Giulio Romano, Die Hochzeit von Peleus und Thetis, Inv. Nr.: 14191
Die Hochzeit von Peleus und Thetis
Giulio Romano, Die Hochzeit von Peleus und Thetis, Inv. Nr.: 14191
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Die Hochzeit von Peleus und Thetis

Giulio Romano

um 1531-1534




Künstler:in (Rom 1499 - 1546 Mantua)
Dateum 1531-1534
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Braun, braun laviert, über Vorzeichnung in schwarzer Kreide, Quadrierung in schwarzer Kreide; im rechten Drittel ein Papierstück angesetzt
Dimensions25,7 x 57,5 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number14191
Inscribedr.u. "Giulio 117" (in Feder); l.o. Reste einer abgeschnittenen Nummer (in Feder)
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Im nordöstlichen Areal des Palazzo del Te befindet sich das so genannte Appartement des Giardino segreto, ein kleiner Gartenpavillon, in den sich #Federico II. Gonzaga zurückziehen und meditieren konnte und in dem später - um 1600 - eine kühlende Grotte errichtet wurde. Zum Privatgarten öffnet sich eine dreijochige Loggia, deren Tonnengewölbe und die unterhalb angrenzenden Lünetten mit Darstellungen menschlicher Tätigkeiten und Szenen dekoriert sind, die allegorisch auf den schicksalhaften Verlauf des Lebens deuten. Die Wände der Loggia schmücken dagegen Grotesken, in die Medaillons mit bacchischen Motiven eingelassen sind (zwei Vorzeichnungen hierfür im Louvre; AK Paris 1983/84 a). An der durch Pilaster gegliederten Rückwand ist der mittlere Abschnitt besonders hervorgehoben durch ein querrechteckiges Fresko, das die "Hochzeit von Peleus mit der Nereide Thetis" zeigt. Zu diesem hat sich die prachtvolle Vorzeichnung in der Albertina erhalten, die wohl zur Übertrag auf den Karton bereits quadriert ist. Giulios Gehilfe #Anselmo Guazzi hat in der Ausführung die Vorlage allerdings um etwa ein Drittel verlängert und dadurch die harmonische Geschlossenheit der Komposition aufgegeben (vgl. Hartt 1958, Bd. 2, Abb. 284). In dieser ist das Brautpaar im Zentrum hervorgehoben, um die sich verschiedene Meerwesen tummeln: eine Nereide schmiegt sich an den Rücken eines Tritons, eine andere begleitet mit ihren hell klingenden Zimbeln die Hochzeitsmusik, die zwei Seekentauren mit Harfe und Panflöte erklingen lassen. Das Paar selbst sitzt auf einem Seeross, das von einem Triton mit Dreizack am Zaumzeug geführt wird. Auf dessen Schwanz steht  Amor und hält einem Kranz über das Haupt der Braut. An der Spitze reitet Hymenäus über die See mit empor gehaltener Fackel.
Als Meister der Darstellung flächenparalleler Handlungsabläufe verleiht Giulio diesem marinen Zug durch die sich allmählich auflösende Zusammenballung der Figuren und die sich biegenden Leiber der Meerestiere eine Vorwärtsdynamik, die zugleich den wogenden Rhythmus des Wellenschlags anklingen lässt. An den abweichenden Linien der Vorzeichnung in schwarzer Kreide ist zu erkennen, dass die genaue Lage einiger Details, wie des Dreispitzes oder eines der beiden Zimbeln in der Ausführung mit Feder und Lavierung noch verändert wurde. Giulio hat den Hintergrundraum vollkommen weggelassen und auch durch die Schattierung der Zwischenräume der Darstellung das Aussehen eines Reliefs gegeben. Er ließ sich hierbei offensichtlich von antiken Sarkophagreliefs mit Meereswesen anregen, von denen in Rom etwa ein Exemplar in Santa Maria in Aracoeli und eines in San Francesco a Ripa spätestens seit dem Ende des 15. Jahrhunderts bekannt waren (Bober/Rubinstein 1987, Nr. 99, 103). Diese Seethiasoi waren für den Künstler wegen der spezifischen Motive vorbildlich, da in einigen von ihnen Meereshochzeiten dargestellt sind. Gegenüber der "Jagdszene mit Eber, Hirschen und Hasen" aus der Zeit um 1527 (Inv. 338) mit ihrem flackernden Helldunkel und den scharf konturierten Körpern fällt in dieser Zeichnung eine zartere Modellierung und eine stärkere Zusammendrängung der Figuren auf. Die Gliedmaßen der Figuren wirken nun weich und dicklich und sind in ihren Bewegungen elastischer und stärker geschwungen. Dies spricht für eine spätere Datierung des Wiener Blattes, für das K. Oberhuber (AK Mantua 1989, S. 363) eine Entstehung in den frühen dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts annimmt. Aus dieser Zeit (1531-1534) sind auch Dokumente erhalten, die sich auf die dekorative Ausgestaltung des Appartements des Giardino segreto beziehen.

Michelangelo und seine Zeit, Meisterwerke der Albertina, Wien/Bilbao 2004/05, Abb. 71, S. 178.

Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1892, SR 396
  • Stix 1932, 99
  • Birke/Kertész III
  • Bibliography
  • Bartsch 1794, S. 15, Nr. 17
  • Hartt 1958, S. 143, 298, Nr. 186a und S. 305, Nr. 396
  • AK Mantua 1989, S. 363 (K. Oberhuber)
  • AK Wien 1989/90, IV, Nr. 32: AK Albertina/Venedig/Bilbao 2004/05, Nr. 71 (A. Gnann)
  • Provenance
  • Prinz Charles de Ligne
  • Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/25826/die-hochzeit-von-peleus-und-thetisImage Request
    Last edited08.01.2024