Cornelis Claesz. van Wieringen, Bewegte See mit Booten vor einem Pier, Inv. Nr.: 8169
Bewegte See mit Booten vor einem Pier
Cornelis Claesz. van Wieringen, Bewegte See mit Booten vor einem Pier, Inv. Nr.: 8169
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Bewegte See mit Booten vor einem Pier

Cornelis Claesz. van Wieringen

späte 1620er-Jahre




Künstler:in (Haarlem 1575/77 - 1633 Haarlem)
Datespäte 1620er-Jahre
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Braun, graubraun laviert
Dimensions17,5 x 29 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number8169
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Cornelis Claesz. van Wieringen, Sohn eines Seemanns, war auch selbst mit der maritimen Praxis vertraut. Er zählt zu den frühesten Nachfolgern von #Hendrick Cornelisz. Vroom (1566-1640), einem der Begründer der holländischen Marinemalerei; beide Künstler waren in Haarlem tätig. Von Hendrick Cornelisz. Vroom - Vater des Landschaftskünstlers #Cornelis Hendricksz. Vroom (Inv. 8166, 8167, 8168) - sind viele bunt detaillierte Gemälde mit Darstellungen von maritimen Ereignissen, aber nur wenige Zeichnungen bekannt. Van Wieringen dagegen hat weitaus mehr Zeichnungen als Gemälde produziert. Die gezeichneten Arbeiten van Wieringens sind nicht datiert; sichere Anhaltspunkte bieten eine nach seinem Entwurf entstandene Tapisserie aus dem Jahr 1622 sowie die Druckgrafiken, die nach seinen - nicht erhaltenen - Vorlagen ausgeführt wurden.
Die präsentierte Zeichnung wurde traditionell Hendrick Vroom zugeschrieben; 1979 wurde sie in das erstmals konstituierte Œuvre Cornelis van Wieringens aufgenommen. Zusammen mit dem motivisch und stilistisch verwandten Blatt "Segelboote bei einem Pier" im Fitzwilliam Museum in Cambridge zählt "Bewegte See mit Booten vor einem Pier" jetzt zu den Höhepunkten im zeichnerischen Schaffen des Künstlers. Beide Werke wurden in die späten 1620er-Jahre datiert, die die reife Entwicklungsphase van Wieringens markieren.  Anders als in seinen früheren, imaginären Darstellungen handelt es sich in dieser Szene um alltägliche, maritime Aktivitäten in einer wirklich vorstellbaren räumlichen Situation. Das Meer breitet sich unter dem weiten Wolkenhimmel als offene Fläche aus, in der die Tiefe nicht durch künstlich anmutende Staffelungen, sondern durch den Pier rechts vorne und die weiter entfernte Landzunge am linken Bildrand auf natürliche Weise definiert wird. Zu dieser Tiefenwirkung tragen auch die räumlichen Entfernungen zwischen den Schiffen bei, welche sich durch ihre Verschiedenartigkeit und ihre unterschiedliche Lage effektvoll voneinander abheben. Die immer noch spätmanieristische Kalligrafie mit den schwungvollen wie auch fragilen parallelen und spitzwinkligen Linienformationen dient der Wiedergabe von Phänomenen, die der empirischen Wahrnehmung zugrunde liegen. Dies zeigt sich im bewegten Spiel der Wellen, in den Lichtspiegelungen und in den durch die Wolken brechenden Sonnenstrahlen. Die große Wirkung, die #Hendrick Goltzius um 1600 in Haarlem mit seinen virtuosen Federzeichnungen entfaltete, ist hier nach wie vor spürbar. Zugleich markiert die Zeichnung den Übergang zum neuen Realismus der Landschafts- und Marinedarstellungen.
Die scharf detaillierte, modellhafte Wiedergabe des im Vordergrund segelnden Bootes könnte - ebenso wie der bildhaft vollständige Charakter der Zeichnung - auf eine Funktion als Stichvorlage hinweisen, obwohl eine entsprechende druckgrafische Fassung bisher nicht nachgewiesen werden konnte.

Das Zeitalter Rembrandts, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Abb. 152, Abb. 324.

Catalogue raisonné
  • Benesch 1928, 369
  • Bibliography
  • Keyes 1979, S. 15-17, 20, 41 f., Nr. 16, Abb. 28
  • A.K. Mirror of Empire: Dutch Marine Art of the Seventeenth Century, bearb. von G. S. Keyes u. a., The Minneapolis Institute of Arts, Minneapolis
  • The Toledo Museum of Art, Toledo
  • Los Angeles County Museum of Art, Los Angeles, 1990/91, S. 271 f. (unter Nr. 95), Abb. a
  • A.K. Die Landschaft im Jahrhundert Rembrandts, hg. von M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 1993, Nr. 78
  • A.K. Drawings from the Albertina. Landscape in the Age of Rembrandt, bearb. von M. Bisanz-Prakken, The Drawing Center, New York
  • Kimbell Art Museum, Fort Worth, 1995, Nr. 68
  • A.K. Das Zeitalter Rembrandts, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Nr. 152 (M. Bisanz-Prakken)
  • Provenance
  • Cornelis Ploos van Amstel (Auktion Amsterdam, 3.3.1800, F 88)
  • Philippus van der Schley (1724–1817), Amsterdam
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
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    Last edited27.02.2024