Porträt eines sitzenden Mönches
François de Troy
um 1710
Der traditionellen Zuschreibung dieses bisher unveröffentlichten Blattes ist aufgrund eines stilistischen Vergleichs mit einer motivisch verwandten
Zeichnung im Musée Dupuy in Toulouse (Inv. 56.9.2 ; siehe Brême, in: Toulouse 1997, p. 170, Abb. 53) recht zu geben. Die Zeichnung der Albertina zeigt eine zu dem von Brême zwischen 1705 und 1715 datierten Blatt verwandte Lichtführung, die die charakteristische Parallelschraffur und eine ähnliche voluminöse Gewandung aufweist, ist aber in der Strichführung entschiedener und bestimmter, was nicht auf eine bloße Figurenstudie, sondern auf ein beabsichtigtes ganzfiguriges Porträt schließen läßt. Es ist uns nicht gelungen, ein nach dieser Zeichnung ausgeführtes Porträt von François de Troy aufzufinden, doch glauben wir aufgrund der starken Ähnlichkeit des Porträtierten mit einem Zisterziensermönch, wie er auch auf dem in zwei Versionen bekannten Gemälde "Der Künstler und seine Familie" im Musée Tessé in Le Mans und in einer amerikanischen Privatsammlung (siehe Brême, in: Toulouse 1997, p. 23 und p. 191, Nr. 51) erscheint, den Sohn des Künstlers, den 1669 geborenen Jean-Antoine de Troy, zu erkennen. Laut Brême (in: Toulouse 1997, p. 24) weiß man von ihm nur, daß er sich 1696 in Florenz aufhielt, um dem Großherzog der Toskana ein Selbstporträt seines Vaters zu überbringen Die beiden erwähnten Familienbildnisse sind undeutlich mit "171." datiert und stehen damit zeitlich der oben genannten Zeichnung im Musée Dupuy nahe, so daß sich die Zeichnung der Albertina nicht nur stilistisch, sondern auch dem Alter des Mönches entsprechend chronologisch einfügt.
Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Heinz Widauer (Bearb.), Die französischen Zeichnungen der Albertina. Vom Barock bis zum beginnenden Rokoko. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. X, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 155, Nr. 836.
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