Studienblatt. Über einem Säulensockel neben einer Bogenarchitektur zwei Aktfiguren mit am Rücken gefesselten Händen (?); dahinter ein Dritter
Francesco Mazzola, gen. il Parmigianino
um 1522-1523
Oberhuber schlug eine Datierung in die vorrömische Zeit vor.
zitiert aus: Veronika Birke, Janine Kertész, Die italienischen Zeichnungen der Albertina. Generalverzeichnis, III, Wien/Köln/Weimar 1995, S. 1508, Nr. 2699.
Das kleine, skizzenhaft ausgeführte Blatt war neben einem anderen das einzige unter den Zeichnungen der Albertina, das L. Fröhlich-Bum als Original Parmigianinos akzeptiert hat.
Es vereint Studien unterschiedlicher Art, darunter drei männliche Aktfiguren, von denen der Körper des vorderen vom antiken Torso vom Belvedere inspiriert ist, den Parmigianino vielleicht durch eine Kopie kannte. Das Postament mit dem Ansatz einer Säule, der Torbogen und der Haarschopf einer vermutlich herabblickenden Gestalt im unteren Bereich könnten vielleicht Fragment einer Studie für eine Geburtsszene sein, wie diese etwa Parmigianinos Gemälde einer Anbetung Christi in Privatbesitz zeigt (Vaccaro 2002, Nr. 7). Dieser Vorschlag muss allerdings Hypothese bleiben.
Zeichnungen mit Kritzeleien dieser Art sind ein typisches Beispiel für eine der Zeichenweisen Parmigianios, der ähnlich wie Leonardo die unterschiedlichen Ideen, die ihm durch den Kopf geschossen sind, auf einem Papier festgehalten hat. Wie so häufig befanden sich die Studien wohl ursprünglich auf einem größeren Blatt, das zertrennt wurde, um zu Verkausfzwecken mehrere kleine Zeichnungen zu erhalten. Leider konnte man andere, einst zu dem Blatt gehörende Fragmente bislang nicht ausfindig machen.
Im Unterschied zu der Darstellung des armen Lazarus (Albertina Inv. 2689), bei dem der Umriss die Figur kompakt umschließt, ist die Linie in diesem Blatt feiner vibrierender, fast krakelig, wodurch es dem Künstler gelingt, den Figuren eine größere Lockerheit zu geben und sie in die Umgebung hineindrehen zu lassen. Das Licht betont nicht mehr das Kompakte der Formen, sondern streift frei über die Oberfläche und löst die Umrisse an manchen Stellen nahezu auf. Im Schatten verbinden die Schraffuren die Körper mit der Umgebung und setzen sie nicht mehr vom Grund ab. All dies spricht für eine etwas spätere Entstehungszeit gegenüber dem zuvor erwähnten Blatt. Gleichwohl liegt eine Datierung der Zeichnung in die frühe Parmaer Zeit, möglicherweise um 1522-1523, nahe.
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