Gustav Klimt, Studie für „Wollust“ im Beethovenfries, Inv. Nr.: 39323
Studie für „Wollust“ im Beethovenfries
Gustav Klimt, Studie für „Wollust“ im Beethovenfries, Inv. Nr.: 39323
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Studie für „Wollust“ im Beethovenfries

Gustav Klimt

1901




Künstler:in (Wien 1862 - 1918 Wien)
Dargestellt (Wien 1885 - 1941 Wien)
Date1901
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide auf Papier
Dimensions45,1 × 31,1 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number39323
Signed
Markingsr.u. Nachlaßstempel
Text

Gustav Klimt, der älteste Sohn des Goldgraveurs #Ernst Klimt sen., studierte von 1876 bis 1883 an der Wiener Kunstgewerbeschule; seine Hauptfächer waren Zeichnung und Malerei. Mit #Franz Matsch und seinem Bruder #Ernst bildete Gustav Klimt von 1880 bis 1892 eine erfolgreiche Arbeitsgemeinschaft, die in öffentlichen Gebäuden mehrere dekorative Aufträge ausführte. Im Laufe der 1890er-Jahre vollzog sich seine Wende vom Historismus zum Symbolismus; 1897 wurde er zum Präsidenten der neu gegründeten "Secession" ernannt.
Meilensteine seiner modernen Monumentalkunst sind die drei Fakultätsbilder, deren Präsentationen in der Secession (1900, 1901 und 1903) jeweils großes Aufsehen erregten. Den Höhepunkt seiner secessionistischen "Stilkunst" bildet der Beethovenfries (1902). 1905 verließ Klimt mit einer Gruppe von gleichgesinnten Kollegen die Vereinigung. In der Kunstschau (1908) stellte er die Hauptwerke seiner "Goldenen Periode" aus, darunter das Gemälde "Der Kuss". In seinen Landschaften, Porträtbildern und Allegorien lockert sich ab 1910 sein Pinselstrich; er lässt den Goldenen Stil hinter sich und malt - vor allem beeinflusst von seinen französischen Zeitgenossen - in kräftigen, leuchtenden Farben.
Seine rund 4000 erhaltenen Zeichnungen entstanden zum Großteil im Zusammenhang mit den Allegorien und den Porträtgemälden; fast alle Blätter sind dem Studium großteils weiblicher Modelle gewidmet. Schon zu Lebzeiten war Klimt vor allem durch seine erotischen Linienschöpfungen berühmt.
Klimts Beethovenfries (1902) entstand im Rahmen der Beethoven-Ausstellung der Wiener Secession, einer epochalen Gemeinschaftsarbeit von insgesamt 21 Mitgliedern. Den kultischen Mittelpunkt des modernen Tempelinterieurs bildete die gerade vollendete Beethoven-Plastik von #Max Klinger. Auf drei Wänden des linken Seitensaals setzte Klimt sich mit der zentralen Symbolik der Erlösung der Menschheit durch die Künste auseinander. Der Fries, der von klaren Figurenumrissen, dekorativen Kontrastwirkungen und geometrisch ornamentierten Flächen geprägt ist, markiert eine Wende in der Entwicklung des Künstlers. Ägyptische, japanische und griechisch-antike Anregungen waren hier genauso wirksam wie Inspirationen zeitgenössischer Künstler. Festgestellt wurden Anregungen von Künstlern wie #Aubrey Beardsley, #Ferdinand Hodler, #George Minne, #Charles Rennie Mackintosh und vor allem #Jan Toorop. Der Einfluss dieses niederländischen Künstlers erreichte gerade im Beethovenfries einen Höhepunkt, was sich auch in den Zeichnungen bemerkbar macht. So werden die Studien für die verführerischen Frauengestalten des Programmteils der "Feindlichen Gewalten" durch sinnliche Linienkurven charakterisiert, wobei die schwungvollen offenen Haarpartien besonders betont werden.
Dies gilt in hohem Maße für die hier gezeigte Studie eines Frauenkopfes, die mit dem Gesicht der provozierenden "Unkeuschheit" eng zusammenhängt. Auf den Einfluss von Toorop weist vor allem der parallele Linienschwung der Haare hin, die in dieser Darstellung das dominierende Element bilden. Sinnlichkeit und Verführung stehen im Beethovenfries in einem programmatischen Gegensatz zu guten Eigenschaften wie Sehnsucht, Poesie oder Freude. Wie die Studie für die "Unkeuschheit" vorführt, haben gerade die "schlechten" Eigenschaften Klimt zu höchst überzeugenden Ergebnissen inspiriert.

vgl. Marian Bisanz-Prakken, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr.  208.

Catalogue raisonné
  • GKZ810, Strobl 810
  • Bibliography
  • Gustav Klimt. 25 Handzeichnungen, Gilhofer & Ranschburg, Wien 1919 (Gilhofer-Mappe), Taf. 2
  • Gustav Klimt. 1862-1918. Zeichnungen, Gedächtnisausstellung (Ausst. Kat. Albertina, Wien 1962), Wien 1962, S. 31, Nr. 50 (Taf. 4)
  • Walter Koschatzky, (Hg.), Gustav Klimt, 25 Zeichnungen ausgewählt und bearbeitet von A. Strobl, Veröffentlichungen der Albertina I, Graz/Wien, 1964 (Klimtmappe), S. 5 (Taf. 3)
  • Christian M. Nebehay, Gustav Klimt. Dokumentation, Wien 1969, S. 294
  • Fritz Novotny/Johannes Dobai, Gustav Klimt, Salzburg 1967, S. 327 (Abb. S. 44)
  • Alfred Werner, Gustav Klimt. One hundred drawings, New York 1972, Nr. 5 (Abb.)
  • Gustav Klimt. Zeichnungen aus Albertina- und Privatbesitz (Ausst. Kat. Museum Folkwang, Essen 1976), Essen 1976, Nr. 27 (Abb.)
  • Walter Koschatzky, Die Kunst der Zeichnung. Technik, Geschichte, Meisterwerke, Salzburg 1977 (Abb. 50)
  • Marian Bisanz-Prakken, Gustav Klimt. Der Beethovenfries. Geschichte, Funktion und Bedeutung, Salzburg 1977, S. 149 (Taf. 34)
  • Otto Breicha, Gustav Klimt, Die goldene Pforte. Werk, Wesen, Wirkung. Bilder und Schriften zu Leben und Werk, Salzburg 1978, S. 37 (Abb. 15)
  • Alice Strobl, Gustav Klimt. Die Zeichnungen 1878-1903, Bd. I, Salzburg 1980, WV-Nr. 810, S. 240 (Abb. S. 241)
  • Experiment Weltuntergang. Wien um 1900 (Ausst. Kat. Hamburger Kunsthalle, Hamburg 1981), München 1981, Nr. 29 (Abb.)
  • Otto Breicha, Gustav Klimt, Mailand 1981 (Abb. 24) [Gustav Klimt. Die Goldene Pforte, Salzburg 1978, in ital. Sprache]
  • Traum und Wirklichkeit. Wien 1870-1930 (Ausst. Kat. Historisches Museum der Stadt Wien, Künstlerhaus, Wien 1985), S. 569, Nr. 16/2/9
  • Kimio Nakayama, Klimt, Tokio 1985 (Abb. S. 81)
  • Christian M. Nebehay, Gustav Klimt, Egon Schiele und die Familie Lederer, Bern 1987 (Abb. S. 49)
  • 12 Zeichnungen zum Beethovenfries aus öffentlichem Besitz in Wien, dem Klimtfreund Erich Lederer gewidmet, Graz 1988 (Beethovenfries-Mappe), Nr. 9 (Taf.)
  • Alice Strobl, Gustav Klimt. Die Zeichnungen Nachtrag 1878-1918, Bd. IV, Salzburg 1989, WV-Nr. 810, S. 240
  • Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Meisterzeichnungen der Albertina. Schiele bis Giaccometti, Wien 2003 (Abb. 10)
  • Rainer Metzger, Gustav Klimt. Das graphische Werk, Wien 2005 (Abb. S. 127)
  • Stephan Koja (Hg.), Creative Destruction. Gustav Klimt. The Beethoven Frieze and the Controversy over the Freedom of Art (Ausst. Kat. Fundación Juan March, Madrid 2006/07), München 2006, S. 119
  • Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Slg. Kat. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 208 (Marian Bisanz-Prakken)
  • Marian Bisanz-Prakken, Gustav Klimt. Die Zeichnungen (Ausst.-Kat. Albertina, Wien 2012 / The J. Paul Getty Museum, Los Angeles 2012), München 2012, Nr. 58 (Abb. S. 121, S. 13 Detail)
  • Katie Hanson, Klimt and Schiele Drawings from the Albertina Museum, Vienna (Ausst.-Kat. Museum of Fine Arts, Boston 2018), Boston 2018, Kat. 13 (Abb.)
  • Elisabeth Dutz (Hg.), Gustav Klimt. 100 Meisterwerke aus der Albertina (Ausst. Kat. Albertina modern, Wien 2022), Wien 2022, Kat. 46, S. 80 f.
  • Markus Fellinger/Stella Rollig (Hg.), Klimt. Inspired by Van Gogh, Rodin, Matisse (Ausst.-Kat. Van Gogh Museum, Amsterdam 2022/23 / Belvedere, Wien 2023), München 2022, S. 157 (Abb. 142)
  • Provenance
  • 1918 Nachlass Gustav Klimt, Wien
  • seit mind. 1962 Erich Lederer, Genf
  • Elisabeth Lederer, Genf
  • 1985 Albertina, Wien (Schenkung von Elisabeth Lederer, Genf)
  • Online resources
    zum verwandten Werk

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    Last edited03.05.2026