Landschaft mit mehreren Figuren
Polidoro Caldara da Caravaggio
1527-1528
Künstler:in
Polidoro Caldara da Caravaggio
(Caravaggio um 1499 (?) - 1543 Messina)
Date1527-1528
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesRötel
Dimensions21,4 x 28,7 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number398
Markingsr.u. Pierre-Jean Mariette (Lugt 2097); l.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
TextIn Polidoros Darstellungen mit genrehaften Szenen fühlte sich der Künstler weniger an die Vorgaben der klassischen Figurensprache gebunden. In ihnen drückt sich sein Hang zur Schilderung volktümlicher Charaktere aus, die ein ärmliches Dasein voller Entbehrung fristen und dabei eingebunden sind in die unberührte landschaftliche Umgebung. Polidoro war ein Meister der Naturdarstellung, wobei Beobachtungen vor Ort mit Anregungen von Landschaftsbildern der Antike und von Künstlern aus Venedig, wo er sich vermutlich in seiner Frühzeit aufhielt, zusammengeflossen sind. Teil dieser Natur sind die höchst einfachen Menschen, die häufig gedankenversunken und einsam sind. Dadurch kommt das Tragische und Schicksalbestimmte ihres Daseins zum Ausdruck kommt. A. Marabottini hat darauf hingwiesen, daß auf der linken Seite der Zeichnung unter den Schraffuren eine auf dem Boden kniende, vorgebeugte Figur mit einem Tier - möglicherweise ein Hund - zu erkennen ist, und sich unter dem Baumstamm eine Figur abzeichnet, die sich vorlehnt und den Arm wie zum Gruß hebt. Möglicherweise hatte Polidoro zunächst die Darstellung einer Anbetung der Hirten vorgesehen, anschließend aber das religiöse Thema verworfen und durch die Einfügung des massigen Baumstamms und des Hügels im Mittelgrund unkenntlich gemacht. Seitlich fügte er zwei wandernde Gestalten sowie eine fortschreitende Mutter mit Kind auf dem Arm ein. Die auf einem Block sitzende Frau in prachtvoll schillerndem Gewand und die zu ihr aufblickende hockende Gestalt lassen entfernt einen Nachhall von Michelangelos Gruppen der Vorfahren Christi am Gewölbe der Sixtinischen Kapelle verspüren. Durch die abwechslungsreiche und souveräne Handhabung des Rötelstifts gehört die Zeichnung zu Polidoros schönsten in dieser Technik. Die breiten Linien sind teilweise fein und kontrolliert gezogen, teilweise aber auch frei und impulsiv und mit breiten Abständen aufgesetzt. Dadurch erlangt Polidoro eine reiche Differenzierung im Stofflichen und eine außergewöhnlich malerische Wirkung. Das Licht besitzt eine vibrierende Intensität und durchtränkt die Atmosphäre mit ihren warmen Sonnenstrahlen. Die weibliche Figur im Vordergund kehrt ähnlich bei den Studien für eine Anbetung der Hirten und eine Frau beim Nähen in den Uffizien wieder (Ravelli, 1978, Nr. 83, 84). Gegenüber der Anbetungsszene sind die Figuren auf dem vorliegenden Blatt aber individueller aufgefaßt, setzen sich entschiedener voneinander ab, und der Raum erhält durch die wuchtigen Landschaftsmotive eine größere Ausdehnung. Die Form des Baumes kehrt ähnlich bei einer Serie von Tafelbildern mit Darstellungen aus der Amor- und Psyche-Legende wieder, die Polidoro wahrscheinlich während seines Aufenthaltes in Neapel 1527/28 gemalt hat (Leone de Castris, 2001, fig. 57-58, 316, 318-321). In derselben Zeit könnte die Zeichnung laut Auffassung der jüngeren Fachliteratur entstanden sein.
zum Stempel/Zeichen
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/23694/landschaft-mit-mehreren-figurenImage RequestLast edited25.06.2018