Bartolomäus Spranger, Poseidon und Amphitrite, Inv. Nr.: 7993
Poseidon und Amphitrite
Bartolomäus Spranger, Poseidon und Amphitrite, Inv. Nr.: 7993
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Poseidon und Amphitrite

Bartolomäus Spranger

um oder vor 1592




Künstler:in (Antwerpen 1546 - 1611 Prag)
Dateum oder vor 1592
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Dunkelbraun, graubraun laviert, weiß gehöht, über Skizze in schwarzer Kreide oder Kohle, von späterer Hand ergänzt mit Feder in Hellbraun und Pinsel in Deckweiß
Dimensions25,4 x 19,6 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number7993
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Dies ist der Erstentwurf zu einem um 1592 entstandenen Kupferstich Pieter de Jodes (1570 –1634). Das einzig bekannte Exemplar des bei Hollstein nicht erwähnten Druckes befindet sich in der Albertina. Allerdings war die hier ausgestellte Zeichnung nicht die direkte Stechervorlage: Spranger schuf eine zweite, annähernd maßgleiche Skizze, und dieses in New York verwahrte Blatt wurde vom Stecher seitenverkehrt reproduziert. Kopien nach der New Yorker Zeichnung befinden sich in New Haven (Yale University Art Gallery, Inv. 1961.63.82) und Berlin (Staatliche Museen, Kupferstichkabinett, KdZ 13630).

Sprangers schwungvoll gezeichnete Stichentwürfe der 1590er-Jahre standen oft erst am Anfang eines aufwendigen Prozesses. Manchmal markierte der Künstler seine Änderungswünsche direkt auf den Probeabzügen der Stecher, dann wieder schuf er, wie in unserem Fall, mehrere Fassungen eines Themas. Hier erschien ihm die Anordnung des Brautpaares offenbar nicht zufriedenstellend – auf der endgültigen Version sitzt Neptun auf dem Muschelwagen und umfängt seine neben ihm stehende Braut. Dass die Seepferde in der Zweitfassung durch Delfine ersetzt wurden, deutet sich bereits in einer Deckweißkorrektur an: Zu Füßen der Amphitrite skizzierte Spranger den Kopf eines Delfins mit geöffnetem Maul. Mit Deckweiß wurde auch der in den Wolken herabschwebende Schwanenwagen der Venus ausgelöscht. Dagegen stammt die Schraffur der Wolken wohl von späterer Hand, ebenso wie der Blumen streuende Putto oben rechts, der von De Jodes Stich abgeleitet sein könnte. Auch die trompetenden Tritonen wurden später ergänzt, möglicherweise im Zusammenhang mit dem um 1611/1614 von Jacob Matham (1571–1631) nach Spranger gestochenen Triumph von Neptun und Thetis. Dieser Stich variiert spiegelverkehrt die Seepferde der Wiener Zeichnung und den Blumen streuenden Putto.

Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 66, S. 144.


Catalogue raisonné
  • Benesch 1928, 280
  • Bibliography
  • Bartsch 1794, S. 244, Nr. 2
  • Benesch 1928, S. 30, Nr. 280
  • Niederstein 1931, S. 24, Nr. 5
  • Oberhuber 1958, S. 97, 256, Nr. 57
  • Haverkamp-Begemann und Logan 1970, S. 274, Nr. 1
  • Stechow 1970, S. 62, Nr. 88
  • AK Wien 1988, Bd. 2, S. 175, Nr. 644
  • Pfeifer-Helke 2011, S. 52, unter Nr. 34
  • AK Albertina 2013, Nr. 66
  • AK New York 2014, S. 194, Nr. 106 (Metzler).
  • Provenance
  • Charles Antoine Prince de Ligne (1759–1792), Brüssel (Auktion bei Aloys Blumauer, Wien, ab 4. November 1794, S. 244, Nr. 2
  • Lugt Rep. 5245)
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
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    Last edited13.07.2021