Martino Rota, Die büßende Magdalena, Inv. Nr.: 8120
Die büßende Magdalena
Martino Rota, Die büßende Magdalena, Inv. Nr.: 8120
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Die büßende Magdalena

Martino Rota




Künstler:in (Sebenico (Dalmatien) um 1520/32 - 1582/83 Wien)
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesKreide, Feder, laviert, weiß gehöht
Dimensions26,8 x 19,4 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number8120
Inscribedrechts unten alte Federschrift "F. Zuccaro".
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Martino Rota (Sibenica, Dalmatien 1530/40-Prag 1582/83) ist ein schwer fassbarer Künstler, da die Angaben zu seinem Leben stark variieren (vgl. D. Lamberti, Martino Rota, incisore sebenicense, in: Archivio Storico per la Dalmazia 1927, Fasc. 12, März, p. 29ff; ders., Martino Rota: Appunti iconografici, ebd. 1927, Fasc. 13, April, p. 123ff; ders., Alcuni disegni sconosciuti di Martino Rota, ebd. 1930, Fasc. 57, Dezember, p. 419ff). Ausgehend von der Zeichnung, die eine ältere Schrift "F. Zuccaro" trägt und sich stilistisch in das manieristische Ambiente der Mitte des 16. Jahrhunderts fügt, ist festzuhalten, dass vier verschiedene Kupferstiche diesen Bildentwurf aufnehmen: (1) Ein einzelnes Exemplar "ante letteram" im Istituto Nazionale per la Grafica in Rom (Inv. F.N. 1501 (35215) F. Pio, vol.XI; A.K. Rom 1976, Nr. 56) zeigt Maria Magdalena wie in der vorliegenden Zeichnung. Links ist eine noch unbezeichnete Inschriftentafel und rechts im Vordergrund ein leeres Schriftfeld (als Stein) hinzugefügt. Zu Füßen der Magdalena steht ein Salbgefäß, das in der Zeichnung fehlt. Dieses Einzelstück in Rom ist Giovanni Battista Fontana (1525-1587) zugeschrieben. Bartsch erwähnt dieses Blatt nicht. (2) Ein in den Details wie der Schrifttafel übereinstimmender Kupferstich, mit "Martinus Rota Sibenicensis" bezeichnet und die Schrifttafel links mit einer Widmung an Giovanni Delfino (geb. 1545) versehen, der als Gesandter Venedigs beim Heiligen Stuhl wirkte, später Prokurator von S. Marco in Venedig und 1604 zum Kardinal erhoben wurde (G. Moroni, Dizionario di Erudizione Storico-ecclesiastico, Venedig 1893, XIX, p. 216). Wie die Schrift unter dem Stich aussagt, wurde das Blatt (B.XVI, p. 258, Nr. 24; TIB 33, p. 32) bei "Claudii Ducheti 1570" (Claudio Dughet, vgl. F. Ehrle, Roma prima di Sisto V, Rom 1908, p. 5-7) verlegt. Duchet oder Dughet war der Erbe des Verlages, den A. Lafrery seit 1552 gemeinsam mit A. Salamanca in Rom geführt hatte. 1577 verließ er Rom und ging nach Sizilien. (3) Dieselbe Darstellung, allerdings ohne Schrifttafellinks und Schriftstein im Vordergrund, zeigt ein Kupferstich des Cornelis Cort (1533-1578). Das Exemplar des Istituto Nazionale per la Grafica in Rom (Inv. Nr. F.N. 1502 (35216) F. Pio, vol. XI; A.K. Rom 1976, Nr. 31) trägt die Schrift "Te gelidas memoris G. comas frondentis, et inter / ... /Romae ex Typis Ant. 1 D. Salamanca", ist aber nicht datiert. Antonio D. Salamanca ist einer der beiden Söhne des älteren Verlegers Antonio' Salamanca (1538-tätig 1562), der nach dem Tod des Vaters die Geschäfte neben Lafrery weiterführte. Seine Adresse datiert den Druck des Kupferstiches nach 1562. Da sich Cornelis Cort nach Bierens de Haan 1566 in Rom niederlässt, ist die Entstehung der büßenden Magdalena wohl Ende der sechziger Jahre anzunehmen. (4) Eine weitere Version der büßenden Magdalena scheint jener Kupferstich zu sein, der sich im Kupferstichkabinett in Dresden befindet und von Bierens de Haan unter Nr.144 bereits als "Cort (?)" angezweifelt wurde. Als einzige der verschiedenen Versionen ist dieser Variante ein schmales Kreuz als Attribut der Magdalena beigefügt. Unter der Darstellung der gleiche Text wie im Cort'schen Stich, doch ohne Künstler und ohne Verlegeradresse. Auch Bierens de Haan hält an dem Gerücht fest, die Darstellung fuße auf einer Erfindung Tizians (J.-A. Crowe/G. Cavalcaselle, Tizian, Leipzig 1877, p. 803; Bierens de Haan Nr. 144), die - in die "Schwarzkunst", d.h. Schabkunst übertragen mit der Verlegeradresse "G. Valck exc." versehen wurde. Ob diese Darstellung der Cort'schen bzw. Rota'schen Wiedergabe entspricht, bleibt an dieser Stelle unüberprüft. Angenommen, das Schabblatt entspräche nicht, dann scheint doch die Albertina- Zeichnung als nächstes Vorbild in Frage zu kommen. Die beiden Stiche Corts und Rotas entstanden sehr wahrscheinlich während sich die Künstler in Rom aufhielten, Cort seit 1566, Rota möglicherweise bereits seit etwa 1564. Vgl. dazu: A.K. La Sistina riprodotta (bearb. v. A. Moltedo), Rom (Calcografia) 1991, p. 99-103. Federico Zuccaro, möglicherweise Lieferant des Entwurfes, hingegen ist 1564 in Venedig (Cappella Grimani) und kehrt 1566 nach Rom zurück. Daher ist nicht auszuschließen, daß eine Erfindung Tizians - auch wenn kein entsprechendes Gemälde bekannt ist - über Zuccaro vermittelt wurde. Ein Jahr später, 1567, stach Cort nach Zuccaros Vorbild die "Beweinung Christi", die ebenfalls bei Antonio D. Salamanca in Rom erschien (Bierens de Haan Nr. 89; Le Blanc 78; TIB 52, p. 107). Eine schwache Zeichnungskopie bewahrt das Istituto Nazionale per la Grafica in Rom (Inv. Nr. F.C. 124977; A.K. Rom 1989, Nr. 128). Vermutlich liegt der Annahme, Tizian sei das Vorbild gewesen, eine Verwechslung zugrunde. In der Biblioteca Apostolica im Vatikan befindet sich ein seitengleicher Kupferstich Martino Rotas (Stampe V,42, Nr. 27), der, wie ein weiterer Stich Cornelis Corts (Bierens de Haan Nr. 143; TIB 52 Supplement, p. 167), das Vorbild Tizians, das Gemälde der büßenden Maria Magdalena in Vorderansicht, im Museo di Capodimonte in Neapel (Inv. Nr. Q136; A.K. I Farnese. Arte e Collezionismo (bearb. v. L. Fornari Schianchi, N. Spinosa et al.), Colorno bei Parma (Palazzo Ducale) u.a.O. 1995, Nr. 33) wiedergibt.

zitiert aus: Veronika Birke, Janine Kertész, Die italienischen Zeichnungen der Albertina. Generalverzeichnis, III, Wien/Köln/Weimar 1995, S. 1697, Nr. 8120.

Catalogue raisonné
  • Stix 1926, 132a (Nachtrag im Albertina-Exemplar)
  • Birke/Kertész III
  • Bibliography
  • gest. von M. Rota, 1570 (Le Blanc 29
  • B.XVI, p. 258, Nr. 24
  • TIB 33 (16), Nr. 24
  • M. Pelc, Martino Rota, Zagreb 1997, p. 251 und C. Cort (Le Blanc 120
  • Hollstein V, p. 54, Nr. 144
  • Bierens de Haan Nr. 144
  • M. Catelli Isola, Immagini da Tiziano. Stampe dal sec. XVI al sec. XIX, Rom (Farnesina) 1976, Nr. 31
  • TIB 52, p. 168) sowie (1) und (4) des Kommentars - L. Donati, Martino Rota, in: Archivio Storico per la Dalmazia 1928/29, 34, p. 490
  • AR. Venedig 1961, Nr. 59
  • Fiocco 1961, p. 320
  • AR. Zeichnung in Deutschland. Deutsche Zeichner 1540-1640 (bearb. v. H. Geissler), Stuttgart (Staatsgalerie) 1979/80, I, p. 86, C 2
  • AR. Rom 1989, p. 172, Kommentar zu Nr. 128.
  • M. Pelc, Martino Rota, Zagreb 1997, p. 251
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
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    Last edited18.06.2013