François Verdier, Herkules vertreibt mit Hilfe Minervas die stymphalischen Vögel, Inv. Nr.: 118…
Herkules vertreibt mit Hilfe Minervas die stymphalischen Vögel
François Verdier, Herkules vertreibt mit Hilfe Minervas die stymphalischen Vögel, Inv. Nr.: 11851
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Herkules vertreibt mit Hilfe Minervas die stymphalischen Vögel

François Verdier




Künstler:in (Paris 1651 - 1730 Paris)
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide, grau laviert, Spuren einer Kreideweißhöhung, rechts und oben mehrfach ergänzt
Dimensions26,9 x 50,2 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number11851
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Die Zusammenstellung der vierzehn Blätter Inv. 11840 – Inv. 11853 ergab sich aufgrund der gemeinsamen Technik, des beinahe gleich großen Formats und der der Mythologie angehörenden Thematik. Kaposy (1980, p. 85) vermutete in diesem Zyklus die Vorzeichnungen für eine größere Stichfolge oder sogar Entwürfe zu Supraporten einer uns heute unbekannten Schloßausstattung. Unbestritten ist, daß vermutlich die Ausstattung Verdiers im Trianon de Marbre in Versailles das Vorbild dieser Zeichnungen in der Albertina abgegeben hat; Kaposy (1980, p. 85, Abb. 15 und 16) hat bereits zwei Blätter dieser Serie eindeutig mit Gemälden der Ausstattung in Versailles in Zusammenhang gebracht. Gegen unsere erste Annahme, es könnte sich auch um die Vorzeichnungen zu Buchillustrationen handeln, spricht, daß die einzelnen Darstellungen keiner bestimmten inhaltlichen Logik folgen. Die Mehrzahl der Blätter illustriert zwar Begebenheiten aus Ovids Metamorphosen, in einigen wenigen Fällen gelang uns aber auch der Nachweis anderer literarischer Grundlagen, wie z. B. Ovids Ars amat. (Inv. 11849) oder Vergils Aeneis (Inv. 11841) Auffallend sind die auf fast allen Blättern dieser Serie angebrachten Ergänzungen v. a. an den seitlichen Rändern. Es scheint, als hätte der Zeichner die Blätter erst nachträglich einem größeren Format angepaßt und entsprechend ergänzt. Verdiers ungeheure Produktivität als Zeichner macht es zum heutigen Kenntnisstand seines Œuvres schwierig, eine Datierung dieser Serie vorzunehmen. Wir glauben aber, daß sie als Spätwerk des Künstlers anzusehen ist: Die Darstellungen sind weitgehend frei von direkten motivischen Entlehnungen bei seinem ehemaligen Lehrer Charles Le Brun und lassen auch jene lineare, akademische Strenge der 90er Jahre vermissen, in denen z. B. der Samson-Zyklus entstanden ist. Im Gegensatz zu früheren Zeichnungen sind sie in ihrer vergleichsweise malerischeren Auffassung vielleicht ein begrenztes Zugeständnis Verdiers an den herrschenden Zeitgeist des beginnenden 18. Jahrhunderts.

Diese eine der zwölf Arbeiten des Herkules wird in Ovids Metamorphosen nur indirekt in einer Zeile (Verszeile 187 im IX. Buch) erwähnt. Der Held vertreibt mit den von Minerva erhaltenen Bronzeklappern die am See Stymphalos hausenden Vögel.





Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Heinz Widauer (Bearb.), Die französischen Zeichnungen der Albertina. Vom Barock bis zum beginnenden Rokoko. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. X, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 170, Nr. 899.




Catalogue raisonné
  • Widauer 2004, F 899
  • Provenance
  • Charles de Ligne
  • Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/22345/herkules-vertreibt-mit-hilfe-minervas-die-stymphalischen-vogImage Request
    Last edited06.10.2021