Verwitterte Baumstämme
Carl Blechen
um 1834
Der in Berlin tätige Carl Blechen brach mit der vergeistigten Romantik Caspar David Friedrichs ebenso wie mit den idealisierten, heroischen Landschaften. Er vertritt eine neue, an der Realität geschulte Seh- und Malweise, die ihn unter die Vorläufer der Impressionisten reiht: Mit starken Hell-Dunkel-Kontrasten, die durch das Mitspielen der hellen Papierfläche und fleckige Lavierungen unterschiedlicher Intensität erzeugt werden, wird das Spiel von grellem Sonnenlicht und Schattenzonen in der Natur eingefangen.
Die Zeichnung ist unfertig geblieben. Man erkennt es an den von der Hintergrundlavierung ausgesparten Partien, z. B. dem Blatt- und Astwerk der rechten Eiche, deren Hauptstamm ungewöhnlich grell hervortritt. Dabei wird die charakteristische Arbeitsweise des Künstlers sichtbar. Er entwickelt seine Komposition aus großen Flecken, die einerseits an den Formen der Dinge haften, andererseits sich frei auf der Papierfläche auszubreiten scheinen.
Dieser offene Prozess, die Skizzenhaftigkeit seines Zeichnens und Malens, enthielt für Blechen jedoch eigene Gestaltungsmöglichkeiten, die er auch in seinen repräsentativen Werken zur Geltung bringen wollte. Ein Teil des Publikums fand diese Auffassung einfach undiszipliniert, viele Kritiker und Künstlerkollegen bewunderten jedoch Blechens Neuerungskraft. Ihre Anerkennung reichte immerhin soweit, dass man ihm 1831 die Professur für Landschaftsmalerei an der Berliner Akademie verlieh. Umso größer war die Erschütterung über den psychischen Verfall des verehrten Meisters. Bald nach 1836 wurde die Einweisung in eine klinische Anstalt notwendig, wo Blechen schließlich in völliger geistiger Umnachtung verstorben ist.
Maren Gröning, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 165.
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