Giovanni Francesco Barbieri gen. il Guercino, Allegorie der Nacht, Inv. Nr.: 2298
Allegorie der Nacht
Giovanni Francesco Barbieri gen. il Guercino, Allegorie der Nacht, Inv. Nr.: 2298
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Allegorie der Nacht

Giovanni Francesco Barbieri gen. il Guercino

1621




Künstler:in (Cento 1591 - 1666 Bologna)
Date1621
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesRötel
Dimensions26,6 x 39,8 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number2298
Inscribedr.u. spätere Bezeichnung mit Feder "169"
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Studie zu einer der Lünetten des Deckenfreskos der ,,Aurora" im Casino Ludovisi in Rom (1621) (A.K. Bologna 1968 (dipinti), p. 109; C. H. Wood, Visual Panegyric in Guercino's Casino Ludovisi Frescoes, in: Storia dell'arte 58, 1986, p. 223-228, Abb. 2 (rechts) und 4; Salerno 1988, Nr. 83; U. Davitt Asmus, Amor vincit omnia. Erasmus in Parma ... , in: Mitteilungen des Kunsthistorischen Institutes in Florenz XXXIV, 1990, 3, p. 318, Abb. 14; Stone 1991, Nr. 78, Abb. p. 101), das 1621 von G. B. Pasqualini gest. wurde. Ein früherer Entwurf für diese Figur in Windsor (lnv. Nr. 2744; Bazin 1988, Fig. 6; Mahon/Turner 1989, Nr. Turner/Plazzotta 1991, App. Nr. 35; A.K. Washington 1992, Nr. 16) zeigt die junge noch in einem Buch lesend. Weitere Studien zur Ausstattung des Casino Ludovisi in Windsor (lnv. Nr. 2814, 2692, 2608; Mahon/Turner 1989, Nr. 16-18), in der Sammlung Thomas Ashby des Vatikan (Mahon/Turner 1989, p. 10, Kommentar zu Nr. 19, Fig. 3, 4), in der Sammlung Sir Denis Mahon des Ashmolean Museum in Oxford (A.K. Bologna 1968, Nr. 79, 81, 83), in den Courtauld Institute Galleries (Witt Collection Inv. Nr. 1328; A.K. Bologna 1968, Nr. 78), im Cleveland Museum of Art (Duddey P. Allen Fund Inv. Nr. 25.1188; S. Zuffi, Guercino, Mailand 1991, p. 9, Abb.). Im Louvre befindet sich eine Skizze für den Tithonos des ,,Aurora"-Freskos (Inv. Nr. 6920bis; A.K. Le Guerchin en France (bearb. v. S. Loire), Paris (Pavillon de Flore) 1990, p. 98, Nr. 33), der in einer Studie im Metropolitan Museum in New York (Inv. Nr. 1970.168 (08.227.29); Bean 1979, Nr. 237; W. M. Griswold, Guercino, in: The Metropolitan Museum of Art Bulletin, Frühjahr 1991, p. 27, Fig. 25; A.K. Bologna 1991 (1992), Nr. 28) weiter ausgeführt ist.

zitiert aus: Veronika Birke, Janine Kertész, Die italienischen Zeichnungen der Albertina. Generalverzeichnis, II, Wien/Köln/Weimar 1994, S. 1202, Nr. 2298.

1621 wurde Guercino von seinem Gönner #Alessandro Ludovisi, Erzbischof von Bologna, der im Februar dieses Jahres als Gregor XV. den päpstlichen Stuhl bestiegen hatte, nach Rom berufen. Wenige Tage vor der Ankunft des Künstlers hatte der Neffe und zugleich die rechte Hand des Papstes, #Ludovico Ludovisi, ein Gartencasino auf dem Pincio erworben, das später unter dem Namen Casino dell'Aurora Berühmtheit erlangen sollte. Der Auftrag für die Dekoration der Haupträume erging an Guercino und an den römischen Maler #Agostino Tassi, der die Architekturperspektiven ausführte. Noch innerhalb des Jahres 1621 war die Arbeit vollendet. In der Lünette rechts unterhalb des berühmten Deckenbildes der Aurora erscheint die Personifikation der Nacht, die Guercino u. a. mit der Vorzeichnung in der Albertina vorbereitet hat. Auf dieser Rötelstudie hat die Frauengestalt ihren Kopf nachdenklich auf die Hand gestützt oder schläft möglicherweise. Der Künstler verlieh der Figur eine blockhafte Geschlossenheit und Monumentalität, die vermutlich auf die Auseinandersetzung mit der römischen Kunst zurückzuführen ist, durch die seine Figuren mehr Fülle und Plastizität erhalten haben. Entfernte Vorbilder könnten hier #Michelangelos Sibyllen in der Sixtinischen Kapelle oder #Raphaels Tugendallegorien in der Stanza della Segnatura gewesen sein. Man hat zudem auf eine Anregung von #Dürers Stich der Melancholie hingewiesen.
Gewiss kannte Guercino die Beschreibung der "Nacht" in der "Iconologia" von #Cesare Ripa (Ausgabe Padua 1618), der zufolge die Frauengestalt mit zwei schlafenden Kindern wiedergegeben ist. Im 16. Jahrhundert hatten italienische Humanisten die Beschreibung einer Darstellung der "Nacht" des griechischen Geschichtsschreibers #Pausanias wiederentdeckt. Dieser antiken literarischen Quelle zufolge erscheint sie als Mutter zweier Kinder, die den Schlaf und den Tod repräsentieren. Guercino folgt dieser wiederbelebten Tradition, wobei die allegorische Gestalt in der "Iconologia" zwei Flügel hat und ihre beiden Kinder gemäß der Angabe bei Pausanias in den Armen hält, wohingegen sie in dem Lünettenbild ohne Flügel erscheint und die Knaben auf dem Boden liegen. Gemäß anderen antiken Schilderungen (Hesiod und Parmenides) hat die "Nacht" ein Haus an den Randgefilden der Welt, in der Nähe des Hades, wohin sie sich begibt, wenn der Sonnengott ausfährt (vgl. Borchhardt-Birbaumer 2003, S. 103). In Guercinos Wandgemälde haust sie demzufolge in einem grottenartigen finsteren Raum, dessen Tonnengewölbe aufgebrochen ist und den Blick auf den Nachthimmel freigibt. Der ruinöse Zustand dieser Architektur ist bereits auf der Zeichnung angedeutet. Guercino hat somit verschiedene Bildvorlagen und Textquellen auf neuartige und individuelle Weise verbunden und dabei die bedeutendste Darstellung dieses Themas in der italienischen Malerei geschaffen (von Einem 1958, S. 19).

vgl. Achim Gnann, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 107.

Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1891, SB 357
  • Stix 1941, 224
  • Birke/Kertész II
  • Bibliography
  • A.K. Bologna 1968, Nr. 85
  • Koschatzky/Oberhuber/Knab 1971, Nr. 75
  • G. Bazin, Le mythe d'Eòs, in: Gazette des Beaux-Arts, Juli/August 1988, p. 15, Fig. 7
  • Mahon/Turner 1989, p. 11, Kommentar zu Nr. 19
  • N. Turner/C. Plazzotta, Drawings by Guercino from British Collections, London 1991, p. 65, Kommentar zu Nr. 35
  • Birke 1991, p. 138, Abb. 169
  • A.K. Guercino. Drawings from Windsor Castle (bearb. v. N. Turner), Washington (National Gallery) 1992, p. 52, Kommentar zu Nr. 16
  • A.K. Il Guercino 1591-1666. Disegni (bearb. v. D. Mahon) Bologna (Museo Civico Archeologico) 1991 (1992), p. 62, Kommentar zu Nr. 30
  • Schröder 2008, Nr. 107 (A. Gnann)
  • Guercino. L'Era Ludovisi a Roma, Ausst. Kat. bearb. v. Raffaella Morselli und Caterina Volpi, Rom, Scuderie del Quirinale, 2024-2025, Kat. Kat. 39
  • Provenance
  • Kaiserliche Hofbibliothek
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/24897/allegorie-der-nachtImage Request
    Last edited08.05.2026

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