Jan Toorop, Die Träumerin, Inv. Nr.: 40304
Die Träumerin
Jan Toorop, Die Träumerin, Inv. Nr.: 40304
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Die Träumerin

Jan Toorop

1897




Künstler:in (Poerworedjo (Java) 1858 - 1928 Den Haag)
Date1897
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSchwarze und farbige Kreiden auf grünem Papier
Dimensions61,4 x 47,5 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number40304
Signedr.u. bezeichnet, datiert und signiert: "AAN NAN 1897 / JAN TOOROP"
Text

Jan Toorop wurde als Sohn eines niederländischen Vaters und einer javanischen Mutter auf Java (damals Niederländisch-Indien) geboren. Mit vierzehn Jahren zog er in die Niederlande, wo er zunächst die Polytechnische Schule in Delft besuchte, bevor er sich endgültig für den Künstlerberuf entschied. Ab 1880 studierte Toorop an den Akademien von Amsterdam und Brüssel; 1886 wurde er Mitglied der prominenten Brüsseler Künstlergruppe "Les vingt" ("Die zwanzig"). Häufige Aufenthalte in London und Paris erweiterten seinen künstlerischen Horizont. Nach einer pointilistischen Phase entfaltete er ab den frühen neunziger Jahren in den Niederlanden seine berühmten symbolistischen Linienkompositionen, die in ganz Europa - besonders um 1900 in Wien - großes Aufsehen erregten.
Toorop ließ sich von der zeitgenössischen Literatur und von der Mystik des Mittelalters ebenso anregen wie von der Symbolik der Rosenkreuzer und Motiven aus Opern von #Richard Wagner. Wesentlich berührt wurde er von den englischen Präraphaeliten und von seinem belgischen Kollegen #Fernand Khnopff. Zur mystischen Wirkung seiner linear stilisierten Allegorien trägt die fernöstliche Ornamentik sehr wesentlich bei. Nach 1900 weisen Toorops zumeist religiös geprägte Werke einen zunehmend monumentalen Charakter auf.
"Die Träumerin" (1897) vertritt einerseits noch die Liniensymbolik der frühen neunziger Jahre, andererseits kündigt die flächenfüllende, nahsichtig dargestellte Profilgestalt bereits die neue Monumentalität an. Trotz der Widmung an "Nan" (Wijnanda Dekker, eine Bekannte des Künstlers) bleibt die Frage nach der Funktion und der Symbolik dieser subtil ausgeführten, mysteriösen Kreidezeichnung offen. Symbole wie der dunkle Wald, die Rosen, die Tropfen, die Dornen, die Kerze und die Glocke sind in Toorops Allegorien vielfach anzutreffen und können nicht eindeutig interpretiert werden. Der frontale nackte Körper mit den - für Toorops Frauenfiguren typischen - kleinen Brüsten unter dem transparenten, faltenreichen Gewand und das zur Seite gewandte Gesicht mit dem geschlossenen Auge scheinen den Zwiespalt zwischen Sinnlichkeit und Meditation zu vermitteln.
Während der dichte Wald, die langen weißen Tropfen, die verwelkten Rosen und die dornigen Äste zur linken Seite offenbar auf Trauer und Vergänglichkeit hinweisen, lassen sich die weißen Blüten der rechten Bildhälfte mit Jugend und Wachstum assoziieren. Vor der Trennlinie zwischen diesen kontrastierenden Bereichen befindet sich die Frauengestalt; ihr auf die rechte Hand gestütztes Gesicht neigt sich dem dunklen Wald zu, während sich ihr linker Arm, der die Glocke läutet, vor der Blütenkulisse befindet.
Das scharf stilisierte, präraphaelitisch geprägte Profilgesicht mit dem spitzen Kinn, dem kleinen Mund und dem geschlossenen Augenlid ist für Toorops Symbolismus ebenso charakteristisch wie der parallele Linienfluss der langen gewellten Haare. Von allen europäischen Künstlern wurde #Gustav Klimt sowohl in seinen idealisierten Frauengestalten als auch in seiner Liniensymbolik am stärksten von Toorop beeinflusst.

Marian Bisanz-Prakken, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 201.

Bibliography
  • AK Albertina 1991/92, Nr. 1
  • AK Heiliger Frühling. Gustav Klimt und die Anfänge der Wiener Secession 1895-1905, Albertina, Wien 1998/99, Nr. 309
  • AK Den Haag 2006/07, Nr. 36 (M. Bisanz-Prakken)
  • Schröder 2008, Nr. 201 (M. Bisanz-Prakken)
  • AK Nuda Veritas. Gustav Klimt and the origins of the Vienna Secession 1895 – 1905, Szépmüvésti Muzeum, Budapest 2010/11, Nr. 178, S. 188
  • Schiele bis Giaccometti Albertina, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb.4
  • Provenance
  • 1991 erworben (R. Light)

  • IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/27895/die-traumerinImage Request
    Last edited09.02.2026