Anonym, Bildnis eines Mannes im Profil, Inv. Nr.: 3251r
Bildnis eines Mannes im Profil
Anonym, Bildnis eines Mannes im Profil, Inv. Nr.: 3251r
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Bildnis eines Mannes im Profil

Anonym

1480-1490




Künstler:in
Zugeschrieben an
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Zuschreibung Inventar Herzog Albert (Augsburg 1497 oder 1498 - 1543 London)
Date1480-1490
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesSilberstift, Pinsel in Grau, auf beige grundiertem Papier
Dimensions9,4 x 6,8 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number3251r
Markingsr.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text
Eine enge Verwandtschaft besteht zwischen der vorliegenden Profilstudie eines Mannes und einem Männerporträt, das der Forschung bislang unbekannt war und erst 2010 vom Metropolitan Museum in New York aus Privatbesitz angekauft wurde (Inventarnummer 2010.118; http://www.metmuseum.org/collection/the-collection-online/search/440840?rpp=30&pg=1&ft=Goes&pos=4&imgno=0&tabname=object-information§): Nicht nur die Kopftracht, sondern auch der Porträttypus und die weiche Art der Modellierung des Inkarnats und der Falten am Hals stimmen eng überein. Der zweite Teil unserer Zeichnung, der sich heute im Musée du Louvre in Paris befindet (Département des Arts graphiques, Inv. 20652) und denselben Mann statt im Profil nochmals im Dreiviertelporträt zeigt, stimmt mit dem New Yorker Gemälde sogar so eng überein, dass es sich sogar um dasselbe Modell handeln dürfte. Das New Yorker Bildnis (ausgeführt mit Ölfarbe auf Papier und auf Holz aufgezogen) wurde von Maryan Ainsworth zu Recht dem Umkreis des Hugo van der Goes zugeordnet und (m.E. etwas zu früh) um 1470–1475 datiert. Sowohl beim Gemälde als auch bei dem heute auf Wien und Paris aufgeteilten Skizzenblatt bestechen Ausdruck und Präsenz des Dargestellten sowie die detaillierte Wiedergabe von Falten und physiognomischen Details. Eva Michel, 2015     

Die Identität des Dargestellten ist ungewiss, doch lässt das locker um seinen Kopf gewundene Tuch vermuten, dass er der einfachen Bevölkerung angehörte. Die kleinformatige Bildnisstudie stammt aus einem Silberstiftskizzenbuch, ein für die Niederlande im 15. und frühen 16. Jahrhundert typisches Medium, in dem Künstler Naturstudien skizzierten, die ihnen später als Motivschatz für Tafelbilder dienten. Der Zeichner ergänzte die traditionelle, fein modellierende Silberstifttechnik auf neuartige Weise um den Pinsel, mit dem er geschickt dunkle Akzente setzte und die stoffliche Qualität der weichen, lockigen Haare herausarbeitete.

Die Zuschreibung des Blattes ist umstritten und reicht von den Niederländern Gerard David und Geertgen tot Sint Jans bis zum Deutschen Hans Holbein d. Ä. Der Darstellungstypus des markanten, realistischen Profilbildnisses erinnert an Figuren des Hugo van der Goes (um 1440 – 1482), während der »malerische « Einsatz des Silberstifts die nächsten Parallelen bei Zeichnungen des Brügger Malers Gerard David (um 1460 – 1523) findet. Vermutlich entstand das Blatt daher im Raum von Brügge oder Gent im frühen 16. Jahrhundert.

In der Sammlung des Louvre befinden sich zwei in Größe und Technik übereinstimmende Bildnisse, die aus demselben Skizzenbuch stammen dürften (Paris, Musée du Louvre, Département des Arts graphiques, Inv. 20652 und 20652bis). Die auf der Albertina-Zeichnung umseitig skizzierten Hände (Inv. 3251v) korrespondieren mit denen auf der der Rückseite des ersten der Pariser Blätter. Beide Hälften erweisen sich dadurch als ein zu unbestimmtem Zeitpunkt zerschnittenes Skizzenblatt.

Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 18, S. 40.

Catalogue raisonné
  • Benesch 1928, 21a (Nachtrag im Albertina-Exemplar)
  • Bibliography
  • Tietze-Conrat 1931 (flämische Schule, evtl. G. David?)
  • AK Albertina 1971, 38 (F. Koreny: Brügge, um 1500)
  • Ainsworth 1998, S. 34 – 36, Abb. 43 – 44 (Rekonstruktion der zusammengehörenden Hälften gemäß Koreny in AK Albertina 1971
  • »Geertgen tot Sint Jans?«)
  • AK Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Nr. 18 (Eva Michel).
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
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    Last edited06.02.2026