Anbetung des Christuskindes mit Heiligen
Piero Buonaccorsi gen. Perino del Vaga
1533-1534
Die "Anbetung des Christuskindes mit Heiligen" ist die Vorlage für ein von Perino signiertes, monogrammiertes und 1534 datiertes Altarbild, das von der Familie Basadonne für ihre Kapelle in Santa Maria della Consolazione in Genua in Auftrag gegeben wurde (heute Washington, National Gallery of Art; Pama Armani 1986, Abb. 183). Der heilige Johannes der Täufer im Vordergrund und der heilige Jakobus der Ältere auf der linken Seite des Blattes sind die Namensheiligen des Auftraggebers #Giovanni Pallavicino Basadonne, der die Errichtung der Familienkapelle in der Kirche testamentarisch verfügte, und dessen Sohnes #Jacopo, der für die Vollendung der Arbeiten verantwortlich war (siehe Parma Armani 1986, S. 303). Die Präsenz der Heiligen Sebastian und Rochus an den beiden Außenseiten der Darstellung könnten auf eine Votivstiftung als Dankeszeichen für die Verschonung von der Pest hindeuten, die in Genua in diesen Jahren heftig wütete. Wenngleich die Zeichnung zur Übertragung quadriert ist und die Umrisslinien durchstochen sind, unterscheidet sich die Komposition noch in vielen Aspekten von der endgültigen Ausführung. Die bildmäßig vollendete und detaillierte Durchgestaltung lassen an einen Modello zur Vorlage für den Auftraggeber denken, den der Künstler später auf anderen Zeichnungen weiterentwickelt hat. In dem Bild hat er die flächenparallele Anordnung der Figuren und die Betonung der Vertikalen aufgegeben. Er fügte im oberen Teil die Erscheinung Gottvaters auf Wolken ein, schloss die Heiligengestalten in den Bewegungen und Gesten enger zusammen und rückte das Christuskind stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Hinter diesem kniet nun die heilige Katharina, die überrascht ihre Hand ausstreckt, da der Heiland von dem Kreuz, dem Symbol seines Erlösungstodes, in den Händen des Täufers in Bann gezogen wird.
In der halbkreisförmigen Anordnung der Knienden im Vordergrund und der Heiligenfiguren dahinter ist ein Nachhall von #Leonardo da Vincis "Anbetung der Könige" in den Uffizien zu spüren, doch man hat auch auf #Giulio Romanos kompositionell vergleichbare "Stephanussteinigung" in San Stefano (Genua) hingewiesen, die hinsichtlich der Einfügung Gottvaters und der Engelschar, des Landschaftsraumes mit seiner dramatischen Helldunkelstimmung sowie der leuchtenden, metallartig glänzen Farben der Gewänder gewiss Anregungen geliefert hat (vgl. Wolk 1985, S. 32 ff.; Davidson 1985, S. 752). Der Künstler übernahm zwar von der Zeichnung die Treppe mit der hinaufsteigenden Figur sowie die ruinöse Bogenarchitektur im Hintergrund, die auf den hinfällig gewordenen Alten Bund hindeutet, er ließ aber in der Ausführung die unversehrte römische Triumphsäule weg, die Maria als "columna novae legis" auszeichnet. Eine Rötelstudie zu diesem Detail befindet sich in San Francisco (Fine Arts Museum, Achenbach Foundation; Davidson 1985, Abb. 6).
Gegenüber der traditionelleren Komposition des Bildes, orientiert sich das Wiener Blatt mit Ausnahme der betont raphaelischen Katharina von Alexandrien stärker an modernen Vorbildern, insbesondere an #Parmigianino, worauf auch die alte Zuschreibung "F·P" (für Francesco Parmigianino) in der linken oberen Ecke hinweist (AK Florenz 1966, Nr. 24). Dessen Radierung der "Anbetung der Hirten" (Bartsch 1803-1821, Bd. 16, S. 7, Nr. 3) dürfte Perino zu der Gliederung des Bildraumes mit architektonischen Versatzstücken inspiriert haben, und die graziöse Haltung des schlanken, zartgliedrigen Sebastian erinnert an Parmigianinos Figurenideal in den Studien für den "Wettstreit zwischen Apoll und Marsyas", die wohl in der römischen Periode (1524-1527) entstanden sind (Popham 1971, Taf. 129-132). In dieser Zeit bahnte sich zwischen den beiden Künstlern auch ein Kontakt an, der für beide Seiten fruchtbar gewesen ist. Trotz des parmigianinesken Einflusses ist es wenig wahrscheinlich, dass Perino die Zeichnung kurz nach seinem Weggang aus Rom und damit wesentlich früher als das Bild geschaffen hat, da trotz der vielen Unterschiede die Gestaltung der Gewänder mit ihrem metallartigen Glanz bis hinein in die Fältelungen unmittelbar vergleichbar sind. Dies wird besonders bei der Gestalt der Maria deutlich. Hinzu kommt die flächige Auffassung der Figuren in dem Modello, die sich von den Studien der römischen Zeit unterscheidet, in denen die Körper plastischer und voluminöser und die Bewegungen wesentlich raumhafter sind.
Eine Detailstudie zum heiligen Sebastian befindet sich im Rijksmuseum in Amsterdam (AK Mantua 2001, Nr. 41).
Michelangelo und seine Zeit, Meisterwerke der Albertina, Wien/Bilbao 2004/05, Abb. 76, S. 188.
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