Rembrandt Harmensz. van Rijn, Der Prophet Jonas vor den Mauern von Ninive, Inv. Nr.: 8808
Der Prophet Jonas vor den Mauern von Ninive
Rembrandt Harmensz. van Rijn, Der Prophet Jonas vor den Mauern von Ninive, Inv. Nr.: 8808
Credit: ALBERTINA, Wien Image: ALBERTINA, Wien

Der Prophet Jonas vor den Mauern von Ninive

Rembrandt Harmensz. van Rijn

um 1651




Künstler:in (Leiden 1606 - 1669 Amsterdam)
Dateum 1651
Object TypeZeichnung
Object typeDrawing
Materials / TechniquesFeder in Braun, laviert
Dimensions21,7 x 17,3 cm
CreditALBERTINA, Wien
Object number8808
Markingsl.u. Herzog Albert von Sachsen-Teschen (Lugt 174)
Text

Durch intensive Auseinandersetzung mit den literarischen - vor allem biblischen - Quellen versuchte Rembrandt immer wieder, zum emotionalen Kern der darzustellenden Geschichten durchzudringen. Ganz besonders trifft dies auf die Zeichnung "Der Prophet Jona vor den Mauern von Ninive" zu.
Im Buch Jona des Alten Testaments wird beschrieben, wie der Prophet in Ninive den Untergang der in Sünde lebenden Stadt gepredigt hat. Als der König und seine Untertanen offen ihre Reue zeigten, sah Gott jedoch von der angedrohten Strafe ab. Schwer enttäuscht ließ Jona sich an den östlichen Mauern der Stadt nieder. Als Gott den Rizinusstrauch, den er in einer Nacht hatte wachsen lassen, tags darauf wieder zugrunde gehen ließ, sodass Jona der stechenden Sonne ausgesetzt war, erreichten der Zorn und die Verzweiflung des Propheten ihren Höhepunkt; er wünschte sich sogar den Tod herbei. Bezugnehmend auf den vertrockneten Strauch sagte Gott belehrend zu Jona: "Mir aber sollte es nicht Leid sein um Ninive, die große Stadt, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen leben, die nicht einmal rechts und links unterscheiden können - und außerdem so viel Vieh?"
Rembrandt bezieht sich offensichtlich auf den dramatischsten Teil der Geschichte (Jona 4, 7-9). Mit knappen Mitteln kennzeichnet er die Essenz der äußeren Lage: die schwere Architektur, den fehlenden Schutz vor der brennenden Sonne und die karge Vegetation. Im Fokus der Darstellung stehen die ringenden Hände und die verzweifelte Miene der Hauptfigur. Die heftigen Striche der schweren Vordergrundpartie und der dunklen Höhle unterstreichen die Dramatik der Szene; umso intensiver wirkt das blendende Sonnenlicht, das durch die freigelassenen Papierstellen hervorgerufen wird.
Charakteristisch für Rembrandts späten Zeichenstil um die Mitte der 1650er-Jahre ist die extrem freie, teils heftige Strichführung der Rohrfeder, mit der die Formen und Strukturen nur sparsam angedeutet werden. In einem stockenden Rhythmus wechselt die Tinte von hell bis dunkel, von flüssig bis spröde, wobei die Konturen stellenweise sehr durchlässig wirken. Gleichsam seismografisch registriert das Stakkato der Federlinien die Emotionen der verzweifelten, der stechenden Sonne ausgesetzten Gestalt.

Marian Bisanz-Prakken, in: Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina (Kat. Best. Albertina, Wien 2008), Petersberg 2008, Nr. 90.

Catalogue raisonné
  • Benesch 1954-57, V, Nr.950, Abb. 1162
  • Benesch 1973, Bd. 5, Nr. 950, Abb. 1227
  • Bibliography
  • Schönbrunner/Meder 1896-1908, 9, Nr. 1017, Abb.
  • Hofstede de Groot 1906, Nr. 1426
  • Valentiner 1909, Nr. 563
  • AK Amsterdam 1935, Nr.89
  • AK Wien 1949, Nr.104
  • Benesch 1935, p. 56
  • Benesch 1947, Selected Drawings, Nr. 210
  • AK Stockholm 1956, Nr.162
  • AK Rotterdam/Amsterdam 1956, Nr.208
  • AK Wien 1956, Nr.113
  • Rosenberg 1964, Abb. 147
  • Benesch 1973, Bd. 5, Nr. 950
  • AK Albertina 1969, Nr. 54
  • Schatborn 1985, S. 76
  • AK New York u.a. 1997 - 1999, Nr. 30
  • AK München/Amsterdam 2001/02, pp. 248/49 (sub Nr. 66)
  • A.K. Rembrandt, hg. von K. A. Schröder und M. Bisanz-Prakken, Albertina, Wien 2004, Nr. 116
  • A.K. Rembrandt 400. Rézkarcok és rajzok / Etchings and Drawings, bearb. von Teréz Gerszi, Szépmüvészeti Múzeum, Budapest, 2006, Kat. 94, S. 61
  • Klaus Albrecht Schröder (Hg.), Die großen Meister der Albertina, Wien, Ostfildern 2008, Nr. 90 (M. Bisanz-Prakken)
  • AK Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina, hg. von K. A. Schröder und C. Metzger, Albertina, Wien, Ostfildern 2013, Nr. 145.
  • Albertina, Rubens bis Rembrandt, hrsg. von Klaus Albrecht Schröder, Bad Vöslau: Grasl Druck & Neue Medien 2003, Abb. 45
  • Provenance
  • Sammlung Gottfried Winckler (1731–1795), Leipzig
  • Herzog Albert von Sachsen-Teschen
  • Online resources
    IIIF Logo IIIFPermalinkhttps://sammlungenonline.albertina.at/objects/29673/der-prophet-jonas-vor-den-mauern-von-niniveImage Request
    Last edited19.07.2021