Giovanni Francesco Barbieri gen. il Guercino, Muttergottes mit Kind und einem knienden Heiligen…
Muttergottes mit Kind und einem knienden Heiligen
Giovanni Francesco Barbieri gen. il Guercino, Muttergottes mit Kind und einem knienden Heiligen, Inv. Nr.: 2345
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Muttergottes mit Kind und einem knienden Heiligen

Giovanni Francesco Barbieri gen. il Guercino

um 1617-1620




Künstler:in (Cento 1591 - 1666 Bologna)
Dateum 1617-1620
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Braun, braun laviert, Spuren einer Vorzeichnung in Rötel
Dimensions27,2 x 20,7 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number2345
Inscribedl.u. in alter Handschrift mit Feder "Guarchino"; r.u. "B."
Markingsr.u. unidentifiziertes Sammlerzeichen "B." (Feder in Grau); l.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Guercino offenbarte bereits in seiner Kindheit eine geniale malerische und zeichnerische Begabung und entwickelte sich im Laufe der Zeit unter dem Einfluss der klassischen Bestrebungen der Carracci in Bologna und später auch des Naturalismus #Caravaggios zu einem der bedeutendsten italienischen Maler des 17. Jahrhunderts, wenngleich er lange Zeit seines Lebens in Cento, einer zwischen Bologna und Ferrara gelegenen Provinzstadt, verbracht hat.
Das Wiener Blatt zeigt die auf einem Sockel erhöht thronende Muttergottes mit dem Kind, vor der wahrscheinlich der hl. Dominikus kniet. Er legt einen Lilienzweig nieder, den im gleichen Moment Christus zu ergreifen sucht. Skizzenhaft sind auf der linken Seite Arm und Gewand einer weiteren Figur angedeutet, die vom Blattrand überschnitten ist. Vielleicht plante der Künstler, eine weitere Gestalt in die Komposition einzufügen, doch vermutlich handelt es sich um eine erste Überlegung zur Position des Heiligen, die er später verworfen hat. Trotz der spontanen zeichnerischen Ausführung, die überall kleinere Abänderungen und Korrekturen erkennen lässt, ist die Gruppe mit großer Klarheit und Sicherheit festgehalten. Meisterhaft ist die Verwendung des Helldunkels, das die Figuren zusammenschließt und ihr Verhältnis zu dem von links oben kommenden Licht klärt, das über die Körper streift und die Gewänder zum Glänzen bringt. Erst die Lavierung in verschiedenen Helligkeitsabstufungen verleiht den Gliedmaßen Volumen, den Gewändern Form und Fülle, lässt die Bewegungen lebendig und spontan wirken und hebt zugleich das gefühlvolle Empfinden der Gestalten hervor.
Die Zeichnung, die mit keinem bekannten Gemälde in Verbindung steht, ähnelt in ihrem asymmetrischen Aufbau und der Anordnung der Figuren entlang einer Bilddiagonale frühen Werken wie der "Madonna del Carmine" von 1618 (Pinakothek, Cento) oder der "Rückkehr des verlorenen Sohnes" von 1617 (Galleria Sabauda, Turin). Sie wird daher zu Recht in die frühe Schaffensperiode eingeordnet.

vgl. Achim Gnann, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 106.


Das handschriftliche B eines Sammlers auf Inv. 2345 und Inv. 2357 kann nach Nicholas Turner (Brief vom 5. Mai 1993) derzeit nicht als Sammlung Bouverie gelesen werden, obwohl Lugt den Stempel Bouverie auch als handschriftliche Variante nennt (L.325, 326). Stix interpretiert das "B" irrtümlich als Bourduge, Birke (A.K. Washington 1984/85) als W. G. Becker (L.324). Wickhoff zitiert die Provenienzen Mariette (Basan 1775, Nr. 137) und Prince de Ligne (Bartsch 1794, p. 107, Nr. 23). Die Zeichnung weist allerdings kein Mariette Sz auf. Die Angaben im alten Cahier bei Inv. 2345 über die Provenienz de Ligne treffen einschließlich der Übereinstimmung des französischen Textes mit Bartsch 1794 auf Inv. 2346 zu und werden dorthin übernommen. Zur Interpretation des knienden Heiligen verwies D. Stone auf eine Zeichnung im Louvre (Inv. Nr. 6876; A.K. Le Guerchin en France (bearb. v. S. Loire), Paris (Pavillon de Flore) 1990, p. 103, Nr. 40), die als Attribut des knienden Mönches mit der Lilie einen Hund mit Fackel zeigt und den Dargestellten so als Dominikaner bzw. als Dominikus ausweist. Im Zusammenhang mit diesem Sujet ist neben der Zeichnung in Paris und der vorliegenden noch eine weitere im Art Museum der Princeton University (Inv. Bequest of Dan Fellows Platt 48-1267; Stone, Master Draftsman 1991, Nr. 1) bekannt, ohne dass sie einem Gemälde zugeordnet werden könnte. Alle drei Zeichnungen stammen aus der Frühzeit Guercinos vor 1620. David Stone engt den Entstehungszeitraum auf das Jahr 1617 ein.

zitiert aus: Veronika Birke, Janine Kertész, Die italienischen Zeichnungen der Albertina. Generalverzeichnis, II, Wien/Köln/Weimar 1994, S. 1227, Nr. 2345.

Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1891, SB 403
  • Stix 1941, 215
  • Birke/Kertész II
  • Bibliography
  • Braun 359 - Koschatzky/Oberhuber/Knab 1971, Nr. 74 (E. Knab)
  • A.K. Washington 1984/85, Nr. 60 (mit Lit)
  • Stone, Master Draftsman 1991, p. 2, Kommentar zu Nr. 1, Anm. 4
  • AK Cambridge/Ottawa/Cleveland 1991, S. 2, Nr. 1
  • AK Pittsburgh u. a. 2002, Nr. 50 (G. Gruber)
  • Schröder 2008, Nr. 106 (A. Gnann)
  • Provenance
  • unidentifizierter Sammler (Sammlerzeichen "B.")
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/24830/muttergottes-mit-kind-und-einem-knienden-heiligenImage Request
    Last edited27.09.2019

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