Landschaft mit Kornfeld und Wasser
Emil Nolde
um 1926 [?]
Emil Nolde zählt zu den ersten Künstlern, die im frühen 20. Jahrhundert die Aquarellmalerei wiederentdeckten. Er erzielte in diesem Medium, das seiner Vorliebe für rasches Arbeiten am meisten entsprach, einzigartige koloristische Effekte. Oft fand er seine Motive in der flachen Marschlandschaft seiner Heimat Schleswig-Holstein. Die Landschaft wird wesentlich von der Farbe als zentralem Ausdrucksmittel bestimmt, die häufig in komplementären Kontrasten eingesetzt ist – so wie die gelben Ähren neben dem blauen Wasser oder das rote Haus im grünen Feld. Das Einbeziehen des kontrollierten Zufalls Nass-in-Nass aufgetragener Farbverläufe erzeugt wie in der Abendlandschaft mit Wolken reizvolle Farbharmonien. Die Radikalität und Intensität, mit der Nolde die Farbe in seinen Arbeiten expressiv eingesetzt und die geschaute Landschaft spontan und höchst unmittelbar zu Papier gebracht hat, ist völlig neu und ein Bruch mit den Konventionen des feinen, zarten Mediums Aquarell.
Rahmenaußenmaß 55,7 × 68,9 × 3,5 cm
Die Aquarelle eines der bedeutendsten Maler der frühen deutschen Moderne sind sehr oft nicht mit Sicherheit zu datieren. Das vorliegende Blatt ist wohl als Variante von sowohl aquarellierten wie auch lithografierten Ansichten eines Bauernhofes in der schleswig-holsteinischen Marchlandschaft aus der Mitte der 20er-Jahre zu sehen (vgl. Inv. DL88). Rechts unten im Vordergrund trägt es mit den in leuchtendem Gelb übergangenen Ähren ein Merkmal, dessen pastose, kreidige Wirkung bei manchen von Noldes späteren Aquarellen der 30er-Jahre oder der "ungemalten Bilder" aus der Zeit seines Berufsverbots von 1938 bis 1945 ähnlich auffällig ist (vgl. AK Wolfsburg 1991, Abb. 88, 90, 93, 103-105, 111, 114, 118). Die Betonung der dunklen Grenzlinien zwischen den Farbfeldern, die den Wasserkanal, das Feld, Himmel und Häuser formen, ist aber eher für die erwähnten Ansichten der 20er-Jahre charakteristisch, in denen das gleiche Motiv seines Hauses oder das seines Nachbarn und der Windmühle aus verschiedenen Perspektiven behandelt wird (M. Mautner Markhof in: AK Albertina 1998, S. 96).
Marietta Mautner Markhof, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best., Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 226.
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