Frans Francken der Jüngere, Hexensabbat, Inv. Nr.: 7971
Hexensabbat
Frans Francken der Jüngere, Hexensabbat, Inv. Nr.: 7971
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Hexensabbat

Frans Francken der Jüngere

um 1610




Künstler:in (Antwerpen 1581 - 1642 Antwerpen)
Dateum 1610
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Braun, Aquarell, partielle Goldhöhungen, über Graphitstift
Dimensions19,1 x 27,0 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number7971
Inscribedr.o. Monogramm (auf dem geöffneten Regalkasten): "d i FF [= de jonge Frans Francken] inventor.";
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Frans Francken d. J. ist der populärste Vertreter einer Künstlerfamilie, die bis ins 18. Jahrhundert hinein den Antwerpener Kunstmarkt bediente. Sein gleichnamiger Vater war sein Lehrer, und bis zum Tod des »ouden« (alten) Francken (1542 – 1616) bezeichnete der Sohn seine Bilder selbstbewusst mit dem Zusatz »de jonge Frans«. Seine Bekanntheit verdankt er der Vielzahl delikater, meist kleinformatiger Szenen aus Geschichte, Religion und Mythologie.

Einen besonderen Platz nehmen in Franckens Werk die »spokereijen«, also Bilder schauriger Sujets ein. Sechs Gemälde und mehrere Zeichnungen, die allesamt um 1610 entstanden, führen dem schaudernden Betrachter die Schrecken eines Hexensabbats vor (Härting 1989, Nrn. 405–410). Das Wiener Blatt zeigt im Zentrum die Erscheinung des auf einem Schemel stehenden Dämons, der eine Funken sprühende Kerze in der Hand hält und sich von den Hexen huldigen lässt. Links entweichen einem brodelnden Kessel allerlei Ungetüme und rechts entkleidet sich vor einem nackten Alten eine junge Frau, die in die Hexenversammlung aufgenommen werden soll. Auf dem Boden davor sieht man Zauberkreise, Beschwörungsformeln, Schädel, Echsen und Monstren aller Art. Der Blick durchs Fenster zeigt nackte Hexen, die mit ihren Besen davonreiten, um die Kirche im Hintergrund in ihr Verderben zu stürzen. Die feine Lavierung und zarte Goldhöhungen legen nahe, es habe sich, ungeachtet des skizzenhaften Zeichenstils, von vornherein um ein Sammlerstück gehandelt.

Dass Frauen wie Männer in Geheimbünden und vom Teufel mit Gewalt begabt ihr schändliches Unwesen treiben, davon war auch der Mensch der frühen Neuzeit überzeugt. Seine Motive konnte Francken also aus der einschlägigen Hexenliteratur schöpfen; Vorbilder für einzelne Details finden sich bei Bosch und Bruegel. Dennoch stehen die Hexenszenen Franckens völlig singulär und befriedigen gleichermaßen Moral wie Schau- und Schauerlust seiner Zeit.

Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 45, S. 104.


Bibliography
  • Schönbrunner/Meder 1896-1908, 8, Nr. 855, Abb.
  • Bernt 1957, I, Nr.237, Abb.
  • Härting 1983, Nr. ZA407
  • Härting 1989, S. 69 – 70
  • AK Köln/Antwerpen 1992, Nr. 128.1 (U. Westfehling)
  • AK Albertina 2013, Nr. 45.
  • Provenance
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen (L. 174)
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/28849/hexensabbatImage Request
    Last edited06.02.2026