Die eherne Schlange
Raymond Lafage
Spuren einer Vorzeichnung in schwarzer Kreide lassen uns mit Whitman und entgegen Mesuret (1962, Nr. 351, p. 93) in dieser Zeichnung ein Originalblatt Lafages annehmen, nach dem Ertinger 1683 eine im Gegensinn erscheinende und in den Maßen idente Radierung (HB CIX. fol. 20 Nr. 46) ausführte. Darüber hinaus wurde sie von Jan van der Bruggen 1689 in dessen "Recueil des meilleurs dessins de Raymond de la Fage" in Paris publiziert. Für Lafage charakteristisch ist die humorvolle "Quasi-Signatur" in Form eines karikaturhaften Selbstporträts in der rechten unteren Ecke des Blattes. Diese Exodus 7, 10 - 12 interpretierende Zeichnung ist eine von mehreren Versionen Lafages zu diesem Thema. Whitman sieht in diesem Blatt die Abwandlung einer Zeichnung mit demselben Gegenstand in der Pariser École des Beaux-Arts (siehe Whitman 1956, p. 26, Abb. 2), die sich letztlich auf Simon Vouets Version des Themas, heute im Musée des Augustins in Toulouse, zurückführen läßt. Kompositionell steht das Blatt der Albertina einer Variante im Louvre (Inv.Nr. 27378, GM 5386) jedoch viel näher. Die beiden Blätter teilen das Hochformat und die prinzipielle Anordnung der Komposition; in den figurativen Details variieren die Blätter beträchtlich. Die Albertina-Zeichnung ist im Vergleich zu dem flüchtiger ausgeführten Louvre-Blatt jedenfalls die finalere Version (siehe auch Whitman 1963, pp. 50/51). Die École des Beaux-Arts in Paris besitzt noch eine gegenüber der Albertina-Zeichnung in der Höhe etwas kleinere contre épreuve eines heute vermutlich verschollenen Rötelblattes mit derselben Darstellung (Collection Mathias Polakovits, siehe Lisle-sur-Tarn 1990., Nr. 23). Eine weitere Radierung nach der Albertina-Zeichnung wurde von Claude-Daniel Laurés ausgeführt (siehe Toulouse 1951, p. 72, Nr. 130 repr.).
Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Heinz Widauer (Bearb.), Die französischen Zeichnungen der Albertina. Vom Barock bis zum beginnenden Rokoko. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. X, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 179, Nr. 933.
