Landstraße mit Figurengruppen vor einem Dorf mit Kirche
Jan Josefsz. van Goyen
um 1650
In seinen späten Lebensjahren war Jan van Goyen als Zeichner besonders produktiv. Den Auftakt zu dieser fruchtbaren Phase bilden - aus heutiger Sicht - zwei umfangreiche Skizzenbücher, die der Künstler während einer Reise nach Antwerpen und Brüssel im Jahre 1648 und einer 1650/51 unternommenen Wanderung von Kleve rheinabwärts über Arnheim anlegte. Für seine Gemälde wie auch für seine in der Werkstatt entstandenen Zeichnungen, die für den Verkauf bestimmt waren, bildeten die vor Ort entstandenen Arbeiten ein unerschöpfliches Reservoir.
Trotz ihrer oft standardmäßigen Kompositionen wirken die Landschaftszeichnungen, die van Goyen in der Werkstatt aus der Erinnerung oder auf der Basis von Reiseskizzen schuf, durchaus unmittelbar und natürlich. Auch die hier präsentierte, um1650 zu datierende Zeichnung entstand vermutlich im Atelier des Künstlers. In diesem relativ großen Blatt schloss van Goyen in sehr eigenständig, an das traditionelle, im 16. Jahrhundert wurzelnde Schema der kontrastierenden Raumschichten an. Die Landschaft wirkt sehr lebhaft durch die Rhythmisierung der verschiedenen Bewegungsrichtungen - von den Wellenlinien der leuchtenden, diagonal verlaufenden Landstraße über die vibrierenden Umrisse der Bausubstanz bis zum locker gestrichelten Wolkenhimmel. Vermittelt wird hier vor allem die Atmosphäre einer lichtüberfluteten Landschaft, in der Architektur, Figurenstaffage und Vegetation organisch miteinander verbunden sind. Innerhalb der schwarzbraunen Monochromie entfaltet sich eine reiche Palette an Schattierungen.
Das Zeitalter Rembrandts, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Abb. 45, S. 106.
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