Francesco Bonsignori, Bildnis eines venezianischen Senators, Inv. Nr.: 17672
Bildnis eines venezianischen Senators
Francesco Bonsignori, Bildnis eines venezianischen Senators, Inv. Nr.: 17672
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Bildnis eines venezianischen Senators

Francesco Bonsignori

1487




Künstler:in (Verona um 1460 (?) - 1519 Caldiero)
Date1487
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze Kreide, weiß gehöht, auf bräunlichem Papier
Dimensions35,9 x 26,2 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number17672
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Nachdem Francesco Bonsignori zunächst in seiner Heimatstadt Verona als Maler tätig war, übersiedelte er wahrscheinlich um 1490 nach Mantua, wo er in den Dienst der Gonzaga trat. Als Hofmaler arbeitete er dort an der Ausgestaltung ihrer Paläste, fertigte Darstellungen von Triumphzügen, Turnierdarstellungen und Historienbilder sowie zahlreiche Porträts von den Mitgliedern der Fürstenfamilie an.
Das eindrucksvolle Brustbild eines älteren Mannes mit Mütze diente als Vorlage für ein 1487 datiertes und signiertes Gemälde von Bonsignori (National Gallery, London). Mit dem bildfüllenden Porträt in Schrägansicht folgt Bonsignori einem Typus, den u. a. #Antonello da Messina und #Giovanni Bellini vertreten haben und der in der Tradition frühniederländischer Bildnisse steht . Dabei erinnert die wuchtige skulpturale Auffassung des Kopfes, der Würde und Entschlossenheit zum Ausdruck bringt, an #Andrea Mantegnas Porträts der Gonzaga-Familie in der Camera degli Sposi in Mantua. Dieser Einfluss hat einige Autoren zu der Vermutung verleitet, Mantegna selbst könne der Autor der Wiener Zeichnung sein. Bonsignori müsste sie dann als Vorlage für sein Gemälde verwendet haben. Eine Zuschreibung an Mantegna wird durch mangelndes Vergleichsmaterial erschwert. Der Künstler hat zwar nachweislich Porträtzeichnungen angefertigt, doch ist kein entsprechendes Exemplar erhalten. Gemalte Porträtköpfe Mantegnas halten das individuelle Aussehen mit großer Klarheit fest, doch verkörpern sie zugleich einen allgemeinen Charaktertypus. Diese Konzentration auf das Wesentliche, die eine Beschreibung der Einzelheiten dem Gesamtausdruck unterordnet, ist bei der Wiener Porträtzeichnung nicht festzustellen. Die Gesichtspartien sind isoliert voneinander studiert, und das Interesse gilt in erster Linie dem Festhalten von Details, die eher äußere Anzeichen des fortgeschrittenen Alters als Kennzeichen eines spezifischen Wesenszuges wie bei Mantegna sind. Da das Bild und die Zeichnung die gleichen stilistischen Charakteristika zeigen, glauben wir, dass beide von Bonsignori stammen.

Achim Gnann, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 39.

Catalogue raisonné
  • Wickhoff 1891, SV 5
  • Stix 1926, 28
  • Birke/Kertész IV, 17672
  • Bibliography
  • J. A. Crowe/G. B. Cavalcaselle, Geschichte der italienischen Malerei (deutsch v. M. Jordan), Leipzig 1873, V, p. 505, Anm. 102
  • Meder Taf. 29
  • National Gallery London. Catalogue, London 1925, p. 27, Kommentar zu Inv. Nr. 736
  • A.K. Italian Art 1200-1900 (bearb. v. A. Venturi et al.), London (Royal Academy) 1930, Nr. 603
  • A.K. Paris 1935, Nr. 524 (als Bonsignori)
  • A.K. London 1948, Nr. 8
  • E. Tietze-Conrat, A Gonzaga portrait by Francesco Bonsignori, in: Critica d'Arte XXIX, 1949, p. 218
  • A.K. Andrea Mantegna, Mantua 1961, p. 186, Nr. 140
  • U. B. Schmitt, Francesco Bonsignori, in: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst XII, 1961, p. 84, 117, Kommentar zu Nr. 5, p. 129, Kommentar zu Nr. 29, Nr. 30, Fig. 6
  • K.O.K. 1971, Nr. 18
  • A.K. Paris 1975, Nr. 12
  • Biblioteca di Disegni IV, Nr. 36
  • F. R. Shapley, National Gallery of Art, Washington. Catalogue of the Italian Paintings, 2 Bde., Washington 1979, p. 75, Kommentar zu Inv. Nr. 600
  • F. Ames-Lewis/J. Wright, Drawings in the Italian Renaissance Workshop, London 1983, p. 284, Fig. VTE
  • Byam Shaw 1983, p. 225, Kommentar zu Nr. 222
  • L. Campbell, Renaissance Portraits. European Portrait-Painting in the 14th, 15th and 16th Centuries, New Haven/London 1990, p. 184, Anm. 91, Fig. 201
  • Birke 1991, p. 37, Abb. 33
  • A.K. Andrea Mantegna (bearb. v. J. Martineau, D. Ekserdjian et al.), London (Royal Academy) 1992, Nr. 103 (irrtümlich als Inv. 1a, 23)
  • G. Freuler, „El piu bei ritracto facesse mai Magistro Francesco". Francesco Bonsignoris wiedergefundene Porträtzeichnung des dreijährigen Federico II Gonzaga, in: Pantheon LXIV, 1996, Abb. 7, p. 50-58
  • Baker/Henry 2001, S. 49
  • Schröder 2008, Nr. 39 (A. Gnann)
  • Venezia 500. Die sanfte Revolution der venezianischen Malerei, Ausst. Kat. Hg. Andreas Schumacher, München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek, 2023-2024, Nr. 77
  • Provenance
  • Kaiserliche Hofbibliothek
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/26321/bildnis-eines-venezianischen-senatorsImage Request
    Last edited03.01.2024