierten. Die Spuren einer mythischen Vergangenheit schienen hier ebenso greifbar nah wie fantasieanregend. Auf diese Idee einer "dichterischen Vorzeit" bezogen sich außerdem vielfach die berühmten Naturpredigten, die der von Friedrich verehrte #Ludwig Gotthard Kosegarten als evangelischer Pastor in Altenkirchen 1792-1808 am Ufer bei Arkona zu halten pflegte.
Das Bild hat keine Staffagefiguren und erscheint doch belebt durch die Elemente der Bäume und Felsen, die Wellen des Terrains und des Wassers sowie die unendlich zart, hoch und weit gekrümmten Luftschichten, die alle auf geheimnisvolle Weise dem Licht zuneigen. Am Strand liegen zwei Boote, das eine auf dem Trockenen mit umgekipptem Ruder, der Segler im Wasser noch leicht schwankend, wohl an einem Anker: Zeichen der Verlassenheit eines Raumes, der gleichwohl ganz erfüllt von menschlichem Empfinden ist.
Maren Gröning, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 162.
Als sicherer Anhalt für eine Datierung kann die Reproduktion in Aquatinta von #Benedikt Piringer gelten, die 1809 im Dresdner Verlag von #Heinrich Rittner erschien (Albertina-Exemplar: Dt. Mal. Suppl., I (A-K), Bl. 32). Damit ist ein terminus ante quem gegeben. Seit der Publikation von Börsch-Supan/Jähnig 1973 hat sich jedoch eine zeitliche Bestimmung auf das Jahr 1806 in der Forschungsliteratur weitgehend durchgesetzt. Sie orientiert sich an zeitgenössischen Beschreibungen einer Sepiazeichnung, die Friedrich 1806 auf der Dresdner Akademieausstellung gezeigt hat. Im Anschluß an Sumowsky 1970, S. 189, stellen die Bearbeiter des Hamburger Ausstellungskataloges von 1974, a.a.O., noch einmal die Belegbarkeit dieser Beziehung in Frage und entwerfen einen Zeitrahmen zwischen der Entstehung der um 1802 datierten Sepiafassung der Ansicht bei aufgehender Sonne in der Hamburger Kunsthalle (AK Hamburg 1974, Nr. 45, m. Abb.) und der 1809 publizierten Aquatinta von Priringer. - Koerner 1990, a.a.O., unterstreicht anhand der vorliegenden Fassung die Bedeutung der Ansicht von Arkona als besonderes Dokument der Verbindung Friedrichs zur Religiosität #Ludwig Gotthard Kosegartens, da der gewählte Bildausschnitt und der Standpunkt der Aufnahme den Blick annähernd von derselben Stelle aus auf das Kap freigeben, an der Kosegarten seine Vitter Uferkapelle errichtete.
zitiert aus: Konrad Oberhuber (Hg.), Maren Gröning, Marie Luise Sternath (Bearb.), Die deutschen und Schweizer Zeichnungen des späten 18. Jahrhunderts, Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Graphischen Sammlung Albertina, Bd. IX, Wien u.a. 1997, S. 50, Nr. 109.
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