Gefangennahme Christi
François Verdier
Die acht Zeichnungen mit Szenen des Wirkens und der Passion von Jesus Christus (Inv. 11832 – Inv. 11839)sind aufgrund der gemeinsamen Technik, des ungefähr gleich großen Querformats und auch stilistisch zu einer Gruppe zusammenzufassen und könnten als Vorzeichnungen für Buchillustrationen bestimmt gewesen sein. Inhaltlich hat sich Verdier darin mit Begebenheiten auseinandergesetzt, die in den jeweiligen Evangelien mit unterschiedlicher Aufmerksamkeit behandelt werden. Besonders deutlich wird dies bei zwei Blättern, wo der Künstler die bei Matthäus, Markus und Lukas beschriebene Gefangennahme Christi am Ölberg mit jener im Johannesevangelium vergleicht und die unterschiedlichen Bildlösungen einander gegenüberstellt. Auffallend sind die den meisten Blättern angefügten Ergänzungen, die wir nicht nur bei dieser Serie, sondern auch bei einer weiteren Folge von Zeichnungen Verdiers in der Albertina beobachten können (siehe F. 888-F 901/Inv. 11840 – Inv. 11853). Wir nehmen an, daß sie von Verdier selbst stammen und eine Adaptierung zu einem vom Auftraggeber gewünschten größeren Format darstellen.
Im Unterschied zur Zeichnung Inv. 11837 bezieht sich diese Darstellung eindeutig auf das Johannesevangelium (18, 1-11), wo Petrus namentlich als jener Jünger genannt wird, der dem Soldaten des Hohepriesters das Ohr abschlägt; auf der Zeichnung ist er auch identifizierbar.
Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Heinz Widauer (Bearb.), Die französischen Zeichnungen der Albertina. Vom Barock bis zum beginnenden Rokoko. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. X, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 162f., Nr. 871.
