Anonym, Das Wachtelwunder, Inv. Nr.: 394
Das Wachtelwunder
Anonym, Das Wachtelwunder, Inv. Nr.: 394
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Das Wachtelwunder

Anonym

um 1517-1525




Künstler:in
Kopie nach (Urbino 1483 - 1520 Rom)
Dateum 1517-1525
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Braun, braun laviert, weiß gehöht, Rötelspuren, auf bräunlichem Papier; die Ecken beschnitten
Dimensions28,2 x 24 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number394
Inscribedr.u. "15" (in brauner Feder)
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Die Zeichnung trug bereits im alten handschriftlichen Katalog der Albertina eine Zuschreibung an #Polidoro da Caravaggio, die Wickhoff (1892), Stix und Fröhlich-Bum (Stix 1932) und die auch im Generalverzeichnis der italienischen Zeichnungen übernommen wird. Laut Marabottini ist das Blatt eine Kopie, möglicherweise nach einer Fassadendekoration Polidoros, während es Oberhuber auf dem Passepartout #Giovanni Francesco Penni zugeschrieben hat. Man hat die Figurengruppe gewöhnlich als Haruspices bezeichnet, die den Vogelflug beobachten. Am oberen Rand ist jedoch in leichten Rötellinien Gottvater mit erhobener Hand zu erkennen, der sich offensichtlich gerade an Moses mit den Worten wendet: "Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sage ihnen: Heute Abend sollt ihr Fleisch essen und morgen früh euch mit Brot sättigen. So sollt ihr erkennen, dass ich, Jahwe, euer Gott bin. Und wirklich: am Abend kam ein Wachtelschwarm heran und bedeckte das Lager." (Exodus, 16, 1-14).
Sicherlich stammt die Zeichnung nicht von Polidoro, der seine Figuren in erregteren und dramatischeren Bewegungen darstellt und sie durch ein kontrastreiches Helldunkel viel stärker in den Umraum einbezieht. Beim "Wachtelwunder" zeichnen sich die Körper dagegen plastisch ab und sind mit dünnen Linien scharf umrissen. Bei den Köpfen begnügt sich der Zeichner mit knappen Andeutungen in eckigen Strichen. Auf den Gewändern verläuft die Lavierung zumeist in vertikalen Pinselstrichen, um die Figuren von dem flächigen Hintergrund abzusetzen. Die Schlagschatten, die Moses und Aaron, aber auch die Wachteln auf dem Grund werfen, geben eine Reliefdarstellung zu erkennen. Möglicherweise handelt es sich um eine später nicht ausgeführte Darstellung für ein Sockelfresko in den Loggien, wo es anstelle der "Mannalese" im achten Joch geplant gewesen sein könnte. Da die Modell für die Loggienbilder nun von Oberhuber und Gere (AK New York 1987, S. 17 ff.; Oberhuber 1992, S. 24) wieder Raphael gegeben werden, wird auch die Zuschreibung dieses Blattes an Penni fragwürdig. Völlig anders ist jedenfalls der Figurenstil in den drei Zeichnungen der Albertina (Inv. 230, Inv. 231 und Inv. 232), die man bislang immer als Penni akzeptiert hat. Die Bewegungen wirken dort überstürzt, unkontrolliert und sind weniger raumhaft. Gegenüber der raschen, sich auf Andeutungen beschränkenden Zeichentechnik beim "Wachtelwunder", überzieht Penni seine Szenen mit einer pedantisch feinteiligen Weißhöhung, die eine gleichmäßigen Glanz auf der Oberfläche erzeugt. Die Zeichnungen können daher nicht von demselben Künstler stammen. Man scheut sich jedoch vor einer Zuschreibung des "Wachteslwunders" an Raphael aufgrund einiger wenig überzeugenden Partien. So wirkt die herbeilaufende Figur rechts unorganisch, die Füße sind zum Teil nur stummelartig angedeutet, und die Hand des Moses links hängt völlig kraftlos herab. Vielleicht liegt in diesem Fall eine Kopie nach einer verlorenen Raphaelzeichnung vor.

Raphael und der klassische Stil in Rom, Mantua/Albertina 1999, Abb. 103, S. 165.

 

zitiert aus: Veronika Birke, Janine Kertész, Die italienischen Zeichnungen der Albertina. Generalverzeichnis, I, Wien/Köln/Weimar 1992, S. 222, Nr. 394.

Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1892, SR 468
  • Stix 1932, 170
  • Birke/Kertész I
  • Bibliography
  • Marabottini 1969, Bd. 1, S. 375, Bd. 2, Taf. CLVI
  • Historical Attributions
  • Polidoro da Caravaggio (traditionelle Zuschreibung, Wickhoff, Stix)
  • Polidoro da Caravaggio nach (Marabottini)
  • Penni, Giovanni Battista (Oberhuber)
  • Zuschreibung von Gnann
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/22829/das-wachtelwunderImage Request
    Last edited16.08.2021