Figurenstudie eines sitzenden Mannes
François Le Moyne
Um 1723
Die Studie entstand für das Gemälde Das Jagdfrühstück (München, Alte Pinakothek und São Paulo, Museu de Arte), in dem Le Moyne die von Watteau geschaffene Bildgattung der »fêtes galantes« weiterführt: Dargestellt ist eine elegante Gesellschaft, die sich am Ende eines frühmorgendlichen Jagdtreibens dem Frühstück und dem Müßiggang hingibt. Le Moynes delikate Zeichenweise und die Typik seiner graziösen, jugendlichen Figuren bilden wichtige Voraussetzungen für den Stil seiner Schüler Natoire und Boucher.
Vermutlich aufgrund der irrtümlichen traditionellen Zuschreibung dieser Zeichnung an Lancret wurde sie von Bordeaux (1984) nicht in das Werkverzeichnis von Le Moyne aufgenommen. Die Neuzuschreibung an den Künstler geht auf Konrad Oberhuber zurück (Cahieranmerkung) und basiert auf einem stilistischen Vergleich mit einer ehemals im Kunsthandel (Kate de Rothschild) befindlichen Zeichnung, welche eine Figurenstudie zu Le Moynes Gemälde "Die Bärenjagd" im Museo de Arte in Sao Paulo (siehe Bordeaux 1984, Nr. P 38) darstellt. Eine nach der vorliegenden Studie ausgeführte Figur auf einem der Gemälde Le Moynes konnten wir leider nicht identifizieren. In der Strichführung vergleichbare Zeichnungen finden sich im Louvre (Bordeaux 1984, Nr. D. 140-D. 143 und davor).
Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Heinz Widauer (Bearb.), Die französischen Zeichnungen der Albertina. Vom Barock bis zum beginnenden Rokoko. Beschreibender Katalog der Handzeichnungen in der Albertina, Bd. X, Wien/Köln/Weimar 2004, S. 238, Nr. 1103.
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