Piero Buonaccorsi gen. Perino del Vaga, Anbetung des Christuskindes mit Heiligen, Inv. Nr.: 522
Anbetung des Christuskindes mit Heiligen
Piero Buonaccorsi gen. Perino del Vaga, Anbetung des Christuskindes mit Heiligen, Inv. Nr.: 522
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Anbetung des Christuskindes mit Heiligen

Piero Buonaccorsi gen. Perino del Vaga

1533-1534




Künstler:in (Florenz 1501 - 1547 Rom)
Date1533-1534
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesRötel, über Spuren einer Vorzeichnung in schwarzem Stift, Quadrierung in schwarzer Kreide; die Umrisslinien durchstochen, die unteren Ecken und Teil des rechten Randes restauriert, Knickfalte in der Mitte
Dimensions40,6 x 33,5 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number522
Inscribedl.o. "F.P" (in Feder von alter Hand)
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Die "Anbetung des Christuskindes mit Heiligen" ist die Vorlage für ein von Perino signiertes, monogrammiertes und 1534 datiertes Altarbild, das von der Familie Basadonne für ihre Kapelle in Santa Maria della Consolazione in Genua in Auftrag gegeben wurde (heute Washington, National Gallery of Art; Pama Armani 1986, Abb. 183). Der heilige Johannes der Täufer im Vordergrund und der heilige Jakobus der Ältere auf der linken Seite des Blattes sind die Namensheiligen des Auftraggebers #Giovanni Pallavicino Basadonne, der die Errichtung der Familienkapelle in der Kirche testamentarisch verfügte, und dessen Sohnes #Jacopo, der für die Vollendung der Arbeiten verantwortlich war (siehe Parma Armani 1986, S. 303). Die Präsenz der Heiligen Sebastian und Rochus an den beiden Außenseiten der Darstellung könnten auf eine Votivstiftung als Dankeszeichen für die Verschonung von der Pest hindeuten, die in Genua in diesen Jahren heftig wütete. Wenngleich die Zeichnung zur Übertragung quadriert ist und die Umrisslinien durchstochen sind, unterscheidet sich die Komposition noch in vielen Aspekten von der endgültigen Ausführung. Die bildmäßig vollendete und detaillierte Durchgestaltung lassen an einen Modello zur Vorlage für den Auftraggeber denken, den der Künstler später auf anderen Zeichnungen weiterentwickelt hat. In dem Bild hat er die flächenparallele Anordnung der Figuren und die Betonung der Vertikalen aufgegeben. Er fügte im oberen Teil die Erscheinung Gottvaters auf Wolken ein, schloss die Heiligengestalten in den Bewegungen und Gesten enger zusammen und rückte das Christuskind stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Hinter diesem kniet nun die heilige Katharina, die überrascht ihre Hand ausstreckt, da der Heiland von dem Kreuz, dem Symbol seines Erlösungstodes, in den Händen des Täufers in Bann gezogen wird.
In der halbkreisförmigen Anordnung der Knienden im Vordergrund und der Heiligenfiguren dahinter ist ein Nachhall von #Leonardo da Vincis "Anbetung der Könige" in den Uffizien zu spüren, doch man hat auch auf #Giulio Romanos kompositionell vergleichbare "Stephanussteinigung" in San Stefano (Genua) hingewiesen, die hinsichtlich der Einfügung Gottvaters und der Engelschar, des Landschaftsraumes mit seiner dramatischen Helldunkelstimmung sowie der leuchtenden, metallartig glänzen Farben der Gewänder gewiss Anregungen geliefert hat (vgl. Wolk 1985, S. 32 ff.; Davidson 1985, S. 752). Der Künstler übernahm zwar von der Zeichnung die Treppe mit der hinaufsteigenden Figur sowie die ruinöse Bogenarchitektur im Hintergrund, die auf den hinfällig gewordenen Alten Bund hindeutet, er ließ aber in der Ausführung die unversehrte römische Triumphsäule weg, die Maria als "columna novae legis" auszeichnet. Eine Rötelstudie zu diesem Detail befindet sich in San Francisco (Fine Arts Museum, Achenbach Foundation; Davidson 1985, Abb. 6).
Gegenüber der traditionelleren Komposition des Bildes, orientiert sich das Wiener Blatt mit Ausnahme der betont raphaelischen Katharina von Alexandrien stärker an modernen Vorbildern, insbesondere an #Parmigianino, worauf auch die alte Zuschreibung "F·P" (für Francesco Parmigianino) in der linken oberen Ecke hinweist (AK Florenz 1966, Nr. 24). Dessen Radierung der "Anbetung der Hirten" (Bartsch 1803-1821, Bd. 16, S. 7, Nr. 3) dürfte Perino zu der Gliederung des Bildraumes mit architektonischen Versatzstücken inspiriert haben, und die graziöse Haltung des schlanken, zartgliedrigen Sebastian erinnert an Parmigianinos Figurenideal in den Studien für den "Wettstreit zwischen Apoll und Marsyas", die wohl in der römischen Periode (1524-1527) entstanden sind (Popham 1971, Taf. 129-132). In dieser Zeit bahnte sich zwischen den beiden Künstlern auch ein Kontakt an, der für beide Seiten fruchtbar gewesen ist. Trotz des parmigianinesken Einflusses ist es wenig wahrscheinlich, dass Perino die Zeichnung kurz nach seinem Weggang aus Rom und damit wesentlich früher als das Bild geschaffen hat, da trotz der vielen Unterschiede die Gestaltung der Gewänder mit ihrem metallartigen Glanz bis hinein in die Fältelungen unmittelbar vergleichbar sind. Dies wird besonders bei der Gestalt der Maria deutlich. Hinzu kommt die flächige Auffassung der Figuren in dem Modello, die sich von den Studien der römischen Zeit unterscheidet, in denen die Körper plastischer und voluminöser und die Bewegungen wesentlich raumhafter sind.
Eine Detailstudie zum heiligen Sebastian befindet sich im Rijksmuseum in Amsterdam (AK Mantua 2001, Nr. 41).

Michelangelo und seine Zeit, Meisterwerke der Albertina, Wien/Bilbao 2004/05, Abb. 76, S. 188.

Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1892, SR 618
  • Birke/Kertész I, 522
  • Bibliography
  • Wickhoff, 1892, S. XLVII (Pompeo dell´Aquila)
  • Florenz, 1966, Nr. 24, Fig. 24
  • J. Gere, il manierismo a roma, Mailand 1971, p. 87, p. 65, Fig. 6
  • A.K. Amsterdam 1981, Kommentar zu Nr. 114
  • Davidson, 1985, S. 752, fig. 9
  • Wolk, 1985, S. 43f., fig. 16
  • Parma Armani, 1986, S. 154ff., fig. 182, S. 302, unter Kat. Nr. B.II
  • Birke und Kertész, 1992, Bd. 1, S. 289f.
  • L. Wolk-Simon, Fama, Paragone, and the Cartoon: The Case of Perino del Vaga, in: Master Drawings XXX, 1992, 1, p. 65
  • Mantua, 2001, S. 20, Nr. 40 (Text v. E. Parma)
  • Venedig, Wien und Bilbao, 2004-2005, Nr. 76 (Text v. A. Gnann)
  • Wolk-Simon, 2011, S. 644, fig. 3
  • Haarlem 2012/2013, Kat. 87 (Text v. A. Gnann)
  • Historical Attributions
  • Cesura, Pompeo gen. dell'Aquila (traditionell, Wickhoff)
  • Zuschreibung von Oberhuber, Gere, Davidson, Parma Armani.
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/23616/anbetung-des-christuskindes-mit-heiligenImage Request
    Last edited05.08.2021

    Piero Buonaccorsi gen. Perino del Vaga, Beweinung Christi mit einer weiblichen Stifterfigur, In…
    Piero Buonaccorsi gen. Perino del Vaga
    um 1517-1518
    Piero Buonaccorsi gen. Perino del Vaga, Antike Seeschlacht, Inv. Nr.: 450
    Piero Buonaccorsi gen. Perino del Vaga
    Piero Buonaccorsi gen. Perino del Vaga, Zwei sitzende Krieger in antiker Kleidung, Inv. Nr.: 57…
    Piero Buonaccorsi gen. Perino del Vaga
    1529-1530
    Piero Buonaccorsi gen. Perino del Vaga, Die Aussetzung des Moses mit der Personifikation des Ni…
    Piero Buonaccorsi gen. Perino del Vaga
    Piero Buonaccorsi gen. Perino del Vaga, Kampf der Kentauren und Laphiten, Inv. Nr.: 448
    Piero Buonaccorsi gen. Perino del Vaga
    Piero Buonaccorsi gen. Perino del Vaga, Sitzende Bischofsfigur mit geöffnetem Buch, Inv. Nr.: 4…
    Piero Buonaccorsi gen. Perino del Vaga
    Piero Buonaccorsi gen. Perino del Vaga, Studienblatt mit Frauengestalten, Männern und Vermummte…
    Piero Buonaccorsi gen. Perino del Vaga
    Piero Buonaccorsi gen. Perino del Vaga, Hl. Markus, Inv. Nr.: 437
    Piero Buonaccorsi gen. Perino del Vaga
    1523 - 1525