Vorbereitungen zur Belagerung von Doesburg
Sébastien Le Clerc (le Vieux)
Die "Grandes Conquêtes du Roi"
Die Albertina besitzt neun Vorzeichnungen zur insgesamt 28 Radierungen umfassenden Serie "Les Grandes Conquêtes du Roi" (Préaud 630-644). Sebastien Leclerc hat alle Tafeln mit Zeichnungen vorbereitet (zwei mit Passepartout) und davon 13 selbst radiert. Louis de Chatillon hat die restlichen 15 Tafeln (siehe Préaud 630-644) in das Medium des Kupferstichs bzw. der Radierung übertragen. Die in der Albertina vorhandenen Zeichnungen wurden, mit Ausnahme von zwei Blättern (F. 765/Inv. 27697 und 766/Inv. 27698), von Chatillon radiert. Die Bezahlung für die Radierungen an Leclerc erfolgte zwischen 1685 und 1698, was auch eine Ausführung in diesem Zeitraum nahelegt. Die Zeichnungen wurden, glaubt man dem Sohn L.-J. Leclerc, zwischen 1683 und 1686/87 hergestellt (zu Ausführung und Bezahlung dieser Serie, siehe Préaud 630-644). In der Sammlung Edmond de Rothschild befanden sich im übrigen fünf nur in Details abweichende, aber ansonsten mit Leclercs Radierungen idente Tapisserien, wovon vier vom Musée de Versailles erworben wurden; die fünfte hatte sich noch 1970 im Privatbesitz befunden. Als Autor der Kartons zu dieser Tapisserienserie gilt allgemein Jean-Baptiste Martin, genannt Martin des Batailles (1659-1735). Es stellt sich angesichts der heute verschollenen Kartons die noch immer nicht geklärte Frage, ob Leclerc oder Martin für die die Radierungen und Kartons gleichermaßen bestimmende Bilderfindung verantwortlich war (Meyer 1970, pp. 155/156.
Zu Inv. 11759:
Sibertin-Blanc (1938, p.51) nennt sechs Blätter zu Leclercs Serie "Les conquêtes du roi", die aus der Albertina anläßlich der Ausstellung in Metz 1937 gezeigt wurden, ohne sie im einzelnen näher zu präzisieren. Wir konnten allerdings nur vier Zeichnungen im Metzer Ausstellungskatalog nachweisen (siehe Metz 1937, Nr.176-179), so daß die oben angegebene Literaturangabe zweifelhaft ist. Es handelt sich um die Vorzeichnung zu der von Louis de Chatillon im Gegensinn in drei Zuständen ausgeführten Radierung (HB CLXVII.2.fol. 30 Nr. 1147). Die später auf der Radierung die Darstellung umrahmende Zierleiste mit Kartuschen für Lageplan und Legende fehlt. Die Darstellung hält die Vorbereitungen der Eroberung der von den Holländern usurpierten Festung des Erzbischofs von Köln, Rheinberg, am 6. Juni 1672 fest. Jombert (212. 3) vermerkt eine Vorzeichnung in Rötel mit brauner Lavierung in der Sammlung Paignon.
Zur fraglichen Literaturangabe siehe F. 760/Inv. 11759. Diese von Leclerc links unten monogrammierte Zeichnung bereitet Louis de Chatillons in drei Zuständen ausgeführte und seitengleiche Radierung der Eroberung von Doesbourg am 21. Juni 1672 vor (HB CLXVII. 2.fol. 32. Nr.1149). Die Maße der Zeic.nung und der Radierung sind bis auf den auf der Radierung gegenüber der Zeichnung etwas vergrößerten Vordergrund ident. Die Zeichnung wurde offenbar mittels Raster in das Medium der Radierung übertragen. Die Details im Mittelgrund sind noch unausgeführt geblieben. Der König leitete diesen Feldzug selbst. Zu sehen ist, wie u.a. zur Befestigung Erdkörbe in Artilleriestellungen gebracht werden. Aufgrund der sehr abgekürzten Vermerke in Weigels "Verzeichnis der Handzeichnungen aller Art ... aus dem Nachlaß des Herrn Gottfried Winkler" (1815, p.15, Nr.382) vermögen wir nicht festzustellen, ob es sich bei der einzigen dort erwähnten Landschaftszeichnung Leclercs um das vorliegende Blatt handelt. Vielmehr könnte Herzog Albert die Zeichnung noch zu Lebzeiten Win[c]klers erworben haben (siehe Dossi 1998, p.59).
Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Heinz Widauer (Bearb.), Die französischen Zeichnungen der Albertina. Vom Barock bis zum beginnenden Rokoko. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. X, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 129f., Nr. 761.
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