Bildnis eines Jünglings mit Barett
Bartolommeo Veneto
1515-1525
Bei Bartolomeo Venetos Porträt eines jugendlichen Edelmannes mit langem gewelltem Haar fällt die außergewöhnliche Kappe ins Auge, die eine aufrechte, sich ringelnde Schlange zwischen den Buchstaben Y und X ziert (zu einer Deutung vgl. Pagnotta 1997, S. 242). Sie konnte bislang noch nicht zur Identifizierung des Dargestellten beitragen.
Das Bildnis war einst #Francesco Bonsignori zugeschrieben, doch unterscheidet es sich etwa von dem Wiener Brustbildnis des jungen Gonzaga (vgl. Inv. 1453) durch die ungezwungenere Haltung und die zartere Modellierung. Ein Windhauch bewegt leicht die Haare, und das Sonnenlicht bringt die kostbare Stickerei auf dem Hemd und die Musterung des Mantels zur Geltung. Alle optischen Effekte werden in dieser Zeichnung betont, die durch die detaillierte Wiedergabe des Stofflichen und des Dekors eine reiche Differenzierung der Tonwerte aufweist und dadurch eine nahezu malerische Wirkung entfaltet. Die prachtvolle Kleidung verleiht dem fast schüchtern blickenden Jüngling Selbstbewusstsein und Sicherheit im Auftreten und macht seinen gesellschaftlichen Rang anschaulich.
Der 1531 in Turin verstorbene Bartolomeo war zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Venedig, im Veneto und in der Lombardei tätig und hat vor allem als Porträtmaler Bedeutung erlangt. Anfangs beeinflussten ihn #Giovanni Bellini und dessen Bruder Gentile, der nach eigener Angabe sein Lehrer gewesen sein soll. Bei Bartolomeo Veneto wirken die Dargestellten jedoch gelöster und weniger distanziert und blicken, wie auf dem Wiener Blatt, den Betrachter häufig direkt an. Die gleiche Aufmerksamkeit wie den Gesichtern, die oft in leichter Schrägansicht wiedergegeben sind, widmete der Maler den Kostümen, die nicht selten Muster mit ungedeuteten allegorischen oder symbolischen Anspielungen zeigen und wesentlich zur Charakterisierung der Porträtierten beitragen.
Laut der neueren Forschung dürfte der Künstler die Zeichnung gegen Ende des zweiten oder Anfang des dritten Jahrzehnts des 16. Jahrhunderts geschaffen haben.
Achim Gnann, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 41.
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