Die Altstadt von Dresden vom Neustädter Brückenkopf
Johann Gottfried Klinsky
1793
Die Veduten des venezianischen Malers Bernardo Bellotto, gen. Canaletto, waren in ganz Europa geschätzt. Im Fall Dresdens, das er mehrfach malte, vermitteln die Bilder einen lebendigen Eindruck der bis zu ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg erhaltenen Barockstadt. Während der Regentschaften von Kurfürst August dem Starken und Friedrich August II. – dem Großvater und Vater von Sammlungsgründer Herzog Albert – hatte Dresden eine einzigartige Blütezeit und Bautätigkeit erlebt. In der Kopie des 1765 entstandenen Gemäldes Belottos (heute in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe) führt die Augustusbrücke den Blick von der Neustadt aus über die Elbe zur prächtigen Altstadtsilhouette mit der Brühlschen Terrasse, der mächtigen Kuppel der Frauenkirche und dem Schloss mit der Hofkirche. Im Unterschied zur Vorlage zeigt die Kopie des Architekten Johann Gottfried Klinsky einige bauliche Veränderungen wie den neuen, 1788 vollendeten Turm der Kreuzkirche, der nach seiner Zerstörung im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) wieder aufgebaut worden war.
Das Gemälde #Belottos, sein nachträglich eingereichtes Aufnahmestück für die Dresdner Akademie, befindet sich heute in der Karlsruher Kunsthalle (Inv. 2518; vgl. Stefan Kozakiewicz, Bernardo Belotto, genannt Canaletto, Recklinghausen 1972, Bd. II, Nr. 296). Interessant sind die ganz gezielten Detailabänderungen, die Klinsky im Verhältnis zur Vorlage vorgenommen hat: er modernisierte nur die Staffage im Vordergrund links von der Mitte und auf der Brücke. Auf dem gegenüberliegenden Ufer registrierte er (von re. nach li.): einen direkt an das Italienische Dörfchen anschließenden, langgestreckten zweigeschossigen Neubau mit Mansarden, hinter dem das Dach des Alten Theaters von 1761 hervorschaut; links vom Georgenbau und vom Jägertor das für die Zwecke der Kunstakademie 1766 aufgestockte Fürstenbergsche Palais; schließlich den 1788 vollendeten Turm der neuen Kreuzkirche. Bereits 1790 hatte sich Klinsky in dieser Weise auf eine Stadtansicht Belottos bezogen, um den Neubau der Kreuzkirche zu dokumentieren (vgl. Fritz Löffler, Das alte Dresden, 12. Aufl., Leipzig 1994, Abb. 285).
zitiert aus: Konrad Oberhuber (Hg.), Maren Gröning, Marie Luise Sternath (Bearb.), Die deutschen und Schweizer Zeichnungen des späten 18. Jahrhunderts, Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Graphischen Sammlung Albertina, Bd. IX, Wien u.a. 1997, S. 103, Nr. 300.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/18705/die-altstadt-von-dresden-vom-neustadter-bruckenkopfImage Request