Die Schlacht zwischen Scipio und Hannibal bei Zama
Anonym
Wie die folgenden beiden Zeichnungen (Inv. 14199, 14200) und Albertina Inv. 451 (Birke/Kertesz I, p. 255-256) steht dieses Blatt mit den Wandteppichen in Zusammenhang, die Franz I., König von Frankreich, 1532 in Auftrag gab und die 1535 fertiggestellt waren. Die 22 kostbaren Gobelins hatten eine Gesamtlänge von 143 m und eine Fläche von 680 m2 und kosteten über 50 000 livres. Die Serie wurde in der Französischen Revolution 1797 zur Rückgewinnung ihrer Silber- und Goldmetallfäden zerstört. 1544 erwarb Maria v. Ungarn, 1531-1555 Statthalterin der Niederlande, Brüsseler Tapisserien aus diesem Themenkreis, die sich heute im Palacio Real in Madrid befinden (Serie 26.I-VII, Serie 27.I-VI, Serie 28.I-VI; P. Junquera de Vega/C. Herrero Carretero. Catalogo de Tapices deI Patrimonio Nacional, Volumen I: Siglo XVI, Madrid 1986, p. 176ft). Eine Kopie der Teppichserie Franz I. mit seitenverkehrten Darstellungen war um 1557/59 für Jacques d'Albon, Seigneur de Saint-André, Maréchal de France, der 1562 in der Schlacht von Dreux starb, in Brüssel gefertigt worden. Mit dem Nachlass Kardinal Mazarins an die französische Krone gelangt, wurden diese Tapisserien 1688/1690 als Arbeitsbeschaffung für die Gobelin-Manufaktur in Paris dort nochmals kopiert, und diese Kopien, nun wieder seitengleich mit den ursprünglichen Darstellungen für Franz I., haben sich im Louvre erhalten (die entsprechende Szene: Inv. Nr. OA5394; A.K. Paris 1978, XIII.4). Vier der originalen Stücke für Jacques d'Albon befinden sich heute in der Sammlung R. Hearst in San Simeon, Kalifornien, ein Fragment der "Eroberung von Karthago" im Cincinnati Art Museum in Cincinnati, Ohio. Weitere Serien befinden sich im Palazzo deI Quirinale in Rom und im Kunsthistorischen Museum in Wien (Junquera de Vega/Herrero Carretero 1986, p. 176), Wiederholungen einzelner Darstellungen bei Junquera de Vega/ Herrero 1986. Zur Geschichte der Teppiche vgl. auch A.K. Paris 1978, p. 5-10. Die verschiedenen erhaltenen Zeichnungen zu und nach dieser Serie von Szenen über die Taten und die Triumphe Scipios als auch die Kupferstiche von Cornelis Cort gehen auf Erfindungen Giulio Romanos zurück. Der Entwurf Giulio Romanos zur vorliegenden Darstellung wurde 1871 in der Sammlung E. Gatteaux in Paris zerstört, jedoch exisitiert in der Bibliothèque Nationale in Paris davon eine Photographie (Bb 14b, fol. 33; A.K. Rom 1993, p. 206, Fig. 101). S. Massari fasst im A.K. Rom 1993, Nr. 192 die Aspekte zu der vorliegenden Darstellung im Hinblick auf C. Corts Kupferstiche zusammen. In unmittelbarem Zusammenhang mit der verlorenen Vorlage Giulio Romanos zur "Schlacht von Zama" stehen eine Zeichnung im Louvre (lnv. Nr. 3718; A.K. Paris 1978, XIII.3; A.K. Mantua 1989, p. 91, Abb; A.K. Rom 1993, p. 206, Fig. 100) und eine Variante dieser Darstellung, ebenfalls im Louvre (Inv. Nr. 3717; A.K. Paris 1978, XIII.2; A.K. Rom 1993, p. 205, Fig. 99). Die Albertina-Zeichnung ist eine Kopie nach Giulios Erfindung, ebenso die Kopie im Louvre (lnv. Nr. 13539; A.K. Paris 1978, XIII.3; A.K. Rom 1993, p. 206). Kopien und Varianten des Sujets "Schlacht von Zama" befinden sich ferner in Christ Church in Oxford (Inv. Nr. 1545; Byam Shaw 1976, Nr. 375) und in der Walker Art Gallery in Liverpool (Inv. Nr. LL 3051). Die linke Bildhälfte war auf einer Kopie bei Christie's. Vgl. auch Albertina Inv. 14187, wo die Figuren der linken unteren Bildhälfte wiedergegeben sind. Als einzige eigenhändige Studie Giulio Romanos in diesem Zusammenhang gilt die Zeichnung mit vier Elefantenköpfen im Ashmolean Museum in Oxford (Parker 1956, Nr. 590; A.K. Mantua 1989, p. 262, Abb.). Das Vorbild für den Elefanten war jenes berühmte Tier namens Anone, das Papst Leo X. de'Medici im Jahre 1514 von König Manuel I. von Portugal zum Geschenk erhalten hatte (A.K. Mantua 1989, p. 263). G. B. Franco variierte die Elefanten in einer Radierung (B.XVI, p. 145, Nr. 80; TIB 32, p. 236), ebenso Enea Vico in seinem "Speculum Romanae Magnificentiae", Tabula 111: ,,Animalium ex vetustissimis picturis Romae tractorum" (A.K. Rom 1993, p. XXII, Tav. 12).
zitiert aus: Veronika Birke, Janine Kertész, Die italienischen Zeichnungen der Albertina. Generalverzeichnis, III, Wien/Köln/Weimar 1995, S. 1844, Nr. 14198.
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