Marcantonio Raimondi, Titus, Inv. Nr.: 252
Titus
Marcantonio Raimondi, Titus, Inv. Nr.: 252
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Titus

Marcantonio Raimondi

um 1520




Künstler:in ((Argini bei Bologna?) um 1480 - 1527/34 Bologna)
Dateum 1520
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Braun; Medaillon aufgelegt
Dimensions15,9 x 15,9 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number252
InscribedUmschrift von der Hand des Künstlers: "MP" (durchgestrichen), "IMP. T. CAES. VESP. AUG. P.M. TR. P. PP. COS. VIII"; l.u. auf der Unterlage "Raphael" (in Bleistift)
Markingskein Sammlerstempel Herzog Albert von Sachsen-Teschen
Text

Die Zeichnung lag in der Albertina ursprünglich unter #Raphael und wurde von Wickhoff einer anonymen Hand des 16. Jahrhunderts gegeben. Oberhuber hat sie dann Marcanton zugeschrieben und als Vorlage für den "Titus" aus der Serie der Kaiserporträts bestimmt. In dieser Serie wurden erstmals antike Münzen im Stich bedeutend vergrößert, wie es später üblich wurde und etwa gleichzeitig in Augsburg bei #Daniel Hopfer geschah (Bartsch 1803-1821, Bd. 8, S. 491, Nr. 76, 77). Faietti (1988) hat die Zeichnung um 1520 datiert und eine Sesterze mit dem Porträt des Titus von 80/81. n. Chr. als direktes Vorbild genannt. Nesselrath (1993, S. 164) hielt das Blatt für eine Kopie nach einer verlorenen Entwurfszeichnung des Stechers. Der Zeichenstil spricht aber ganz für ein Original Marcantons. Die Modellierung in kurzen, spannungslosen Linien und Kreuzschraffuren, die sich überlagern und dadurch der Oberfläche eine kontinuierliche Rundung und Plastizität geben, ist von größter Lebendigkeit. Man beachte wie subtil die Verdichtungen an Wange und Kinn von den weichen Übergängen am Hals und am Brustansatz unterschieden sind. Die Wiedergabe der Haare und der nachgezogene Kontur am Gesicht zeigen zudem pentimenthafte Stellen, und vor allem die ausgestrichenen Buchstaben "MP" unten sprechen gegen eine Kopie. Marcanton wollte die Inschrift offensichtlich zuerst in die andere Richtung schreiben, kehrte sie dann aber im Sinne des Stiches um. Er ließ später auch die Trennmarken weg, veränderte die Anordnung der Buchstaben und näherte sich dadurch noch stärker dem Vorbild der antiken Münze (Mattingly 1966, Taf. 48, Nr. 7, Taf. 49, Nr. 5). Wie in seinen anderen Stichen nach der Antike war Marcanton bestrebt, das Vorbild mit größtmöglicher archäologischer Treue wiederzugeben. Wenngleich die Vorzeichnung etwa in der Gestaltung der Haare oder der Schleife am Lorbeerkranz vom Stich abweicht, stimmen doch alle wesentlichen Details und die Maße überein. Die Modellierung am Brustansatz im Stich folgt etwa Linie für Linie der Zeichnung. Es ist daher trotz dem von Faietti geäußerten Einwand möglich, dass sich Marcanton unmittelbar an der Albertina-Zeichnung orientiert hat, im Stich dann jedoch einige Details veränderte und vor allem noch die Inschrift korrigierte. Der Entwurf muss nicht notgedrungen seitenverkehrt gegenüber dem Stich sein, was etwa Raphaels Vorzeichnung für das "Abendmahl" in Windsor, die von #Marco Dente und Marcanton seitengleich gestochen wurde, beweist (Knab/Mitsch/Oberhuber 1983, Nr. 451; Bartsch 1803-1821, Bd. 14, S. 33 f., Nr. 26, 27).
Auf den Rückseiten zweier Zeichnungen im Fossombroner Skizzenbuch (fol. 28v) und in Lille finden sich Kopien nach den Kaisern Nero, Galba und Domitian, vereint. Alle drei Porträts weichen von den Stichen ab und sind daher wohl nach verlorenen Entwürfen Marcantons für diese Serie entstanden (Nesselrath 1993, S. 163-165, Abb. 43, 84). Einige Beispiele, die die große Berühmtheit der Serie dokumentieren, sind bei Nesselrath (1993, S. 164) aufgeführt.

Raphael und der klassische Stil in Rom, Mantua/Albertina 1999, Abb. 212, S. 298.

Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1892, SR 325
  • Birke/Kertész I
  • Bibliography
  • gest. von M. Raimondi (Bartsch 1803-1821, Bd. XIV, p. 373, Nr. 510
  • A.K. Bologna 1988, Nr. 43) als Teil der Kaiserporträts-Serie (Bartsch 1803-1821, Bd. XIV, p. 372-374, Nr. 501-512
  • A.K. Bologna 1988, p. 210, Anm. 3) - Oberhuber 1970, S. 1-3, Abb. 1
  • du Boys-Reymond 1978, S. 145
  • Dillon 1987, S. 560
  • AK Bologna 1988, S. 209 f., Nr. 58 (M. Faietti)
  • Bernhard-Walcher 1989/90, Abb. I/9
  • Nesselrath 1993, S. 163-165
  • AK Mantua/Albertina 1999, Nr. 212 (A. Gnann)
  • Historical Attributions
  • Raffaello Santi (traditionell)
  • 16. Jahrhunderts (Wickhoff)
  • Zuschreibung von Oberhuber.
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen

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    Last edited16.08.2021