Taufe Christi
Anonym
Maratta hatte 1695 von Papst Innozenz XII. (Antonio Pignatelli) (1691-1700) den Auftrag erhalten, für die Taufkapelle der Peterskirche in Rom drei große Bilder zu malen mit dem zentralen Motiv der „Taufe Christi", das ein Jahr später vollendet war. Die Kapelle wurde 1699 geweiht. 1763 wurde das Gemälde der „Taufe Christi" in S. Maria degli Angeli in Rom aufgestellt (Dowley 1965, p. 69, Fig. 1). Die vorliegende Zeichnung wurde von H. Voss als Entwurf für Marattas Gemälde für die Taufkapelle von S. Peter angesehen. Die bekannten eigenhändigen Studien Marattas zu diesem Gemälde im Kunstmuseum in Düsseldorf (A. Sutherland Harris/E. Schaar, Katalog des Kunstmuseums Düsseldorf. Die Handzeichnungen von Andrea Sacchi und Carlo Maratta, Düsseldorf 1967, p. 137, Nr. 386-393), in Madrid (V. M. N. Alcaide, Carlo Maratti, Cuarenta y tres dibujos de tema religioso de la Real Academia de San Fernando, Madrid 1965, Nr. 11-14 mit Abb.) und an anderen Orten sprechen gegen die Eigenhändigkeit dieser Zeichnung. Vergleicht man die bildhaften Kompositionen im Zusammenhang mit diesem Sujet - eine Studie der Sammlung des Earl of Leicester in Holkham Hall (Inv. Nr. 3A6; Voss 1964, Fig. 3; Dowley 1965, p. 70, Fig. 9; A. E. Popham, Old Master Drawings at Holkham Hall, Chicago 1986, Nr. 173) und eine Werkstattkopie im Kupferstich-Kabinett in Berlin (Inv. Nr. 17434; Schaar 1966, p. 414, Anm. 5, Fig. 2), so ist festzustellen, dass nur die Kopie in Berlin der Wiener Darstellung entspricht. Die Bildhaftigkeit der Albertina-Zeichnung und die detailgetreue analoge Darstellung in Berlin lassen vermuten, dass es sich um Werkstattkopien nach einem heute nicht nachweisbaren bozzetto (?) oder einer Gemäldevariante Marattas handelt. In der Albertina befinden sich eine Variante der Komposition (Inv. 1061; Birke/ Kertesz I, p. 543) sowie eine seitenverkehrte anonyme Nachempfindung aus späterer Zeit (Inv. 25049).
zitiert aus: Veronika Birke, Janine Kertész, Die italienischen Zeichnungen der Albertina. Generalverzeichnis, IV, Wien/Köln/Weimar 1997, S. 2565, Nr. 35298.
