Kopf einer Frau mit gesenktem Blick (Studie für die Madonna des "Ildefonso-Altars")
Peter Paul Rubens
um 1630/31
Junge, pausbäckige Mädchen, die aus Rubens’ flämischer Heimat stammen könnten, standen Modell, als er die Kopfstudien von Jungfrauen und einer Madonna (Inv. 8272) für den sogenannten Ildefonso-Altar zeichnete. Mit schwarzer Kreide hat der Künstler die Kopfform umrissen und ihr Haar gezeichnet; mit dem Rötelstift gab er den Gesichtern, der Haut und den Augen der jungen Frauen Leben und Anmut. Das Rouge in den Wangen verleiht ihnen Unschuld und Liebreiz, dem sich im ausgeführten Gemälde durch die weißen Roben Glanz und Feierlichkeit hinzugesellen. Die Frauen zieren die Mitteltafel des Altars, der sich ursprünglich in der Brüsseler Kirche Sint-Jacob-op-Koudenberg befand.
Rubens trachtete danach, mit möglichst authentischen jungen Frauen aus dem Volk den Gläubigen der Kirche das Wunder, das der Bischof von Toledo, der heilige Ildefonso, erfahren hatte, besonders anschaulich vor Augen zu führen: Der Bischof war gerade in sein Ave Maria vertieft, als die Madonna vom Himmel herabstieg und, umgeben von weiblichen Heiligen, auf seinem Thron Platz nahm. Sie überreichte ihm ein herrliches Messgewand zum Dank für seine eindrückliche Schrift zur Unbefleckten Empfängnis, den Libellus de virginitate S. Mariae contra tres infideles.
Rubens erhielt im April 1630 von Infantin Isabella den Auftrag, dieses Altarbild zu malen. Vermutlich wurde es am 23. Januar 1632 enthüllt, dem Ehrentag des Heiligen. Heute wird der Altar im Kunsthistorischen Museum in Wien aufbewahrt; eine Ölskizze zur Mitteltafel des Triptychons besitzt die Eremitage in St. Petersburg.
Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Abb. 106, S. 220.
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