Bildnis eines venezianischen Senators
Francesco Bonsignori
1487
Nachdem Francesco Bonsignori zunächst in seiner Heimatstadt Verona als Maler tätig war, übersiedelte er wahrscheinlich um 1490 nach Mantua, wo er in den Dienst der Gonzaga trat. Als Hofmaler arbeitete er dort an der Ausgestaltung ihrer Paläste, fertigte Darstellungen von Triumphzügen, Turnierdarstellungen und Historienbilder sowie zahlreiche Porträts von den Mitgliedern der Fürstenfamilie an.
Das eindrucksvolle Brustbild eines älteren Mannes mit Mütze diente als Vorlage für ein 1487 datiertes und signiertes Gemälde von Bonsignori (National Gallery, London). Mit dem bildfüllenden Porträt in Schrägansicht folgt Bonsignori einem Typus, den u. a. #Antonello da Messina und #Giovanni Bellini vertreten haben und der in der Tradition frühniederländischer Bildnisse steht . Dabei erinnert die wuchtige skulpturale Auffassung des Kopfes, der Würde und Entschlossenheit zum Ausdruck bringt, an #Andrea Mantegnas Porträts der Gonzaga-Familie in der Camera degli Sposi in Mantua. Dieser Einfluss hat einige Autoren zu der Vermutung verleitet, Mantegna selbst könne der Autor der Wiener Zeichnung sein. Bonsignori müsste sie dann als Vorlage für sein Gemälde verwendet haben. Eine Zuschreibung an Mantegna wird durch mangelndes Vergleichsmaterial erschwert. Der Künstler hat zwar nachweislich Porträtzeichnungen angefertigt, doch ist kein entsprechendes Exemplar erhalten. Gemalte Porträtköpfe Mantegnas halten das individuelle Aussehen mit großer Klarheit fest, doch verkörpern sie zugleich einen allgemeinen Charaktertypus. Diese Konzentration auf das Wesentliche, die eine Beschreibung der Einzelheiten dem Gesamtausdruck unterordnet, ist bei der Wiener Porträtzeichnung nicht festzustellen. Die Gesichtspartien sind isoliert voneinander studiert, und das Interesse gilt in erster Linie dem Festhalten von Details, die eher äußere Anzeichen des fortgeschrittenen Alters als Kennzeichen eines spezifischen Wesenszuges wie bei Mantegna sind. Da das Bild und die Zeichnung die gleichen stilistischen Charakteristika zeigen, glauben wir, dass beide von Bonsignori stammen.
Achim Gnann, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 39.
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