Lorenzo di Credi, Kopf eines Jünglings, Inv. Nr.: 24414
Kopf eines Jünglings
Lorenzo di Credi, Kopf eines Jünglings, Inv. Nr.: 24414
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Kopf eines Jünglings

Lorenzo di Credi

1480-1485




Künstler:in (Florenz um 1459 - 1537 Florenz)
Date1480-1485
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesMetallstift, weiß gehöht, auf gelbbraun grundiertem Papier
Dimensions22,8 x 14,9 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number24414
Markingsr.u. William Mayor (Lugt 2799)
Text

Lorenzo di Credi war nicht nur Maler, sondern auch Bildhauer - ein Handwerk, das er in der Werkstatt von #Andrea del Verrocchio erlernt hatte. Als Mitschüler war dort auch #Leonardo tätig, der Lorenzo di Credi stark geprägt hat. Bei dem Wiener Jünglingsporträt lässt der Künstler auf der Oberfläche einen weichen Glanz entstehen und umgibt die Gestalt mit einem zarten Sfumato, was für einen Einfluss von Zeichnungen Leonardos zu sprechen scheint. Das Blatt besticht durch die souveräne Linienführung, die den Formen durch feine und präzise Striche eine klare plastische Begrenzung gibt. In den schwingenden Linien, den zart aufgesetzten Glanzlichtern und der weichen Rundung der Gesichtszüge ist das Streben nach Sorgfalt, Glätte und Vollendung in der Ausführung zu erkennen, was bereits #Vasari als das Charakteristische an den Werken des Künstlers bezeichnet hat (Vasari, Ausg. Milanesi, Bd. 4, S. 564, 569). Bei dem vorliegenden Blatt kommt die Harmonie der Linienführung, bei der auf alles Spontane oder Unruhige im zeichnerischen Vortrag verzichtet wird, der Darstellung dieses anmutigen, noch nicht zum Manne gereiften Jugendlichen entgegen. Durch die flüchtiger angedeutete Kleidung und die in lockerem Schwung herabfallenden Haarsträhnen erhält die Darstellung zudem eine gewisse Lebendigkeit. Dieser Eindruck wird durch die Grundierung unterstrichen, bei der einzelne Bahnen des Farbaufstrichs noch sichtbar sind.
Der Jüngling sucht nicht den Kontakt zum Betrachter, sondern hat die Lider leicht gesenkt und blickt nachdenklich, in sich versunken. Die großen, unterschiedlich geformten Augen, die gerundete Nase und der geschwungene Mund mit den fülligen Lippen sind immer wiederkehrende Merkmale bei Gesichtern in den Gemälden von Lorenzo di Credi. Sie finden sich ähnlich bei dem Knabenporträt mit rotem Barett (Isabella Stewart Gardner Museum, Boston), aber auch bei Frauenbildnissen wie der Venus in den Uffizien (Dalli Regoli 1966, Nr. 80, 121).
Trotz dieser Neigung des Künstlers zum Typisieren verbirgt sich dennoch hinter jedem dieser Köpfe ein individueller Charakter.

Achim Gnann, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 42.

Catalogue raisonné
  • Stix 1932, 28
  • Birke/Kertész IV
  • Bibliography
  • Stix 1925, S. 10, Taf. 39
  • Berenson 1961, Nr. 732A*
  • Benesch 1964, Nr. 6
  • G. Dalli Regoli, Lorenzo di Credi, Pisa 1966, Nr. 77, Abb. 116
  • Ragghianti 1975, S. 128, Kommentar zu Nr. 175
  • AK Washington 1984/85, Nr. 44
  • Birke 1991, S. 28, Abb. 20.
  • Albertina, Meisterzeichnungen: Dürer bis Michelangelo, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau 2003, Abb. 31
  • Schröder 2008, S. 136f., Nr. 42
  • Provenance
  • William Mayor (1871–1874), London
  • C. G. Boerner Kunsthandlung, 1923 erworben

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/26657/kopf-eines-junglingsImage Request
    Last edited14.03.2025

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