Porträt eines Gelehrten (Martin Cureau de La Chambre?)
Robert Nanteuil
Die Zeichnung zeigt eine gewisse Ähnlichkeit mit Nanteuils Stich des Schriftstellers Sarrazin (R.D.220, Petitjean, Wickert 203), ohne daß diese jedoch restlos überzeugen könnte. Werner Hofmann (Hofmann-Cahier) glaubt in gewissen Gesichtspartien des Porträtierten auch die Züge des Etienne-Jehannot de Bartillat (R.D 32, Petitjean, Wickert 13) zu erkennen Wir glauben, daß das vorliegende und im Cahier als "un homme de robe à
cheveux longs et rabat" beschriebene Porträt mit einer weiteren Porträtzeichnung Nanteuils in der National Gallery in Washington (Rosenwald Collection), die Yane Fromrich (1957, p 213, Abb.4), Pierre Rosenberg (Toronto, New York 1972, pp. 184/185, Nr 94, Abb. 47) und Hilliard Goldfarb (Cleveland 1989, p.203, Nr. 104) publiziert haben, stark verwandt ist. Dieses Blatt zeigt Marin Cureau de La Chambre (1594-1669) und wurde 1656 von Nanteuil im Gegensinn in fünf Zuständen gestochen (siehe R.D.116 und Petitjean, Wickert 93). Es zeigt den Porträtierten im Habit eines Geistlichen. Zur vorliegenden Zeichnung in der Albertina konnte kein Stich aufgefunden werden. Der Porträtierte zeigt hier gelöstere und freundlichere Gesichtszüge und ist vermutlich etwas jünger als auf dem eher Repräsentationsansprüchen dienenden Stich, der Marin Cureau de La Chambre ernst und würdevoll im Alter von 61 Jahren zeigt. Zunächst war er medecin ordinaire du roi; 1635 förderte der Kanzler Seguier seine Aufnahme in die Académie française. Er war eines der ersten Mitglieder der 1666 unter Ludwig XIV gegründeten Akademie der Wissenschaften (Petitjean, Wickert 93).
Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Heinz Widauer (Bearb.), Die französischen Zeichnungen der Albertina. Vom Barock bis zum beginnenden Rokoko. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. X, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 59, Nr. 483.
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