Zwei Skizzen zur Nibelungenillustration: unten: Hagen zu Pferd mit einem Hund und die Donauweibchen; oben, auf dem Kopf stehend: Hagen zu Pferd allein
Peter von Cornelius
um 1816
Wegen der Skizzenhaftigkeit der Entwürfe ist deren Ikonographie nicht in allen Teilen eindeutig zu bestimmen.
Obwohl sich Cornelius mit der Darstellung der Donauweibchen als Paar (im Unterschied etwa zu #J. H. Füssli, Zeichnung von 1802, Schiff 1973, Nr.1392 und zu #K. Ph. Fohr, Zeichnung von 1818, AK Frankfurt 1968, Nr. 229) genau an den Text hält, gibt er Hagen als Reiter wieder, was dem Text m. E. widerspricht: Hagen war noch im Beisein der anderen Männer am Donauufer abgesessen und hatte sein Pferd an einen Baum gebunden (15. Aventiure, Strophe 1568); nach der Begegnung mit den Donauweibchen folgt die Auseinandersetzung mit dem Fährmann, dessen Boot Hagen benützt, um zu der Stelle an der Donau, wo Gunther und die übrigen Ritter auf ihn warten, zurückzugelangen.
Von den beiden schwerer lesbaren Zeichnungen auf der Rückseite des Blattes könnte die eine sich auf die Szene beziehen, wie Hagen auf den Fährmann trifft (Strophe 1595). Bei der anderen ist nicht klar, ob alle drei Figuren (zudem das Gestell hinter der Frau, das Podest unter dem Hockenden, die Küsten- oder Uferlandschaft im Hintergrund) wirklich in einen Zusammenhang gehören.
Charakteristisch erscheint hier die Arbeitsweise von Cornelius, indem er auf Vorder- und Rückseite eines Blattes zeichnet und dieses zwischendurch faltet, sodass jeweils auf einer Seite eine gegensätzliche Orientierung einzelner Motive oder Varianten entsteht. Ein weiteres Beispiel dafür ist mit den wohl annähernd zeitgleichen Skizzen zur Wiedererkennung Josephs (Inv. 24273) zu nennen, die nach der Zerschneidung des Blattes heute an verschiedenen Orten aufbewahrt werden.
Das vorliegende Blatt taucht in der Literatur in zwei unterschiedlich beschriebenen Zusammenhängen auf. Hafner 1977, a.a.O., vermutet, dass es zu einer zweiten Nibelungen-Serie, und zwar einer Serie von Lithographien gehören könnte, die Cornelius zusammen mit dem Übersetzer der Nibelungen, Friedrich Heinrich von der Hagen, in Rom (1816/17) geplant haben soll, die aber unvollendet blieb. Büttner I, 1980, a.a.O., stellt es dagegen in die Reihe der Zeichnungen zu einer "zweiten Lieferung" bzw. zu einer Fortsetzung zu den ersten sechs Illustrationen, über deren Verlegung Cornelius schon 1813 mit Friedrich Wenner diskutiert hat. Begonnen hat Cornelius die Arbeit an dieser Fortsetzung erst 1814, wobei nun Georg Andreas Reimer in Berlin als Verleger feststand. Von zwei Szenen, "Auszug der Nibelungen gegen die Sachsen und Dänen" und "Die zurückkehrenden Sieger", weiß Büttner sicher, dass sie dazugezählt haben. Fortfahrend schreibt er: "Für die zweite Lieferung dürfte auch der Entwurf zur 'Donaufahrt der Nibelungen' (Büttner, III, noch nicht erschienen, Kat. E 19) entstanden sein, sowie andere Skizzen, die hier nicht einzeln aufgeführt zu werden brauchen (a.a.O., Kat. E 14, 15, 18)." (Vgl. die Stelle bei Förster 1874, I, a.a.O.: "[Außerdem] hat Cornelius noch ein nur im Umriß ausgeführtes Blatt, den 'Auszug Siegfrieds in den Sachsen- und Dänenkrieg' gezeichnet; dann noch einige mehr oder minder bestimmte Entwürfe gemacht zu den Scenen, wie Siegfried Chriemhilden zum ersten Mal küßt; wie die Todeswunde am Leichnam Siegfrieds bei Brunhildens falschem Schwur zu bluten beginnt; wie Hagen durch die Donau-Nixen seinen und seiner Genossen bevorstehenden Untergang erfährt; wie er den Pfaffen in die Donau wirft, um die Prophezeiung seiner Rettung Lügen zu strafen; endlich ... das Titelblatt.")
Obwohl sich Cornelius mit der Darstellung der Donauweibchen als Paar (im Unterschied etwa zu #J. H. Füssli, Zeichnung von 1802, Schiff 1973, Nr.1392 und zu #K. Ph. Fohr, Zeichnung von 1818, AK Frankfurt 1968, Nr. 229) genau an den Text hält, gibt er Hagen als Reiter wieder, was dem Text m. E. widerspricht: Hagen war noch im Beisein der anderen Männer am Donauufer abgesessen und hatte sein Pferd an einen Baum gebunden (15. Aventiure, Strophe 1568); nach der Begegnung mit den Donauweibchen folgt die Auseinandersetzung mit dem Fährmann, dessen Boot Hagen benützt, um zu der Stelle an der Donau, wo Gunther und die übrigen Ritter auf ihn warten, zurückzugelangen.
Von den beiden schwerer lesbaren Zeichnungen auf der Rückseite des Blattes könnte die eine sich auf die Szene beziehen, wie Hagen auf den Fährmann trifft (Strophe 1595). Bei der anderen ist nicht klar, ob alle drei Figuren (zudem das Gestell hinter der Frau, das Podest unter dem Hockenden, die Küsten- oder Uferlandschaft im Hintergrund) wirklich in einen Zusammenhang gehören.
Charakteristisch erscheint hier die Arbeitsweise von Cornelius, indem er auf Vorder- und Rückseite eines Blattes zeichnet und dieses zwischendurch faltet, sodass jeweils auf einer Seite eine gegensätzliche Orientierung einzelner Motive oder Varianten entsteht. Ein weiteres Beispiel dafür ist mit den wohl annähernd zeitgleichen Skizzen zur Wiedererkennung Josephs (Inv. 24273) zu nennen, die nach der Zerschneidung des Blattes heute an verschiedenen Orten aufbewahrt werden.
Das vorliegende Blatt taucht in der Literatur in zwei unterschiedlich beschriebenen Zusammenhängen auf. Hafner 1977, a.a.O., vermutet, dass es zu einer zweiten Nibelungen-Serie, und zwar einer Serie von Lithographien gehören könnte, die Cornelius zusammen mit dem Übersetzer der Nibelungen, Friedrich Heinrich von der Hagen, in Rom (1816/17) geplant haben soll, die aber unvollendet blieb. Büttner I, 1980, a.a.O., stellt es dagegen in die Reihe der Zeichnungen zu einer "zweiten Lieferung" bzw. zu einer Fortsetzung zu den ersten sechs Illustrationen, über deren Verlegung Cornelius schon 1813 mit Friedrich Wenner diskutiert hat. Begonnen hat Cornelius die Arbeit an dieser Fortsetzung erst 1814, wobei nun Georg Andreas Reimer in Berlin als Verleger feststand. Von zwei Szenen, "Auszug der Nibelungen gegen die Sachsen und Dänen" und "Die zurückkehrenden Sieger", weiß Büttner sicher, dass sie dazugezählt haben. Fortfahrend schreibt er: "Für die zweite Lieferung dürfte auch der Entwurf zur 'Donaufahrt der Nibelungen' (Büttner, III, noch nicht erschienen, Kat. E 19) entstanden sein, sowie andere Skizzen, die hier nicht einzeln aufgeführt zu werden brauchen (a.a.O., Kat. E 14, 15, 18)." (Vgl. die Stelle bei Förster 1874, I, a.a.O.: "[Außerdem] hat Cornelius noch ein nur im Umriß ausgeführtes Blatt, den 'Auszug Siegfrieds in den Sachsen- und Dänenkrieg' gezeichnet; dann noch einige mehr oder minder bestimmte Entwürfe gemacht zu den Scenen, wie Siegfried Chriemhilden zum ersten Mal küßt; wie die Todeswunde am Leichnam Siegfrieds bei Brunhildens falschem Schwur zu bluten beginnt; wie Hagen durch die Donau-Nixen seinen und seiner Genossen bevorstehenden Untergang erfährt; wie er den Pfaffen in die Donau wirft, um die Prophezeiung seiner Rettung Lügen zu strafen; endlich ... das Titelblatt.")
Künstler:in
Peter von Cornelius
(Düsseldorf 1783 - 1867 Berlin)
Dateum 1816
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesBleistift
Dimensions431 x 288 mm
CreditALBERTINA, Wien
Object number24272r
Inscribedre. u.: "R. 33." (Bleist.)
Markingsr.u. Nachlass Peter Cornelius (L. 459a)
Bibliography
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/19417/zwei-skizzen-zur-nibelungenillustration-unten-hagen-zu-pfeImage RequestLast edited03.04.2012