Viehherde an einem Waldrand
Maerten de Cock
1628
Über das Leben von Maerten de Cock ist so gut wie nichts bekannt; die von #Cornelis Ploos van Amstel im 18. Jahrhundert überlieferten Lebensdaten - 1678 in Antwerpen geboren, 1661 in Augsburg gestorben - lassen sich nicht belegen.1630 hielt sich de Cock mit Sicherheit in Amsterdam auf. Seine datierten Werke sind zwischen 1620 und 1646 fixierbar.
Der Großteil des Œuvres von Maerten de Cock besteht aus minutiös ausgeführten Zeichnungen von imaginären Landschaften. Wie viele Künstler, die aus den Südlichen Niederlanden in den Norden gezogen waren, führte de Cock die manieristische Landschaftstradition des flämischen 16. Jahrhunderts mit großer Konsequenz weiter. So erinnert die 1628 datierte Zeichnung in ihrem schweren Baumrepoussoir, in den ausgeprägten Raumkulissen, in der Braun-Grün-Blauskala wie auch im dekorativ-stilisierenden Federduktus an die Landschaftsdarstellungen von #Paul Bril. Dieser einflussreiche, in Rom tätige Künstler, dessen Kompositionen vor allem über die Druckgrafik eine internationale Verbreitung fanden, war 1626 gestorben. Was die hier gezeigte Arbeit von Maerten de Cock vom imaginären Landschaftstypus des älteren Flamen unterscheidet, ist das Motiv der niederländischen Flachlandschaft. Diese weist, trotz ihres idealisierenden Charakters, mehrere realistische Details auf: die zeichnenden und rastenden Figuren im Vordergrund, die weidenden Kühe, den Bauernhof und das Dorf in der Ferne, das sich fast in Augenhöhe des Betrachters befindet. Die Raum schaffende Wirkung des Lichtes, das die ganze Szene erhellt und belebt, lässt sogar an die frühen tonalen Versuche von Zeitgenossen wie #Esaias van de Velde oder #Jan van Goyen denken. Drei weitere, im Zeitraum 1628/29 entstandene Zeichnungen stimmen im Stil, im Format, im Kolorit sowie in der pastoralen Thematik mit der Albertina-Arbeit überein (Amsterdam, Rijksmuseum, Rijksprentenkabinet, Inv. RP-T-1948-388; Berlin, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, KdZ 12647; Windsor Castle). Möglicherweise wurden die drei Blätter in einem serienmäßigen Zusammenhang geschaffen.
Das Zeitalter Rembrandts, Ausstellungskatalog, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien, Ostfildern 2009, Abb. 37, S. 90.
IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/29454/viehherde-an-einem-waldrandImage Request