Der Apostel Simon Zelotes, Inv. Nr.: 3041
Der Apostel Simon Zelotes
Der Apostel Simon Zelotes, Inv. Nr.: 3041
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Der Apostel Simon Zelotes

Brügger Künstler

um 1440




Zugeschrieben an
Kopie nach (Maaseick um 1390 - 1441 Brügge)
Zuschreibung Inventar Herzog Albert (um 1440/1445 - 1503 Bocholt)
Dateum 1440
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Graubraun über Vorzeichnung in schwarzem Stift
Dimensions20,4 x 13,9 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number3041
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Die zwölf Apostel (Inv. 3031- Inv. 3042) präsentieren sich nun erstmals wieder in ihrer ursprünglichen Zusammenstellung: Einst waren jeweils ein stehender und ein sitzender Apostel auf einem Papierbogen vereint, bevor die Blätter wahrscheinlich bei ihrem Eingang in die Sammlung Alberts von Sachsen-Teschen zerschnitten und zu je zwei stehenden und zwei sitzenden Figuren neu gruppiert wurden. Die ursprünglichen Paare sind durch Johann Gottlieb Prestels Faksimile-Reproduktionen von Werken der Praun’schen Sammlung sowie durch die beim Schneiden in zwei Hälften geteilten Wasserzeichen in der Blattmitte zu rekonstruieren.

In der Nürnberger Sammlung Praun galten die Apostel noch als Werke von »Israël de Mecheln« (Israhel van Meckenem) und wurden erst 1916 von Friedrich Winkler als Kopien nach Werken Jan van Eycks identifiziert. Aufgrund ihrer stilistischen Nähe zu den Patriarchen in der Anbetung des Lammes sowie den Grisaillefiguren an der Außenseite des Genter Altars (datiert 1432) wird die Entstehung ihrer Vorlagen um 1430 vermutet. Im Unterschied zu den großteils mit Silberstift ausgeführten Zeichnungen aus dem Eyck-Kreis handelt es sich bei den Aposteln um Federzeichnungen, die jedoch mit ihrer Feinheit und Dichte der Linien sowie mit den typischen »Lichtkonturen« wesentliche Merkmale der Zeichenweise Van Eycks und seines Umkreises aufweisen. Sie sind daher vermutlich in unmittelbarer Nähe des Brügger Meisters entstanden. Borchert (2010) wies die Apostelfiguren jüngst Mitarbeitern der Eyck-Werkstatt zu, wo sie als Musterblätter und Motivschatz dienten.

Neben den von Borchert aufgezeigten Schraffen, die bei einem Teil der Blätter entlang der Binnenkonturen verlaufen, divergiert aber auch ihre Zeichenweise. Sie umfasst zart abgestufte, fein strichelnde Parallelschraffen wie beim Evangelisten Johannes, die wie bei den Schatten von Judas Thaddäus (Inv. 3042) in regelloser Dichte rupfig verwoben sein können. Bei anderen Figuren wie beim Apostel Paulus (Inv. 3032) kamen häufiger (für eyckische Zeichnungen eigentlich unübliche) Kreuzschraffen zur Anwendung, oder die Federlinien wurden wie beim heiligen Bartholomäus (Inv. 3039) und Jakobus Minor (Inv. 3037) durch partielle Lavierung ergänzt. Bemerkenswert ist, dass mittels Schlagschatten um die Apostel Raum evoziert wird, dass die einander paarweise zugewandten Apostel jedoch kein räumlicher Zusammenhang miteinander verbindet, was den Musterblattcharakter unterstützt.

Die Funktion der verlorenen Originale wurde kontrovers diskutiert (vgl. Zeman in AK Antwerpen 2002) und reichte von Silberstiftzeichnungen als Entwürfe für Kleinplastiken oder Reliefs über Grisaillemalereien und Paramentenstickereien. Von der Apostelserie existierte wahrscheinlich eine zweite, auf Pergament gezeichnete Fassung, die möglicherweise von der Wiener Serie abgepaust wurde (Zeman in AK Antwerpen 2002) und von der nur Jakobus Minor (New York, The Morgan Library & Museum, Inv. I, 225) und Paulus (New York, The Metropolitan Museum of Art, The Robert Lehman Collection, Inv. 1975.1.841) erhalten sind.

Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 13, S. 26.


Catalogue raisonné
  • Benesch 1928, 011
  • Bibliography
  • Prestel 1780, Nrn. 37 – 42
  • Winkler 1916, S. 297 – 300
  • A.K. Altniederländische Zeichnungen von Jan van Eyck bis Hieronymus Bosch, Antwerpen 2002, Nrn. 3, 4 (G. Zeman)
  • A.K. Van Eyck bis Dürer. Altniederländische Meister & die Malerei in Mitteleuropa 1430-1530, Brügge 2010, Nrn. 22 – 25 (T.-H. Borchert)
  • AK Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Nrn. 3-14.
  • Provenance
  • Paulus II. Praun (1548-1616)
  • dessen Nachkommen
  • verkauft über Frauenholz, Nürnberg (Kat. von 1802
  • L. Rép. 6354)
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/28595/der-apostel-simon-zelotesImage Request
    Last edited05.11.2021

    Der Apostel Petrus, Inv. Nr.: 3031
    Brügger Künstler
    um 1440
    Der Apostel Paulus, Inv. Nr.: 3032
    Brügger Künstler
    um 1440
    Der Apostel Johannes Ev., Inv. Nr.: 3033
    Brügger Künstler
    um 1440
    Der Apostel Thomas, Inv. Nr.: 3034
    Brügger Künstler
    um 1440
    Der Apostel Andreas, Inv. Nr.: 3035
    Brügger Künstler
    um 1440
    Der Apostel Jakobus Maior, Inv. Nr.: 3036
    Brügger Künstler
    um 1440
    Der Apostel Jakobus Minor, Inv. Nr.: 3037
    Brügger Künstler
    um 1440
    Der Apostel Philippus, Inv. Nr.: 3038
    Brügger Künstler
    um 1440
    Der Apostel Bartholomäus, Inv. Nr.: 3039
    Brügger Künstler
    um 1440
    Der Apostel Matthäus, Inv. Nr.: 3040
    Brügger Künstler
    um 1440
    Der Apostel Judas Thaddäus, Inv. Nr.: 3042
    Brügger Künstler
    um 1440