Paolino Girgenti, Die Stärke des Mannes, Inv. Nr.: 14314
Die Stärke des Mannes
Paolino Girgenti, Die Stärke des Mannes, Inv. Nr.: 14314
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Die Stärke des Mannes

Paolino Girgenti

1788




Künstler:in (erstmals erwähnt 1790 - nach 1819/20 Neapel)
Date1788
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesPinsel in Braun
Dimensions55,5 x 71,8 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number14314
Inscribedlinks unten in Feder 'Wilh. Tischbein inv.t & pin.t Romae 1787. / Paulinus Girgenti delin.t Neap.i 1788'.
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Die Ikonographie im Sinne der Aufklärung auch Vernunftbild genannt. Zwei Männerakte in Rückenansicht reiten durch eine Felslandschaft, der eine (der reife Mann) einen erlegten Löwen nachziehend, der andere (der Jüngling) mit einem toten Adler als Beute am Rücken

Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829) traf 1783 zum zweiten Mal in Rom ein, wo er 1786 Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) kennenlernte, der am 7. November 1783 (Italienische Reise, I) folgende Eintragung machte: "Dann hatte er auf einem höchst merkwürdigen Blatte den Mann zugleich als Pferdebändiger und allen Tieren der Erde, der Luft und des Wassers, wo nicht an Stärke, doch an List überlegen dargestellt. Die Komposition ist außerordentlich schön, als Ölbild müsste es eine große Wirkung tun. Eine Zeichnung davon müssen wir notwendig in Weimar besitzen." Diese Textstelle bezieht sich auf eine Komposition Tischbeins, wie sie seine "W. Tischbein Rom 1786" signierte und datierte Zeichnung in der Nationalgalerie in Berlin wiedergibt (A.R. The Romantic Spirit. German Drawings 1780-1850 from the Nationalgalerie Berlin and the Kupferstich-Kabinett Dresden (bearb. v. G. Riemann et al.), New York (Pierpont Morgan Library) 1988/ 89, Nr. 1). Goethes Eintragung spricht von dem Wunsch nach dem Erwerb einer solchen Zeichnung. Eine undatierte Zeichnung Tischbeins in Goethes Kunstsammlung, heute im Goethe-Schiller-Archiv in Weimar, spricht für die Erfüllung dieses Wunsches (A.K. Wilhelm Tischbein. Handzeichnungen, Dessau 1958, Nr. 14; M. Oppel, Johann Heinrich Tischbein. Zeichnungen aus Goethes Kunstsammlungen, Weimar 1991, Nr. 33, Abb.). 1897 Vermutlich hatte Tischbein bald nach dem Entwurf auch ein heute verlorenes Gemälde ausgeführt, auf das sich die vorliegende Nachzeichnung Paolino Girgentis bezieht, die Tischbeins Bild mit 1787 und seine eigene Nachzeichnung mit 1788 datiert. Eine aquarellierte Zeichnung Tischbeins im Landesmuseum Oldenburg (Inv. Nr. LMO 8.179; A.K. Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 1751-1829 (bearb. v. W Müller-Wulckow et al.), Oldenburg (Landesmuseum) 1930, Nr. 282, Fig. 21; H. Mildenberger, J. H. W Tischbein (1751-1829), Neumünster 1986, p. 220, Nr. 65; H. Mildenberger, J. H. W Tischbein. Historienmalerei und niedere Bildgattungen vereint im Dienst monarchischer Restauration, in: Idea VIII, 1989, p. 881, Fig. 5), die "Neapel 1790" datiert ist, wiederholt die von Girgenti erfasste Komposition. Spätere Fassungen Tischbeins variieren die Landschaft, etwa eine 1613 datierte, grau lavierte Zeichnung in Hamburger Privatbesitz (Mildenberger 1986, Nr. 66) sowie Blätter im Kestner Museum in Hannover (Inv. Nr. PM Hz 757; H. Wille, Kestner Museum. Handzeichnungen II. Deutsche Zeichnungen 16.-18. Jahrhundert, Hannover 1967, Nr. 107, Taf. 34) und im Landesmuseum Oldenburg (lnv. Nr. LMO 15:125; Mildenberger 1986, Nr. 67) sowie im Kunsthandel (Kat. Thomas Le Claire, Handzeichnungen und Aquarelle 1500-1900, Hamburg 1987, Nr. 45, Abb.). Der Auftrag Herzog Peter Friedrich Ludwigs von Oldenburg, für den Weißen Saal der herzoglichen Residenz in Oldenburg Gemälde zu schaffen, ermöglichte es Tischbein, das Sujet als Gemälde (306 x 427 cm) auszuführen (Inv. Nr. LMO 13638; F. Landsberger, Wilhelm Tischbein. Leipzig 1908, p. 203, Nr. 171, Abb.; Mildenberg 1986, Nr. 68, Abb.; H. W Keiser, Des Mannes Stärke und andere Bilder für das Schloss zu Oldenburg, Oldenburg 1973). Um Goethe über diese Ausstattung in Kenntnis zu setzen, fertigte Tischbein eine Folge von Zeichnungen an, die Goethe kommentierte, die aber seit 1940 verschollen sind. Eine vermittelnde Rolle kommt der illustrierenden Radierung Tischbeins nach diesem Gemälde zu (vgl. Exemplar in der Kunsthalle in Hamburg (Nr. 54908; nicht bei Andresen; J. H. W Tischbein, Eselsgeschichte (hrsg. von G. Reindl-Scheffer), Oldenburg 1987, p. 62, Abb. 24). Das Thema wird von Tischbein selbst in Worte gefasst (Eselsgeschichte, 1987, p. 62) und sollte verdeutlichen, wie der Mensch mit Hilfe der Vernunft zum Herrscher über die Geschöpfe der Natur wird. Die "Unterlegenheit" der Tiere des Wassers, des Landes und der Luft wird durch ihren Tod verdeutlicht. Zur Bildidee vgl. auch Tischbeins Autobiographie (W Tischbein, Aus meinem Leben (hrsg. v. L. Brieger), Berlin 1922, p. 239).


zitiert aus: Veronika Birke, Janine Kertész, Die italienischen Zeichnungen der Albertina. Generalverzeichnis, III, Wien/Köln/Weimar 1995, S. 1897, Nr. 14314.

Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1892, 1590
  • Birke/Kertész III
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/25900/die-starke-des-mannesImage Request
    Last edited05.09.2013

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