Bildnis eines Mannes im Profil
Anonym
1480-1490
Die Identität des Dargestellten ist ungewiss, doch lässt das locker um seinen Kopf gewundene Tuch vermuten, dass er der einfachen Bevölkerung angehörte. Die kleinformatige Bildnisstudie stammt aus einem Silberstiftskizzenbuch, ein für die Niederlande im 15. und frühen 16. Jahrhundert typisches Medium, in dem Künstler Naturstudien skizzierten, die ihnen später als Motivschatz für Tafelbilder dienten. Der Zeichner ergänzte die traditionelle, fein modellierende Silberstifttechnik auf neuartige Weise um den Pinsel, mit dem er geschickt dunkle Akzente setzte und die stoffliche Qualität der weichen, lockigen Haare herausarbeitete.
Die Zuschreibung des Blattes ist umstritten und reicht von den Niederländern Gerard David und Geertgen tot Sint Jans bis zum Deutschen Hans Holbein d. Ä. Der Darstellungstypus des markanten, realistischen Profilbildnisses erinnert an Figuren des Hugo van der Goes (um 1440 – 1482), während der »malerische « Einsatz des Silberstifts die nächsten Parallelen bei Zeichnungen des Brügger Malers Gerard David (um 1460 – 1523) findet. Vermutlich entstand das Blatt daher im Raum von Brügge oder Gent im frühen 16. Jahrhundert.
In der Sammlung des Louvre befinden sich zwei in Größe und Technik übereinstimmende Bildnisse, die aus demselben Skizzenbuch stammen dürften (Paris, Musée du Louvre, Département des Arts graphiques, Inv. 20652 und 20652bis). Die auf der Albertina-Zeichnung umseitig skizzierten Hände (Inv. 3251v) korrespondieren mit denen auf der der Rückseite des ersten der Pariser Blätter. Beide Hälften erweisen sich dadurch als ein zu unbestimmtem Zeitpunkt zerschnittenes Skizzenblatt.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/28603/bildnis-eines-mannes-im-profilImage Request