Das Kenotaph der Erzherzogin Marie Christine in der Augustinerkirche in Wien
Antonio Canova
um 1800
Erste Entwurfszeichnung Canovas für das Monument Erzherzogin Marie Christines (1742-1798), der Gemahlin Herzog Alberts von Sachsen-Teschen (1738-1822). Marie Christine war am 23. Juni 1798 verstorben. Antonio Canova war im Gefolge des Fürsten Abondio Rezzonico wenig später in Wien angekommen, um, nachdem Venedig 1797 unter österreichische Oberhoheit gefallen war, von Kaiser Franz die Bestätigung der Leibrente zu erbitten, die ihm von der Republik Venedig für die Errichtung des Emo-Monumentes zugesichert worden war. Mit Brief vom 13. November 1798 sandte Canova diesen ersten Entwurf an Herzog Albert. Canova hatte die Idee seines Entwurf für das Tizian-Monument, der durch den Tod des Auftraggebers Girolamo Zulian im Jahr 1795 liegen geblieben war, aufgegriffen und unterbreitete ihn nun dem neuen Auftraggeber. Antonio Canovas Entwurf für das Monument für Tizian befindet sich im Museo Correr in Venedig (Krasa 1967/68, p. 86, Abb. 2). Er zeigt, dass bis auf die stehende Figurengruppe die Komposition für Wien zunächst nicht verändert wurde - selbst die Wandgliederung ist ident. Auf Herzog Alberts Wunsch erfolgten Änderungen in der Ikonographie des Monumentes. Der an die Wünsche des Auftraggebers angepasste zweite Entwurf Canovas (Inv. 14391), der eine gotisierende Wandgliederung und die etwas veränderte Gruppe mit dem Löwen am Eingang in die Pyramide zeigt, dürfte wenig später gefolgt sein. Der Vertrag wurde am 25. Februar 1800 geschlossen (Museo Civico, Bassano del Grappa; Krasa 1967/68, p. 80). Zahlreiche Skizzen und Studien im Zusammenhang mit dem Denkmal im Museo Civico in Bassano del Grappa und in einem Skizzenbuch Canovas in der Biblioteca Comunale in Cagli (Inv. Nr. D 21; Krasa 1967/68, p. 71, Anm. 23; Praz/Pavanello 1976, Kommentar zu Nr. 134). Canova begann mit der bildhauerischen Arbeit im September 1800 und führte sie weitestgehend in Rom aus. 1805 wurde das Christinen-Monument in der Augustinerkirche in Wien, die an das Palais Herzog Alberts unmittelbar angrenzt, aufgestellt. Die Entstehungsgeschichte bei Krasa 1967/68, p. 67-134, die Umstände des Transportes und der Aufstellung des Monumentes mit der Assistenz von Domenico del Frate bei O. Michel, Domenico del Frate dessinateur et fresquiste meconnu, in: Colloqui del Sodalizio, 2. Serie 7-8, 1980-1984, p. 143-151. Noch vor der Errichtung des Denkmals wollte Albert, wie er in einem Brief vom 10. Mai 1800 schrieb, Canovas Werk in Kupfer stechen lassen. Das Gipsmodell war im Spätsommer 1800 fertig (Krasa 1967/68, p. 82-83). Domenico del Frate fertigte noch in Rom eine Zeichnung des Denkmals an (Albertina Inv. 17263) und ließ sie auf eigene Kosten von P. Bonato (mit N. Aureli und V. Feoli) in den Stich umsetzten (Albertina GSA 22004 (mit Widmung) (Neg.Alb 72932 D); Krasa 1967/68, p. 93, Abb. 28; GSA 22005 I. Zustand (ohne Widmung) (Neg.Alb 72933 D)). 1811 erwarb Canova von Domenico del Frate und Luigia Giuli diese Kupferplatte um 150 scudi (Honour 1995, p. 263, Anm. 56). Diese Wiedergabe (GSA 22004, 22005) in der Größe der Zeichnung del Frates (Inv. 17263) zeigt die Inschrift wie auf den beiden vorangegangenen Entwürfen Canovas (Inv. 14390, Inv. 14391). 2055 Das Denkmal in der Augustinerkirche hingegen zeigt eine auf drei Worte verkürzte Schrift „Uxor Optimae Alberti". Diese Änderung wurde in einer Umrisszeichnung von Jacob Merz (1783-1807) wahrgenommen, die sich auch in der Albertina befindet (Inv. 5921 (Neg.Alb 72923 D); Krasa 1967/68, p. 94, Abb. 29). Sie muss noch im Herbst 1805, kurz nach der Aufstellung des Monumentes und noch vor der Abreise Canovas aus Wien im November entstanden sein, da sie die Korrektur Canovas vermerkt. Diese Umrisszeichnung weist noch keine Inschrift auf - im Gegensatz zur ausgeführten Radierung von J. Merz (Albertina It. II, 45, fol. 3 (Neg.Alb 72930 D); Krasa 1967/68, p. 94, Abb. 30; Honour 1995, p. 263, Fig. 147). Im Auftrag Alberts wurden einige Blätter der Radierung vom Miniaturmaler Giovanni Maria Monsorno (1768-1836), der als Kammermaler Erzherzog Maximilians in Wien starb (Krasa 1967/68, p. 94, Anm. 188), koloriert (drei Exemplare in der Albertina: Inv. 6027 (Neg.Alb 72924 D); It. II, 45, fol. 1, 2 (Neg.Alb 70762 C/D, Alb 72931 D)). 1813 erschien die schon 1805 geplante Erinnerungsausgabe von Johann Melchior Birckenstock Monumentum aeternae memoriae Mariae Christinae Archaiducis Austriae a ser. conjuge Alberto Saxone Duce Tesch ... (Krasa 1967/68, p. 95-97, Anm. 194, 195), die die Tochter des Hofrates, Antonia v. Brentano, posthum herausgab. Sie war mit sechs Kupferstichen von Carl Agricola (1779-1852) (Albertina It. II, 45, fol. 5-9; Krasa 1967/68, Abb. 34, 35a-39a) illustriert. Fünf Vorzeichnungen Agricolas konnte die Albertina 1966 erwerben (Inv. 35301/1-5; Krasa 1967/68, Abb. 35b-39b; A.K. Wien 1994, Nr. 8-12 mit Abb.). Ursprünglich war Johann Peter Pichler (1765-1807) für die Illustrationen (Krasa 1967/68, Abb. 40) vorgesehen, doch sein Tod 1807 führte dazu, dass Pichlers Wiedergaben erst in der deutschen Ausgabe erschienen. Zur weiteren Rezeption in der Druckgraphik vgl. Krasa 1967/68, p. 95, Abb. 33 und p. 97ff; A.K. Wien 1994, Nr. 13. Eine Neuerwerbung der Albertina, die 1994 erstmals publizierte anonyme Elfenbeinminiatur des 19. Jahrhunderts (Inv. 41290; A.K. Wien 1994, Nr. 5) bezieht sich ebenfalls auf das bereits aufgestellte Monument, das auch in der Literatur ein breites Echo hervorrief.
zitiert aus: Veronika Birke, Janine Kertész, Die italienischen Zeichnungen der Albertina. Generalverzeichnis, IV, Wien/Köln/Weimar 1997, S. 2055, Nr. 14390.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/26026/das-kenotaph-der-erzherzogin-marie-christine-in-der-augustinImage Request